1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Jüchen: Politik diskutiert über Jugendparlament

Jüchen : Politik diskutiert über Jugendparlament

Praktikum bei Ratsmitgliedern, Jugendparlament oder Netz-Plattform: Die Entscheidung über politische Teilhabe fehlt.

Wie können Jugendliche aus Jüchen mehr über Lokalpolitik erfahren? Mit diesem Thema beschäftigten sich jetzt die Mitglieder im Schul- und Jugendausschuss. Auf dem Tisch lag unter anderem ein Antrag, den die Jungen Liberalen gestellt hatten: Der Nachwuchs der FDP wollte nach dem Vorbild der Stadt Osnabrück das Projekt "Kommunalpolitik in die Schule (KidS)" in Jüchen starten.

Mehr als eine grundsätzlich positive Absichtserklärung gab das Gremium aber nicht ab. Statt einer Beschlussempfehlung an den Gemeinderat wird das Thema jetzt erstmal in den einzelnen Fraktionen beraten werden. "Wir sollten es aber nicht zu lange aufschieben", meinte etwa Thomas Dederichs von den Bündnisgrünen. Ausschussvorsitzender Joachim Drossert (SPD) ergänzte: "Es besteht sowohl Bedarf als auch Interesse, Jugendliche mehr einzubinden."

Was hinter "KidS" steckt, hatten die Jungen Liberalen in ihrem Antrag erläutert: Schüler der neunten Klassen sollten über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen ein Ratsmitglied begleiten. Etwa zu politischen Terminen, Fraktionssitzzungen und Ratssitzungen.

"Die Schüler haben so die Chance, dem Ratsmitglied bei der kommunalpolitischen Arbeit über die Schulter zu schauen und Fragen zum Verfahren von politischen Anträgen bis hin zu Abstimmungen zu stellen", erläutert Simon Kell. Für die Politiker sollte die Teilnahme am Projekt freiwillig sein. Auch die Gemeindeverwaltung hatte sich mit dem Thema beschäftigt: Sie hatte die Fraktionsvorsitzenden über das Online-Projekt "Dialog Jugend" informiert und Möglichkeiten vorgestellt, ob und wie dies in Jüchen realisieret werden könne.

Wie junge Jüchener mehr über lokalpolitische Entscheidungsprozesse erfahren können, dazu gibt es einige Ideen — von einem offiziellen Gremium (wie einem Jugendparlament oder -rat) bis hin zu Plattformen im Internet. Die Politiker diskutieren darüber bereits seit zwölf Jahren, doch die Entscheidung wurde immer wieder vertagt. Zum einen, weil man sich nicht auf ein Teilhabemodell einigen konnte, zum anderen, weil das Geld dafür fehlte. Der aktuelle Vorschlag aus der Verwaltung: Jugendliche sollten sich über das Internet austauschen.

Für Thomas Dederichs war beim Politikpraktikum klar: "Wenn wir hier etwas erreichen wollen, dann geht es nur gemeinsam mit den Schulen. Wir sollten uns mit den Schulleitern beraten." Für das Gymnasium Jüchen signalisiert Andreas Kries sofort Interesse an einer Zusammenarbeit: "Das ist eine gute Idee. Ich werde mit den Fachlehrern sprechen; ich könnte mir gut vorstellen, dass sie Interesse an dem Thema haben." Für Sekundarschulleiter Georg Broens ist Lokalpolitik noch kein drängendes Thema: Seine Schüler besuchen gerade mal die fünfte Klasse: "Da ist wohl noch etwas Zeit", meinte er schmunzelnd.

Konkrete Absprachen — wann treffen sich Politiker und Pädagogen? — wurden im Fachausschuss noch nicht getroffen. Einig waren sich die Vertreter aller Fraktionen, dass etwa bei Schulbesuchen politische Neutralität gewahrt werden wolle und Vertreter aller Fraktionen eingeladen werden sollten: "Es geht dann nicht um Wahlkampf, sondern um Informationen für die Jugendlichen."

Auf Antrag der CDU beschäftigten sich die Politiker auch mit der Teilnahme von Schülervertretern an Sitzungen des Schul- und Jugendausschusses, wie es etwa in Neuss möglich ist. Um als sachkundige Einwohner bei Beratungen dabei sein zu können, müssen sie zum einen volljährig sein, zum anderen muss es eine Bezirksschülervertretung geben, die aller Schüler vertritt- Doch diese fehlt in Jüchen. Sobald die Schulen in der Gemeinde Vertreter gewählt haben, könnten diese auch in den Ausschuss gewählt werden, lautete die Beschlussvorlage.

Doch auch dieser Punkt wurde in der Sitzung des Schul- und Jugendausschusses nicht abschließend behandelt. Hierüber wollen die Mitglieder der einzelnen Fraktionen nochmals beraten, ehe das Thema wieder auf die Tagesordnung genommen wird.

(NGZ/rl)