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Korschenbroich: Förderung beginnt bei Babys

Korschenbroich : Förderung beginnt bei Babys

Vor vier Jahren war jedes dritte schulpflichtige Kind in Korschenbroich sprachlich auffällig, jedes zehnte Kind hatte Übergewicht. Durch frühzeitige Förderung sind die Fünf- und Sechsjährigen heute wesentlich fitter.

Vor vier Jahren war jedes dritte schulpflichtige Kind in Korschenbroich sprachlich auffällig, jedes zehnte Kind hatte Übergewicht. Durch frühzeitige Förderung sind die Fünf- und Sechsjährigen heute wesentlich fitter.

Korschenbroich Ein Grund für die Verbesserung ist für Amtsärztin Petra Werner das Projekt "Prokita": Seit drei Jahren arbeitet ihre Behörde — das Kreisgesundheitsamt — mit den städtischen Kindertagesstätten zusammen. Die Ergebnisse stellte sie jetzt auf Initiative der Stadt im Rahmen eines Info-Abends für junge Eltern in der Alten Schule vor.

Schon zwei Jahre vor der Einschulung untersuchen Experten Stärken und Schwächen der Kindergartenkinder, so dass die Minis bereits früh entsprechend gefördert und gefordert werden. Sprachdefizite werden früher erkannt und beseitigt, ebenso wie Mängel im motorischen Bereich. "Eltern sollten sich klar machen, dass schon in der Schwangerschaft die Voraussetzungen geschaffen werden für die Gesundheit des Kindes", betonte die Kinderärztin Petra Werner. "Leider greifen noch immer 60 Prozent der Raucherinnen in diesen Monaten zur Zigarette." Frühzeitiges Engagement von Müttern und Vätern ist auch gefragt, wenn es um die Sprachentwicklung geht: Vorlesen ist ebenso wichtig wie das Erleben der Umwelt mit allen Sinnen.

Sprache hängt eng mit Bewegung zusammen — diese Wechselwirkung wird oft unterschätzt. "Bewegung wird nicht nur beim wöchentlichen Mutter-Kind-Turnen praktiziert", erläuterte die Kinderärztin weiter. "Vor allem im Alltag sollten die Kinder immer wieder Anregungen zum Bewegen bekommen." Lauflernhilfen sind ihrer Ansicht nach überflüssig, auch im Auto-Kindersitz sollten Babys nicht unnötig lange sitzen. Als Fördermöglichkeiten gab Anne-Katrin Schlott, Leiterin des Familienzentrums Pesch, den Eltern der bis zu einjährigen Kinder auf den Weg: "Nehmen Sie sich in diesen Monaten und in den nächsten Lebensjahren Ruhe und Zeit für Ihr Kind. Auch wenn Sie berufstätig sind, sollten Sie Qualitätszeit mit dem Nachwuchs verbringen." Waldspaziergänge, so die Erzieherin, sind anregender als Besuche auf Indoor-Spielplätzen, ein mehrmaliger Besuch im kleinen Streichelzoo bietet den Kleinkindern mehr Reize als eine Tournee von einer Attraktion zu nächsten. "Vor allem in den vier Familienzentren wird Wert auf Vernetzung gelegt", betonte Anne-Katrin Schlott. "Wir arbeiten mit dem Jugendamt, dem Gesundheitsamt und mit dem Kinderarzt zusammen."

Auch Hermann-Josef Zohren vom Kreisjugendamt hob die Bedeutung von Erziehungs-Partnerschaften hervor: "Kindererziehung ist nicht mehr reine Privatsache, Familien können unkompliziert Hilfe von verschiedenen Institutionen anfordern." Rund 15 bis 30 Prozent der Eltern seien überfordert mit der Erziehung ihrer Kinder. Viele wüssten nicht, dass sie als Mütter und Väter von Babys und Kleinkindern in die Sprechstunden der Familienzentren in den einzelnen Ortsteilen kommen können. Nicht nur Förderungsmöglichkeiten, auch andere Themen rund um die Gesundheit wurden im Rahmen der Elternveranstaltung vorgestellt.

Der Pescher Kinderarzt Dr. Helmut Brück wies in seinem Vortrag auf Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen hin. Mit drastischen Fotos verdeutlichte er mögliche Folgen von Tetanus und Kinderlähmung sowie den so genannten Kinderkrankheiten. Der Schweinegrippe-Impfstoff sei nicht empfohlen für Kinder unter drei Jahren und für Schwangere, fügte der Mediziner auf Nachfrage hinzu.

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(RP)