Solingen: Kinderhospiz profitiert von Einstellung des Verfahrens

Gütliche Einigung am Landgericht Wuppertal : Kinderhospiz profitiert von Einstellung des Verfahrens

Wegen des Vortäuschens einer Straftat hatte sich ein Ehepaar aus Solingen vor dem Wuppertaler Landgericht zu verantworten. Im August 2017 hatte der 79-jährige Pensionär den Notruf gewählt und erzählt, dass seine Ehefrau vor der Haustüre überfallen worden sein soll.

Die 66-Jährige soll zuvor bei der Sparkasse gewesen sein, um dort Ohrringe aus dem Schließfach zu holen. Zuhause angekommen, soll ihr ein maskierter Täter die Tasche samt Ohrringen und Geldbörse entrissen und sie dazu noch aufgefordert haben, ihm ihre Rolex-Uhr zu überlassen. Sie sei bei dem Überfall gestürzt und habe sich am Sprunggelenk und am Rücken verletzt – so zumindest hatte die Frau das Geschehen bei der Polizei geschildert. Die Beamten waren dennoch misstrauisch geworden, weil die Frau in Schluchzen ausgebrochen sei und der Ehemann ihr nicht geholfen habe. Zudem hatten die Ermittlungen ergeben, dass das Ehepaar mit knapp 200.000 Euro verschuldet sei. Und noch etwas hatte die Polizeibeamten stutzig gemacht: Die 66-Jährige hatte behauptet, dass das nun schon der dritte Raubüberfall gewesen sei, von dem sie heimgesucht worden wäre. Die Schadenssumme von 12.000 Euro sollte offenbar bei der Versicherung geltend gemacht werden – die Ermittler witterten Versicherungsbetrug.

Im März 2019 war die Sache beim Amtsgericht verhandelt worden, der Prozess hatte mit einem Freispruch des Ehepaars geendet. Dagegen war die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen mit der Begründung, der Raubüberfall sei nur vorgetäuscht worden.

„Das Urteil des Amtsgerichts ist nicht haltbar“, war vom Berufungsrichter gleich zu Beginn der Verhandlung zu hören. Er machte den Angeklagten ein Angebot zur Güte: Einstellung des Verfahrens und die Zahlung einer Geldbuße, wenn sie den Tatvorwurf einräumen würden. Die Angeklagten nahmen den Vorschlag an und müssen 1000 Euro an ein Kinderhospiz zahlen.