Der Brüggener Elmar Storch räumt in den Wäldern und rund um die Seen auf

Brüggen/Niederkrüchten: Ein Brüggener räumt im Wald auf

Seit dem Orkantief Friederike im Januar 2018 zieht es Elmar Storch jeden Tag in den Wald. Der Brüggener räumt dort auf — allerdings beseitigt er schon lange keine Sturmschäden mehr. Der Brüggener kümmert sich um wilden Müll.

Seit der Sturm Friederike vor gut einem Jahr Bäume umgeworfen und etliche Äste herunter gepustet hat, zieht der Brüggener Elmar Storch durch die Wälder und räumt dort auf. Zunächst trug er die quer über den Wegen Äste beiseite, um mögliche Rettungswege frei zu machen. Nun zieht er täglich in den Wald und an die regionalen Seen, um dort Müll einzusammeln – und davon gibt es reichlich. Vom vermoosten Wohnwagen über Lebensmittel, Autoreifen bis hin zu Getränkeflaschen – die Natur wird dort als riesiger Mülleimer missbraucht.

Das Problem ist: Eigentlich ist es illegal, was Storch dort macht. Das Naturschutzgesetz besagt, dass in der freien Landschaft das Betreten der privaten Wege und Pfade, der Wirtschaftswege sowie der Feldraine, Böschungen, Öd- und Brachflächen und anderer landwirtschaftlich nicht genutzter Flächen zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr gestattet ist. Das Gebiet außerhalb der befestigten oder besonders gekennzeichneten Wege zu betreten oder zu befahren, ist in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten im Kreis Viersen verboten.

„Für den Diergartschen See ist die untere Naturschutzbehörde zuständig“, erklärt Storch. Das ändere sich aber teilweise Meter für Meter. „Beispielsweise die Sitzbänke mit Mülleimern am Schwalmkanal werden von der Gemeinde betreut. Ist ein Baum umgefallen, ist der Förster zuständig. Stürzt er aber über die Schwalm, ist der Schwalmverband Ansprechpartner“, sagt er. Die Zuständigkeiten könnten Außenstehende schon mal verwirren.

Der 45-Jährige kennt sich aus im Wald. „Ich gehe vorsichtig mit der Natur um und stehe mit den Behörden in Kontakt“, erzählt Storch. Er meldet, wenn etwa große Mengen Müll abgeholt werden sollten. Sein Wunsch ist es, offiziell als Naturschutzwart eingesetzt werden zu können. „Ich möchte helfen und die Natur vom Müll befreien“, sagt er.

Mit den Angelvereinen an den Seen hat er ebenfalls Kontakt aufgenommen. Mit Haken und Schuffeln fischte er vor allem im Sommer Bierflaschen und pro See vier Luftmatratzen aus den Gewässern. Mit dem Kajak war er auf den Seen unterwegs und sammelte alles ein, was an Müll hineingeworfen worden war und an der Oberfläche schwamm. Wenn er mit seinem Pritschenwagen am Fahrrad unterwegs ist, füllt sich dieser meist schnell mit Müll und Unrat. Im Rahmen seiner persönlichen Nikolausaktion kamen am Diergardtschen See neun große Müllsäcke, sieben volle Glaskisten, Reifen, Plastikgeschirr, Grills, Zelte, Stühle und anderer Müll zusammen. „Man konnte sehen, dass diese Sachen dort schon länger liegen. Und die gleiche Menge liegt dort nochmal“, bedauert Storch.

Der Berufsfotograf war beim Fotografieren auf den Müll gestoßen. „Ich empfinde die Aufräummaßnahmen als ein Rennen gegen Windmühlenflügel“, sagt er. Er meldet volle Tonnen, weist auf Missstände hin, setzt sich mit Jugendlichen an den Seen auseinander, die durch Aggressivität auffallen, beklagt er. „Manchmal glaube ich, durch mein Engagement bei vielen unangenehm aufzufallen, aber der ganze Müll muss doch aus der Natur raus“, betont Storch.

Auch jetzt im Winter sammelt er weiter Müll ein, packt ihn in Müllbeutel und stellt diese an öffentlichen Mülleimern ab – sortiert und markiert, sodass die Behörden es bei der Entsorgung einfacher haben.

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