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Fußball: Wie ein Dorfverein sich neu erfindet

Fußball : Wie ein Dorfverein sich neu erfindet

Dass es beim SV Glehn nach Jahren der Flaute wieder aufwärts geht, ist eng mit dem Namen Markus Drillges (42) verbunden. Für seine Verdienste um den Verein ernannte ihn der Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss zum "Ehrenamtler des Jahres".

Der SV Glehn und Markus Drillges gehören einfach zusammen. Seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten ist der 42-Jährige für seinen Heimatverein fast ohne Unterlass tätig — zunächst als Spieler, dann als Trainer, Jugendleiter und seit Anfang des Jahres als Vorsitzender. Ein Mann wie geschaffen, um vom Fußballkreis Grevenbroich/Neuss zum "Ehrenamtler des Jahres" ernannt zu werden. "Er hat Großartiges geleistet", bestätigt Vorsitzender Hermann-Josef Koch. Worte, die Drillges fast peinlich sind, denn obgleich seine Verdienste um den Klub unbestritten sind, beansprucht er den Lohn für die gute Tat nicht allein für sich. "Das ist hier keine One-Man-Show!" Direkt unterschreiben kann er dagegen folgenden Auszug aus Kochs Laudatio auf den Preisträger: "Der SV Glehn ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man mit ehrenamtlichem Engagement eine Menge bewegen kann."

Foto: Berns, Lothar

Die "goldenen Jahre", als der Verein von 1989 bis 2004 quasi zum Inventar der Bezirksliga gehört hatte, hat Drillges noch als Aktiver miterlebt. Bis heute unvergessen ist die Saison 1991/1992, als nach einem verheerenden Start mit neun Niederlagen in Folge unter Trainer Willi Weil und Obmann Matthias Steinfels noch der Klassenverbleib gelang. Oder die darauffolgende Spielzeit, die Glehn mit Klassefußballern wie Goalgetter Marco di Florio, Freistoßkünstler Dietmar Preukschat, Christoph Mertens, Frank Bong und Stefan Drillges auf dem bärenstarken vierten Tabellenplatz abschloss. "Dass wir das aus überwiegend eigenem Potenzial geschafft haben, war für den Verein mit seinen bescheidenen Mitteln eine Riesenleistung", erinnert sich Drillges.

In den Jahren danach ging es mit dem SV Glehn allerdings stetig bergab — bis hinunter in die Kreisliga B. Als schließlich Drillges Verantwortung übernahm, stand für ihn und seine Mitstreiter von Anfang an fest: "Nur der Weg über eine gute Jugendarbeit kann langfristig zum Erfolg führen. Das ist ein Marathon!" Am Ziel ist der SV noch längst nicht, aber mit 17 Nachwuchsteams erstklassig aufgestellt. Weil sich parallel dazu auch die Damenmannschaft (belegt Platz vier in der Kreisliga A) und die zweite Herrentruppe (Dritter der Kreisliga C) prächtig entwickeln, hat Drillges ein weiteres Projekt in Angriff genommen. "Unser Anspruch muss mit der Erstvertretung klar die Kreisliga A sein", sagt er unmissverständlich. Zurzeit ist das vom ehemaligen Profi Jörg Spillmann trainierte Team in der Kreisliga B Zweiter, drei Punkte hinter dem VfR Büttgen, gegen den es am ersten Spieltag die bislang einzige Niederlage gesetzt hatte.

Die Kreisliga A muss für den SV, den Drillges in sympathischer Untertreibung als Dorfverein bezeichnet, jedoch nicht zwangsläufig Endstation sein. "Die Bezirksliga ist das Maximum", schwärmt er, "das wäre gewaltig. Aber das ist Träumerei, dafür fehlt uns, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, der finanzielle Hintergrund." Und weil sich im Leben des Unermüdlichen, der die Brötchen für sich und seine Familie als Abteilungsleiter im an der Moselstraße in Neuss ansässigen Speditionsunternehmen Neufra verdient, offenbar noch ein bisschen Zeit fand, war er bis 2011 Zweiter Vorsitzender des vom SV Glehn unterstützten Vereins "Kinder- und Familienhilfe Namibia".

Die Nachfolge im Amt des stellvertretenden Vorsitzenden hat inzwischen, man ahnt es fast, seine ehrenamtlich ebenfalls ungemein aktive Ehepartnerin Doris Drillges angetreten. Fortsetzung folgt ..!

(NGZ)