Alpen: Der Ratssaal wird zum Taubenschlag

Alpen: Der Ratssaal wird zum Taubenschlag

Taubenzüchter aus Alpen zeigten Grundschülern ihre besten Vögel. Das Interesse am Sport mit den gefiederten Orientierungsweltmeistern, die über Hunderte von Kilometern nach Hause finden, war groß.

Komische Vögel an einem ungewöhnlichen Ort. Der Ratssaal hat sich in einen Taubenschlag verwandelt. Erstaunen und Neugierde auf allen Seiten. Vorsichtig schauen die Veener Grundschulkinder in die Weidenkörbe mit dem aufgeklappten Deckel. Darin befinden sich junge Brieftauben. Die sind angesichts der Zuschauer anscheinend ebenso gespannt. Die "Taubenväter" Heinz-Arnold Hüsch, Helmut Kühnen und Paul Ridder von der Reisevereinigung Alpen haben für die Viertklässler verschiedene Stationen vorbereitet. "Wir wollen Einblicke in das Leben der Tauben geben", sagt der Vorsitzende Paul Ridder.

Die Alpener Taubenfreunde sind einer Anregung ihres Verbandes gefolgt, naturnahen Unterricht in Kooperation mit Schulen anzubieten. Vorausgegangen war der bundesweite Tag der Brieftaube, zu dem Interessierte in Taubenschläge eingeladen waren - wie in Alpsray in den Schlag von Willi Giesen.

"Wir haben sehr viel im Sachkundeunterricht vorbereitet. Die Kinder haben Fragen formuliert", sagt Sabine Genneper, Klassenlehrerin der 4c. An den Stationen sind alle Dinge ausgestellt, die mit Tauben zu tun haben. Beispielsweise verschiedenen Futtersorten wie Reise-, Renn- oder Diätfutter. Die Zusammensetzung des Fettfutters mit Sonnenblumenkernen finden die Kinder interessant. "Da sind die Tauben richtig süchtig nach", sagt Züchter Hüsch.

Er erklärt den Kindern, die Bedeutung der Futtermischungen und welches Futter vor den Flügen wichtig ist. Wie sich die Beziehung zum Schwarmvogel gestaltet, erfahren die Kinder ebenfalls. "Ich zeige den kleinen Tauben mit kurzen Trainingsflügen, wo sie wohnen. Sie müssen viel lernen", erklärt Hüsch das sogenannte Heimfindeverhalten der Tiere.

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Die gefiederten Eltern zeigen dem Nachwuchs, wie Taube ans Körnerfutter kommt. "Die picken vor, die jungen Tauben picken nach", erklärt Hüsch. Er erläutert auch, wie das Trinken aus der Rinnentränke funktioniert, wenn es auf die Reise geht. Dass Tauben lernbegierig sind und bis zu 20 Jahre alt werden können, finden Kinder höchst erstaunlich. Und dann ist da noch die Sache mit dem Ring. "Das ist der Personalausweis der Taube", sagt Paul Ridder anschaulich. Zu lesen ist darauf ihre Vereinsnummer wie das Geburtsjahr. Jetzt wird es spannend. Denn auch Tauben können sich verfliegen. "Da hilft die Taubenvermisstenstelle", erklärt Ridder.

Die Information, dass weit vor Post, Telefon und Handy Tauben wichtige Kurierdienst geleistet und Nachrichten - beispielsweise in Kriegszeiten - übermittelt haben, leitet zum nächsten Thema über: die Wettbewerbe für Tauben bis zu sechs Jahren. Mit dem sogenannten Kabinenexpress werden die leistungsstarken Tauben zum Auflassplatz gefahren, von wo aus sie über hunderte Kilometer nach Hause fliegen. Das Navi tragen sie in sich. "Die Taube sucht sich den schnellsten Weg aus", so Helmut Kühnen. Das Wetter spielt eine Rolle, wie auch die Kondition der Tauben, die im Schnitt bei bis zu 150 Metern Höhe eine Fluggeschwindigkeit von rund 100 km/h erreichen können. Der Marathon für Tauben ist der Heimflug ab Barcelona.

Früher wurden die Flugzeiten mit einer sogenannten Konstatieruhr gemessen. Heute macht das der Computer über den Chip im Ring. Die Info, dass sich reiche Scheichs sehr für die flugstarken Tauben aus Deutschland interessieren, gibt dem Unterricht im Ratssaal eine exotische Note. Die Schüler umringen die drei Taubenkenner, wollen noch mehr wissen. "Super, wie viel ich gelernt habe", sagt Nicklas (10). "Tolle Stunde", findet Nele (9).

(RP)