Solinger kämpfen um den WM-Titel im Segway-Polo

Segway-Polo : Solinger kämpfen um den WM-Titel

Segway-Polo: Die „Blade Allstars“ liegen in der Bundesliga auf Platz zwei. Ende Juli geht es nach Stockholm.

Man stelle sich vor, FIFA-Präsident Gianni Infantino würde sich dazu herablassen, selbst auf dem grünen Rasen gegen den Ball zu treten, anstatt in der Ehrenloge mit Staatsmännern zu plaudern. Und das auch noch in Solingen. Möglich ist das wohl nur in der Welt hoffnungsloser Fußball-Romantiker – oder beim Segway-Polo. Denn Mark Dyckmanns, Vorsitzender der ISPA (International Segway Polo Association), des Weltverbandes für die noch junge Sportart, kämpft selbst regelmäßig für seine Mannschaft um Tore und Punkte. Die kommt aber nicht aus der Schweiz, wie der höchste Fußballfunktionär, sondern aus Balve im Sauerland – und gastierte am sonnigen Sonntagvormittag auf dem Kunstrasenplatz vor dem Vereinsheim des FC Britannia am Weyersberg. Die „Blade Allstars“ aus Solingen empfingen ihre gesamte nationale Konkurrenz zum dritten Bundesliga-Spieltag.

Ein helles Summen wie von einem Bienenscharm liegt in der Luft. Das erzeugen die Segways – die Akku-betriebenen Ein-Mann-Transporter mit zwei dicken Rädern, auf denen die Sportler stehend über den Platz düsen – und dabei mit ihren Schlägern, den „Mallets“, dem kleinen Ball hinterher jagen, um ihn schließlich im Tor zu versenken. Rufe wie „Defence!“ oder „Schieß!“ hallen über den Platz. Im Tor der „Blade Allstars“, einem Zusammenschluss der „Blade Dragons“ und „Blade Pirates“ – beide gehören zum Verein Segway-Polo Bergisches Land – steht Bärbel Krahforst. Konzentriert verfolgt sie die Spielzüge ihrer Vorderleute. „Sie ist eine Weltklasse-Torfrau“, ruft ein Kollege den Zaungästen am Spielfeldrand zu, und schickt hinterher: „Sie hat das kleine Finale bei der WM in Washington entschieden.“ Die Weltmeisterschaften tragen beim Segway-Polo die Vereinsmannschaften aus – 26 gibt es davon weltweit – und die Solinger sind ziemlich erfolgreich: Die „Blade Pirates“, das älteste Team des Vereins, holten 2011 im kalifornischen Folsom den Titel.

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak gilt als einer der Pioniere der Sportart, die die Pferde durch die wendigen Fahrzeuge ersetzt. „Es ist ein Sport unter Gleichen“, sagt Verbandspräsident Dyckmanns zwischen den Spielen. „Ich bin mit 48 genauso schnell wie der 20- und der 70-Jährige.“ Gerade das sorgt gelegentlich für Spott unter Zynikern: Segway-Polo, heißt es, sei wegen der elektrischen Fortbewegung eigentlich kein richtiger Sport. Doch, erwidert Bärbel Krahforst: Schließlich komme es auf die Koordination an. „Wir gehen ständig in die Hocke, müssen schnell reagieren und lenken.“ Das mache sich in Rücken und Oberschenkel bemerkbar. Und wer das temporeiche Spiel von außen verfolgt oder selbst einmal auf dem Gefährt gestanden hat, gibt ihr Recht.

Bärbel Krahforst und Ehemann Jens, heute Vorsitzender des Vereins Segway-Polo Bergisches Land, waren vor zehn Jahren auf den Sport aufmerksam geworden. „Er hat lange Handball gespielt, und suchte nach einer Sportart, die nicht so sehr die Knie belastet“, erzählt die Torfrau in der Pause – ein Spiel läuft über viermal acht Minuten. Am Ende bezwingen die Blade Allstars das Team Bielefeld souverän mit 4:0 – und schlagen später auch die „Funky Move Turtles“ aus Lohmar mit 2:0. Zwei Siege feiert auch Mark Dyckmanns Team Sauerland an diesem Spieltag. Auf und neben dem Platz geht es locker zu: „Wir sind eine große Familie – auch auf internationaler Ebene“, schwärmt Bärbel Krahforst. Auf der können sich die Solinger bald wieder beweisen: Vom 24. bis 28. Juli steigt in Stockholm die nächste WM.

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