Rommerskirchen: Der Lößhohlweg wird aufgewertet

Rommerskirchen: Der Lößhohlweg wird aufgewertet

Die Steilwand soll wiederhergestellt werden, zudem soll das östlich von Butzheim gelegene Naturdenkmal einen behindertengerechten Zugang bekommen. Die Kosten für das Projekt, das der Kreis umsetzt, betragen 193.000 Euro.

Es waren harte Zeiten, als noch Karren und Fuhrwerke mit eisenbeschlagenen Rädern das Bild in Rommerskirchen prägten. Sie zeugten von anstrengender Arbeit - und hinterließen Spuren. Spuren, die teilweise bis heute zu sehen sind. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Lößhohlweg östlich von Butzheim, in der Nähe des Golfplatzes Velderhof.

Durch vielfältige Nutzung als Transportweg über Jahrzehnte und Jahrhunderte ist aus einem Pfad eine Einkerbung geworden, die sich tief in den Löß und in die Landschaft gegraben hat. Darüber, dass der Lößhohlweg erhaltenswert ist, besteht Einigkeit. Denn er dient nicht nur der Naherholung und vermittelt ein besonderes Naturerlebnis, sondern ist auch Lebensraum für hohlwegtypische Pflanzen- und Tierarten. Nun soll das Naturdenkmal aufgewertet werden. Das teilte gestern der Rhein-Kreis Neuss mit, der sich für das Projekt engagiert.

Konkret geplant sind demnach die Wiederherstellung einer Steilwand in der ungefähr 1,7 Kilometer langen Verbindung und die Schaffung eines behindertengerechten Zugangs. Das Ganze wird mit Kosten in Höhe von 193.000 Euro veranschlagt. Finanzielle Förderung gibt es laut Kreis von der Europäischen Union und vom Land Nordrhein-Westfalen.

Der Lößhohlweg soll Bestandteil der "Erlebnisroute Kulturlandschaft Börde" werden. "Über eine Internet-Seite und eine Smartphone-App können die Nutzer künftig Informationen und Hintergründe über die ökologischen Besonderheiten sowie die Entstehungsgeschichte des Landschaftselements abrufen", teilt Kreissprecher Thilo Zimmermann mit.

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Im Rhein-Kreis Neuss gibt es einige Hohlwege, unter denen der Butzheimer als der bedeutendste gilt. Erosion habe mittlerweile die meisten Steilwände verschüttet, die noch verbliebenen würden durch waldartigen Bewuchs beschattet, beschreibt Zimmermann die aktuellen Knackpunkte. Auf einem Abschnitt des Hohlwegs werde nun "eine behutsame Rückentwicklung in den historischen Zustand" erfolgen. Auf etwa 150 Metern werden die typischen sonnenexponierten Steilwände wieder hergestellt.

Michael Stevens von der Biologischen Station Knechtsteden hatte bereits vor gut einem Jahr im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich gemacht, dass der Lößhohlweg wichtig als Lebensraum für Insekten ist, deren Zahl sich drastisch verringert hat. "Zu den charakteristischen Besiedlern von Hohlwegen gehören eine Fülle von Wärme liebenden Insekten, insbesondere bestimmte Wildbienen, Wespen und Käfer", hatte Stevens erläutert - und darauf hingewiesen, dass diese aktuell fehlten. Abhilfe soll die erwähnte Wiederherstellung der Steilhänge schaffen, ebenso die Beseitigung einiger Büsche und Bäume, damit die Hänge wieder Sonne abbekommen.

Das Projekt soll aber nicht nur neuen Lebensraum für die spezielle Flora und Fauna von Lößhohlwegen sichern, sondern auch der Wissensvermittlung in den Bereichen Biologie und Ökologie in der Schule dienen, wie der Kreis mitteilt.

(ssc)
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