Heiße Testphase für den BOB in Solingen startet im Herbst

Batterie-Obus : BOB startet im Herbst in heiße Testphase

In der zweiten Jahreshälfte sollen die Batterie-Obusse erstmals regelmäßig auf der Linie 695 verkehren. Die ersten Erfahrungen der Stadtwerke mit der neuen Technik sind positiv. So ist eine Weiterverwertung der Akkus denkbar.

Am Freitagmorgen war auf dem Betriebshof der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken Solingen (SWS) eine Art verspäteter Frühjahrsputz angesagt. Schon seit geraumer Zeit kurven vier der neuen Batterie-Obusse (BOB) über die Straßen der Klingenstadt. Und bei den Testfahrten, die vorwiegend auf den Linien 681, 683 und 684 stattfinden, bleibt es natürlich nicht aus, dass die blau-silbernen Riesen die eine oder andere Verschmutzung davontragen.

Dabei sind die Verantwortlichen des BOB-Projekts angesichts dieser Verunreinigungen auf dem Lack aber nicht weiter traurig. Denn durch die Dreck-Spuren auf den Fahrzeugen wird gleichzeitig deutlich, dass die zukünftige Generation der Solinger Obusse mittlerweile ihre ersten echten Stresstests im Alltagsgeschäft mit Bravour bestanden hat.

Zeit, sich auf dem Erreichten auszuruhen, ist indes nicht vorhanden. Im Gegenteil: Im Herbst soll die nächste Phase der Erprobung beginnen. Und dann warten auf den BOB mit seiner modernen Batterietechnik noch ganz andere Herausforderungen, geht es in der zweiten Jahreshälfte 2019 doch in den Regelverkehr auf der bisherigen Dieselbus-Linie 695 zwischen Gräfrath und Meigen.

„Auf dieser Strecke, die 9,3 Kilometer lang ist, führt der Weg der Busse nur zu einem Drittel unter einer Oberleitung“, sagte jetzt Verkehrsbetriebe-Sprecherin Silke Rampe. Das bedeutet, dass der BOB auf der 695 erstmals über eine längere Distanz im Batteriebetrieb fahren muss und nur auf einer Länge von 2,8 Kilometern die Möglichkeit hat, seine Akkus mittels der Oberleitung zu laden.

Aus Sicht von Jörg Eisenhut, der bei den SWS das BOB-Projekt koordiniert und in engem Austausch mit Wissenschaftlern der Bergischen Uni steht, sollte diese Herausforderung allerdings kein allzu großes Problem darstellen. „Schließlich garantiert der Hersteller Fahrten von bis zu 18 Kilometern ohne Aufladen“, betonte Eisenhut, der am Freitag zudem auf eine Reihe weiterer Pluspunkte hinwies, die den BOB zu einer Erfolgsgeschichte werden lassen könnten.

So dürfte die Lebensdauer der Batterien im Straßenverkehr bei sechs bis acht Jahren liegen. Was jedoch nicht bedeutet, dass danach Schluss wäre. Beispielsweise ist es denkbar, ausrangierten Akkus an den Stromstationen ein „zweites Leben“ zu geben. Der Vorteil hierbei: In solchen Stationen könnte gegebenenfalls die zuvor in den Fahrzeugen produzierte Energie gespeichert werden, die sonst technisch bedingt verloren ginge.

In der Summe käme eine Batterie somit auf eine Nutzung von bis zu 14 Jahren – ein Zeitfenster, während dem die BOB-Technik weiter ausgereift sein dürfte. Inwieweit das System in Zukunft für andere Städte taugt, die keine Oberleitungen haben, bleibt hingegen zunächst abzuwarten. Zum einen wäre es aber denkbar, die Technik auf die Straßenbahn-Netze zu übertragen. Und zum anderen käme auch in Betracht, in Kommunen ohne Tram kürzere Oberleitungsstrecken anzulegen, auf denen die Batterie-Busse dann für ihre Fahrten ohne Draht Energie „tanken“ würden.