Lokalsport : Auf das Spiel konzentrieren

Ausgerechnet vor dem Kellerduell am Donnerstag bei Aufsteiger Hannover-Burgdorf herrscht beim TSV Dormagen Unruhe. Trainer Wandschneider rechnet sich trotzdem eine Chance aus, "wenn wir uns allein aufs Spiel fokussieren".

Allen Finanzproblemen zum Trotz: Zum Kellerduell bei Aufsteiger TSV Hannover-Burgdorf (Anpfiff um 19.45 Uhr in der AWD-Hall) reist der TSV Dormagen schon am Mittwoch an. "Das Spiel ist zu wichtig, als dass wir es riskieren können, in einen Stau zu geraten und uns nicht richtig vorzubereiten", sagt Trainer Kai Wandschneider vor der Partie beim punktgleichen Tabellenletzten.

Dennoch verlief die Vorbereitung nicht ungestört. Schuld ist mal wieder die finanzielle Situation am Höhenberg. Genauer gesagt die Ankündigung von Montag, dass in den nächsten Tagen Gespräche mit den Dormagener Handballer geführt würden, um sie zu einer vorzeitigen Kündigung ihrer über das Saisonende hinaus gültigen Verträge zu bewegen.

"Der Zeitpunkt ist unglücklich", meint Wandschneider, "aber wie mir die Vereinsverantwortlichen versichert haben, ging das nicht anders." Schließlich drängt die Zeit, will der TSV die nächste Saison mit einer Spielbetriebs GmbH angehen — so wie es bei den anderen Klubs längst üblich ist. "Es ist natürlich brandgefährlich, wenn ein Verein seine Profibereiche nicht ausgliedert. Ich glaube, da ist der TSV Dormagen der letzte Klubs in der 1. Liga.

Es wird höchste Zeit, dass auch dort Strukturen mit einer Spielbetriebs GmbH entstehen. Ich habe mich erschrocken, als ich hörte, dass es das in Dormagen noch gar nicht gibt," wird Horst Bredemeier, Vize-Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und Manager beim Liga-Konkurrenten GWD Minden, in einem Interview mit dem "Westfalen-Blatt" zitiert.

Dass seine Schützlinge da erhöhten Gesprächsbedarf besitzen, kann Wandschneider nachvollziehen. Trotzdem fordert er: "Wir müssen uns ganz auf das Spiel fokussieren, nur dann haben wir eine Chance." Dass der TSV morgen Abend eine solche besitzt, davon ist der Handball-Lehrer zutiefst überzeugt: "Hannover steht doch viel mehr unter Druck als wir. Die müssen das Spiel auf jeden Fall gewinnen — wir können."

In der Tat wartet der Aufsteiger, der sich in der Relegation durch einen Freiwurftor des Ex-Dormageners Jacek Bedzikowski in der Schlusssekunde des Rückspiels aufgrund der auswärts mehr erzielten Treffer gegenüber der TSG Friesenheim durchsetzen konnte, seit dem 28:27-Sieg über die HBW Balingen-Weilstetten am ersten Spieltag auf ein Erfolgserlebnis, verlor auch am vorvergangenen Sonntag das Kellerduell beim bis dahin einzig noch sieglosen anderen Neuling HSG Düsseldorf mit 25:29 "und war dabei chancenloser, als es das Endergebnis aussagt", meint Wandschneider, der die Partie persönlich in Augenschein nahm.

Hannover, das zuvor schon den in Nettelstedt ausgemusterten Lars Friedrich nachverpflichtet hatte, reagierte und holte in Nenad Puljezevic einen neuen Torhüter. "Das soll uns egal sein, wir spielen jede Woche gegen Klassekeeper", sagt Wandschneider, der hofft, dass die "größere Eingespieltheit" den Ausschlag zugunsten der Gäste geben könnte.

Das um so mehr, als ihm morgen erstmals in dieser Spielzeit sein kompletter Kader zur Verfügung zu stehen scheint — selbst Spyros Balomenos kann eingesetzt werden. Leichte Fragezeichen stehen allerdings noch hinter Michiel Lochtenbergh, der von der Länderspielserie der niederländischen Nationalmannschaft einen Bänderanriss des Ellenbogens im rechten Arm mitbrachte, und Konstantinos Chantziaras, dessen Daumen nach einer Kapselverletzung angeschwollen ist. Wandschneider geht aber davon aus, dass beide auflaufen können.

(RP)