Solingen: Bahn halbiert Platzangebot in Zügen der S1

Solingen: Bahn halbiert Platzangebot in Zügen der S1

Aufgrund von Instandsetzungsarbeiten müssen Pendler und Reisende seit geraumer Zeit mit kürzeren Bahnen auf der S1 vorliebnehmen. Die Bahn will das Problem bis Ende Januar gelöst haben. Es gab schon ein Gespräch mit dem VRR.

Bahnkunden, die regelmäßig mit der S-Bahn S1 unterwegs sind, müssen seit einigen Wochen enger zusammenrücken. Denn eine geraume Weile schon setzt die Deutsche Bahn AG als Betreiberin der Strecke zwischen Solingen und dem Ruhrgebiet zeitweise kürzere Züge ein. Was zur Folge hat, dass viele Pendler vor allem in den Rushhour-Stunden am frühen Morgen sowie am Nachmittag oftmals nur noch einen Stehplatz in den Bahnen ergattern können.

Ein Problem, das nicht allein den Reisenden, sondern auch dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zunehmend auf die Nerven geht. "Wir haben die Bahn mittlerweile aufgefordert, uns einen Termin zu nennen, zu dem wieder, wie vertraglich geregelt, längere Züge einsetzt werden", sagte gestern eine Sprecherin des VRR auf Anfrage unserer Redaktion. Zuvor hatte es bereits ein Krisentreffen zwischen dem Verkehrsverbund als Auftraggeber der S-Bahnen sowie der Bahn gegeben.

Der Hintergrund: Bereits im Herbst des zu Ende gegangenen Jahres hat die Bahn AG damit begonnen, die auf diversen S-Bahnlinien zum Einsatz kommenden Fahrzeuge der Baureihe ET 422 verstärkt in die Werkstätten des Konzerns zu beordern. So sollen Schäden behoben werden. Und zudem galt es zuletzt, den Brandschutz in den Zügen auf den neuesten Stand zu bringen.

Was wiederum mit einer spürbaren Reduzierung des Platzangebots in der S1 einhergeht. Denn während auf dieser Strecke, die zu den am meisten frequentierten Linien im gesamten Gebiet des Verkehrsverbundes zählt und in der täglich Tausende zur Arbeit fahren, normalerweise so genannte Doppeltraktionen mit zwei Triebwagen eingesetzt werden, müssen die Fahrgäste nun oftmals mit Kurzzügen vorliebnehmen. Im Klartext: Statt 384 Sitz- sowie rund 700 Stehplätzen verfügen die Bahnen mit nur einem Triebwagen über lediglich 192 Sitzgelegenheiten und ungefähr 350 Stehplätze - wodurch sich das Angebot im S-Verkehr rund um Solingen gegebenenfalls halbiert.

Die Bahn selbst bedauerte am Dienstag die damit verbundenen Einschränkungen für die Kunden. "Wir bemühen uns, die Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten", sagte ein Unternehmenssprecher im Gespräch mit unserer Redaktion. Beispielsweise sei es zu Beginn der laufenden Woche gelungen, die Einschränkungen in engen Grenzen zu halten, hieß es aus der nordrhein-westfälischen Regionalzentrale des Konzerns in Düsseldorf.

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Ohnehin hofft die Deutsche Bahn, dass das Schlimmste inzwischen überwunden ist. Zwar sei noch den gesamten Januar über phasenweise mit verkürzten Zügen zu rechnen, betonte der Sprecher. Indes sollte sich die Anzahl jener Bahnen mit einem reduzierten Platzangebot fortan in überschaubaren Grenzen bewegen, so das Unternehmen.

Eine Aussicht, die die Verantwortlichen beim VRR mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen dürften, wird die momentane Situation beim Verkehrsverbund doch als "unbefriedigend" wahrgenommen. Es befänden sich immer wieder mehrere der Fahrzeuge in der Instandhaltung beziehungsweise Instandsetzung, sagte die VRR-Sprecherin, die überdies darauf verwies, dass der Bahn AG seitens des Verbundes die anfallenden Kosten in Rechnung gestellt würden.

Für die betroffenen Reisenden und Pendler stellt dies allerdings nur einen geringen Trost dar. "Die Situation in den Zügen der S1 hat sich in den zurückliegenden Monaten dramatisch verschlechtert", klagte jetzt zum Beispiel ein Mann, der die S-Bahn regelmäßig benutzt sowie nach eigenen Angaben einen genauen Überblick über die Veränderungen im Vergleich zu normalen Zeiten besitzt.

Und ein anderer Pendler berichtete von einem allmorgendlich stattfindenden, regelrechten Vabanquespiel. "Wenn auf der Anzeigetafel das Wort ,Kurzzug' erscheint, weiß man schon, dass es in den Waggons mal wieder sehr eng werden wird", sagte der Bahnkunde.

(or)