Solingen: Hat Hanaa S. ihren Mann bedroht und Kinder geschlagen?

Solingen: Hat Hanaa S. ihren Mann bedroht und Kinder geschlagen?

Die mutmaßlich von ihrer Familie getötete Hanaa S. (35) soll von ihrem Mann ständig Geld verlangt und ihre Kinder geschlagen haben. Einmal habe sie ihren Mann sogar mit einem Messer bedroht. Das berichtete eine Tochter (18) der Frau gestern vor dem Landgericht in Wuppertal.

Sie widersprach Berichten, wonach der Vater die Mutter geschlagen und eingesperrt habe: "Das stimmt nicht. Das will ich klarstellen." Frühere Aussagen ihrer Großeltern seien falsch.

Hanaa S. verschwand im April 2015 aus ihrer Wohnung an der Hasselstraße. Dort hatte sie sich vor der Familie versteckt. Hauptbelastet im Prozess sind ein Schwager (26) und der älteste Sohn (19) des Opfers. Mitverantworten müssen sich ihr Mann, ein weiterer Schwager und eine Schwägerin. Laut Anklage sollen sie extrem traditionalistische Jesiden sein. Sie hätten Hanaa S. wegen der Trennung für die sogenannte Familienehre getötet.

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Die Kinder hatten im Prozess bisher geschwiegen. Die 18-jährige Tochter erklärte: "Ich habe nicht erwartet, dass meine Aussage wichtig wird." Laut Verteidigung sollen die Kinder belegen, dass in der Familie religiöse Ansichten und Tradition keine Rolle spielten. Und dass Berichten des Opfers gegenüber Zeugen nicht unbedingt zu glauben sei.

Der 18-Jährigen zufolge verschlechterte sich das Familienleben extrem nach einem Urlaub von Hanaa S. 2011/12 im Nordirak bei deren Eltern. Wieder in Deutschland habe sie ihre Kinder weggeschoben, ohne Essen gelassen und geschlagen. Später, bei der Trennung, habe sie Gold und Geld mitgenommen, das ihr womöglich nicht gehörte. Laut früheren Zeugen soll Hanaa S. erzählt haben, die Familie sei gegen sie. Sogar ihre Kinder würden sie als Schlampe und Hure beschimpfen. Mehrere Zeugen müssen nun mit Verfahren wegen falscher Aussagen rechnen, weil sich ihre Angaben gegenseitig ausschließen.

(dilo)