Rommerskirchen: Ratings Reise in die Welt der Manipulation

Rommerskirchen: Ratings Reise in die Welt der Manipulation

Der Kabarettist Arnulf Rating bescherte dem Kulturcafé in Eckum den besten Besuch seit 2016.

In der ersten Liga des Polit-Kabaretts spielt Arnulf Rating schon seit Jahrzehnten. Mit seinem dritten Auftritt im Kulturcafé ist er jetzt auch hier auf einem "Medaillenrang" gelandet. Arnulf Ratings aktuelles Kabarettprogramm "Tornado" bescherte dem seit 1991 bestehenden Kulturcafé den mit Abstand besten Besuch seit dem Jubiläumsjahr 2016.

Für das Publikum hat sich der Besuch in jedem Fall gelohnt, denn gut zweieinhalb Stunden lang verstand es Rating, bei seiner Reise in die Welt der Manipulation nicht nur bestens zu unterhalten, sondern auch deutlich mehr als nur eine Erkenntnis zu vermitteln. Schon das Plakat für "Tornado" ist Programm, zeigt es doch einen Arnulf Rating, dem das Wasser nahezu "Oberkante Unterlippe" steht, wobei er droht, in Apps zu ertrinken. Der Titel "Tornado" ist denn auch mehr als eine bloße Reminiszenz an das von Rating mitbegründete Anarcho-Trio der "3 Tornados", die sich vor bald 30 Jahren aufgelöst haben. Deren "Kampflied" stimmt der Kabarettist nämlich unvermindert gern an: Gegen den ganz woanders hin führenden Marsch durch die Institutionen, gegen das Kapital und für "Chaos und Anarchie" ist der letzte aktive "Tornado" auch heute noch, und festnageln lassen mag er sich auch nicht. "Für den wirklichen Irrsinn brauchen sie einen Computer, denn der ist die Schnittstelle von natürlicher Dummheit und künstlicher Intelligenz." Die Frage, was denn Aristoteles und verwandte Seelen einst ohne Facebook, Twitter oder Instagram getrieben haben, beantwortet er beiläufig und für manch einen Zeitgenossen sicher völlig unverständlich: dass sie halt philosophiert haben. Womit sie eigentlich richtig aktuell wären: Fragwürdig jedenfalls ist es sicher, ob eine 17-Jährige, die nach sauren Gurken googelt, umgehend mit Angeboten für Babynahrung zugehagelt wird, weil der Algorithmus schon vor ihr weiß, dass sie schwanger ist.

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Bei allem technischen Fortschritt bleibt die wohl wichtigste Manipulation aller Art, die Propaganda. Dies gilt keineswegs für die Holzhammer-Variante, sondern vielmehr für die, die das Un- und Unterbewusste bearbeitet. Der Klassiker von Edward Bernays aus dem Jahr 1928 dürfte noch selten in einem Kabarettprogramm derart ausführlich vorgestellt worden sein. Und wo bleibt der mündige Bürger und Konsument? Rating schließt mit Goethe: "Niemand ist hoffnungsloser versklavt als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein."

(S.M.)