Rheinberg: Bildung bleibt eine große Baustelle

Rheinberg: Bildung bleibt eine große Baustelle

Die Erweiterung der Europaschule liegt gut in der Zeit. Davon hat sich der Schulausschuss gestern ein Bild gemacht. Auch der Kostenrahmen passt. Unterdessen wirft der Ausbau des Amplonius-Gymnasiums seine Schatten voraus.

Vor der Kopfarbeit im Stadthaus ging's für den Schulausschuss gestern erst einmal auf die Großbaustelle. Da gab's nicht nur strahlenden Sonnenschein, sondern auch eine gute Nachricht vorweg: Die Erweiterung der Europaschule läuft nach Plan. Knapp ein Jahr nach dem Spatenstich scheint sowohl der Zeit- wie Kostenrahmen von zehn Millionen Euro (ohne Einrichtung) noch zu passen, so Nils Bollen, für den Bau verantwortlicher Architekt im Stadthaus.

Gebaut wird an drei Stellen. Der Bau der Klassenräume für ein dreizügige Oberstufe, die im Sommer mit 94 Schülern angefangen hat, ist bereits ein gutes Stück fortgeschritten. Zum Abschnitt A gehören auch das Forum und eine schicke Cafeteria. Für den Abschnitt B gegenüber dem Haupteingang ist eine tiefe Grube ausgehoben. Der Fahrstuhlschacht wird gerade eingeschalt. Hier wachsen demnächst Lehrküche, Fördertrakt und Werkräume heran. Und für den Bau von vier naturwissenschaftlichen Räumen (Abschnitt C) zwischen bestehendem Gebäude und Xantener Straße ist inzwischen der Boden bereitet.

Er herrscht Zuversicht, dass es klappen wird mit dem Einzug zum Schuljahr 2019/20. Dann soll auch das große neue Lehrzimmer fertig sein für am Ende rund 130 Pädagogen. Auch das Bestandsgebäude bekommt einen Aufzug, um die geforderte Barrierefreiheit zu erreichen.

Zurück im Stadthaus warf die nächste Großbaustelle im Bildungssektor der Stadt ihre Schatten voraus. Das Amplonius-Gymnasium arbeit bereits jetzt räumlich deutlich über den Möglichkeiten. Das brachte Schulleiter Marcus Pattberg den pädagogischen Zusatztitel "Zauberer" ein. CDU-Fraktionschef Erich Weisser lobte damit dessen organisatorisch kreative Leistung, den räumlichen Mangel unterrichtlich so zu managen, dass keine Lerndefizite daraus erwachsen. Auch die Grünen sprachen Pattberg ihre "Hochachtung" aus.

Doch die Rückkehr des Abiturs nach neun Schuljahren (G 9) bringt neben dem Aufwärtstrend bei den Anmeldungen wie in der Oberstufe auch den magischsten Zauberer an seine Grenzen. Um allen ans Gymnasium gestellten Anforderungen künftig "optimal" zu genügen, meldet die Schule einen Bedarf von 101 Räumen an. Tatsächlich vorhanden seien gerade mal 74.

In den naturwissenschaftlichen Fächern sei die Raumnot am größten heißt es im Papier, das die Schule der Politik gestern vorlegte. Für "ein sach- und lehrplangerechtes Arbeiten" fehlten allein hier "de facto drei Räume" - Bedarfstendenz vermutlich steigend. Der Ausschuss urteilte über die Mängelliste: "Nachvollziehbar." Und sie bekundete fraktionsübergreifend ihren Willen, sie möglichst schnell abzuarbeiten und Abhilfe zu schaffen.

Die Verwaltung erhielt den Auftrag, bis zur nächsten Sitzung im Dezember, dem Schulausschuss einen "zuverlässigen und belastbaren Vorschlag" zu unterbreiten, wie der Raumbedarf des Amplonius-Gymnasiums gedeckt werden soll. Bis dahin sollen sich die Verantwortlichen im Stadthaus und die Schulleitung abstimmen und auf ein Konzept verständigen, um es zur Entscheidung vorzulegen.

Friedhelm Kung (SPD) hat schon eine Idee, wie die noch notleidende Stadt Rheinberg das neuerliche Millionen-Paket stemmen kann. Das Land sei wohl in der Pflicht, so der Genosse. Denn das habe die Rückkehr zu G 9 schließlich beschlossen. Kung verwies auf die "Konnexität". Heißt übersetzt: Wer die Musik bestellt, muss zahlen. Das muss sich aber noch erweisen.

(bp)