1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Botanischer Garten in Solingen: Pokémon Go-Spieler sind willkommen

Interview mit Mathias Nitsche : „Pokémon-Go-Spieler sind willkommen“

Der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Botanischer Garten spricht über anstehende Projekte und das vergangene Jahr.

Wenn Sie das letzte Jahr im Botanischen Garten betrachten. Was haben Sie alles geschafft?

Nitsche Wir haben Anfang des Jahres mit Unterstützung der Bezirksvertretung Gräfrath und den Stadtwerken Solingen unsere E-Bike-Tankstelle gebaut. Im Mai konnten wir sie einweihen. Dann haben wir Edelstahlaufsteller aufgebaut mit Bild, Text und QR-Code. Bald werden wir unsere Unterstände am Heidehaus, die früher mit Reet bedeckt waren, begrünen. Das übernehmen die Technischen Betriebe Solingen. Da wurden jetzt schon die ersten Vorarbeiten geleistet und im Frühjahr werden die Unterstände fertig sein. Auch wird der Knotenpunkt der „Langen Nacht der Stadtnatur“ wieder im Botanischen Garten sein. Darüber freuen wir uns sehr. Außerdem haben wir das Bromelienhaus wieder schöngemacht. Und wir haben ein Umweltprojekt mit Schwalbenschwanzfaltern im Garten. Das ist ein sehr seltener Schmetterling. Wir haben vor zwei Jahren vier, fünf Raupen gefunden, doch die haben die Vögel gefressen. Letztes Jahr waren es ein Dutzend. Davon konnten wir neun retten, indem wir mit dem NABU zusammengearbeitet haben. Der hat uns einen Nistkasten gebaut. Im Mai werden wir die Schmetterlinge wieder auswildern. Wir hoffen, dass wir so noch mehr Raupen bekommen.

Sie sind acht Vorstandsmitglieder. Und dazu gibt es noch Freiwillige. Sind Sie genug Leute, um das große Areal zu pflegen?

Nitsche Der Garten hat eine Fläche von 6,3 Hektar. Wir haben im Förderverein 515 Mitglieder, zwischen 120 und 130 davon sind aktiv. Sonst würde das überhaupt nicht gehen. Da sind nicht nur die Arbeit in den Beeten. Wir schließen den Garten auf und ab, bei Veranstaltungen wird auf- und abgebaut. Zudem kümmern sich Leute um die Verwaltung und Reparaturen. Das geschieht alles ehrenamtlich. Da braucht man sehr viele Leute. Das würden acht Vorstandsmitglieder nicht schaffen.

Würden Sie sagen, Sie haben genug Ehrenamtliche?

Nitsche Sagen wir es mal so: Wir kriegen es einigermaßen gestemmt. Wir würden gerne viel mehr haben und viel mehr Entlastung bekommen. Wir können nie genug Helfer haben.

Sie selber haben gesagt, dass Sie kaum Ahnung von Pflanzen haben und im Hauptberuf als Sicherheitsfachkraft bei einer Firma in Haan arbeiten. Wir wird man dann Vorstandsmitglied im Botanischen Garten?

Nitsche Ich war früher auch politisch aktiv und wohne nicht weit weg vom Botanischen Garten. Als Kind bin ich schon hierher gelaufen und habe später Veranstaltungen für die Jugendorganisation einer Partei gemacht. Dann bin 2003 angesprochen worden, ob ich nicht in den Vorstand kommen will, um mich um Veranstaltungen zu kümmern.

Was ist denn aus Ihrer Sicht das Faszinierende am Botanischen Garten?

Nitsche Für mich persönlich ist es einfach eine ganz andere Sache als das, was ich beruflich mache. Das ist ein guter Ausgleich. Und für die Besucher: Man hat eine hochwertige Naherholungsfläche, die gut angebunden und kostenfrei ist. Die Leute kommen gerne hierhin, auch zum Pokémon Go spielen. Wir haben hier drei Arenen und 15 Stops.

Gibt es hier noch so viele Pokémon Go-Spieler? Der Hype ist ja gefühlt vorbei.

Nitsche Alle 14 Tage treffen sich die Spieler samstags von elf bis 13 Uhr. Je nach Wetter können hier 500 Menschen aufschlagen. Früher sind die Leute hier durch, haben sich die Blumen angeschaut. Dann kam das Walking. Jetzt gehen sie in den Botanischen Garten und sammeln Punkte auf dem Handy. Wenn das die Mode der Zeit ist und man den Garten dann auf diese Weise nutzt, finde ich das gut.

Wie weit sind Sie mit dem Umbau des Tropenhauses?

Nitsche 2015 haben wir uns überlegt, das Tropenhaus sanieren zu wollen. Danach haben wir die ersten Untersuchungen und Tests gemacht. Ursprünglich hatte das Haus richtige Glaswände, und da wollen wir auch wieder hin. Aktuell sind Doppelstegplatten drin, aber wir würden das gerne doppelt verglasen. Doch in dem Fensterkitt ist noch Asbest. Das heißt, wir müssen das alles verhüllen und mit Schadstoffgutachten arbeiten. Wir haben auch schon zwei Testscheiben eingesetzt, eine gekräuselte und eine durchsichtige. Wir haben uns vor die gekräuselten Scheiben entschieden. Dann würden wir auch gerne noch die Fenster mit einer digitalen Steuerung versehen. Für alles, was wir machen wollen, haben wir ein großes Konzept erstellt. Das Ganze kostet etwa 150.000 Euro. Dann haben wir dementsprechend die Förderanträge gestellt. Wir haben das Geld jetzt auch so gut wie zusammen. Im August wollen wir mit den Sanierungen anfangen, im November soll es wiedereröffnet werden.