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Rommerskirchen: Evinghovenerin verteidigt Kneipenkultur

Rommerskirchen : Evinghovenerin verteidigt Kneipenkultur

Angelika Hahn führt seit 30 Jahren die Gaststätte Schmitz. Damit ist sie die Rekordhalterin in einem schwierigen Umfeld.

Das "Kneipensterben" hält an: Beim Besuch der Kreisjury für den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" sprach auch Bürgermeister Albert Glöckner das Phänomen an, unter dem insbesondere auch die örtlichen Vereine schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt leiden.

Angesichts der schon seit langem prekären Lage vieler Kneipen ragt die Gaststätte Schmitz in Evinghoven fast schon wie ein Turm in der Schlacht hervor: Inhaberin Angelika Hahn führt das Lokal seit mittlerweile 30 Jahren und will dies auch weiterhin tun. Vor wenigen Tagen konnte sie den Jahrestag feiern, an dem sie 1984 die Gaststätte Schmitz übernahm, die ungeachtet ihres nach wie vor gültigen Namens schnell auch "bei Hahn" hieß.

Erst in der jüngeren Vergangenheit haben verschiedene Traditionsgaststätten geschlossen, die bislang nicht zuletzt auch das Domizil der örtlichen Vereine waren. Dies gilt für das "Pömpche" in Ramrath ebenso wie für das "Alte Posthorn" in Oekoven oder die Wirtschaft "Zur Post" in Eckum. Dieses Lokal wird nach einer geplanten Neueröffnung zumindest den Vereinen nicht mehr im bisherigen Umfang zur Verfügung stehen. Sogar abgerissen wurde 2013 das Ansteler Traditionslokal "Im kühlen Grunde". Dem stemmt sich Angelika Hahn entgegen: "So lange ich Lust habe und es Spaß macht, wird weitergemacht", sagt sie angesichts des runden Geburtstags.

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Die Wirtin des weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannten Lokals sagt dies ungeachtet der Schickalsschläge, die sie in den vergangenen Jahren hinnehmen musste: 2008 verstarb ihr Mann Karl-Heinz und vor zwei Jahren auch ihr Sohn, der in der Gaststätte mitgewirkt hat. Einen Namen gemacht hat sich die "Gaststätte Hahn, Inhaber Schmitz" ungeachtet der nicht ganz korrekten Bezeichnung insbesondere durch seine gute Küche. Zu den auswärtigen Stammkunden zählt etwa die Kölner Basketballgruppe von Herbert Schroers. "Sie kommt jedes Jahr zum Spargelessen" her, sagt der Chef des Theaterverein Gillbachbühne, der hier ebenso seine Treffen abhält wie der Bürgerverein Evinghoven und viele seiner Züge. Herbert Schroers gehört zudem zu einer eingeschworenen Runde, die sich regelmäßig zum Skatspielen treffen.

Während es in Evinghoven einen regelrechten Stammtisch am Sonntag Vormittag nie gegeben hat, war dies im Nachbarort Anstel noch bis in dieses Jahrtausend hinein anders, wie Angelika Hahn weiß, die lange Zeit zugleich auch Chefin im "kühlen Grunde" war. Doch ohne derlei vom Aussterben bedrohte Traditionen lässt sich eine Gaststätte nach wie vor erfolgreich führen: Die 1987 in Betrieb genommene Kegelbahn ist nach wie vor in Betrieb, wobei dort viele Geburtstage und andere private Feiern stattfinden. Zu den Standards gehören die Karnevalssitzungen der Frauengemeinschaft, bei denen stets volles Haus herrscht. Ein Ritual ist auch die Einkehr des Theatervereins nach Eröffnung der Spielzeit und der ersten Probe im Oktober, "auch wenn das eigentlich noch keine Feier ist", wie Schroers sagt. Lediglich eine Konzession hat Angelika Hahn gemacht: Ihr Lokal ist nur noch donnerstags bis sonntags geöffnet.

(NGZ)