1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheider VHS feiert 100. Geburtstag mit Rita Süssmuth

Bildungseinrichtung wird 100 Jahre : VHS als kleine Schule der Demokratie

Rita Süssmuth kommt zur 100-Jahr-Feier der Bildungseinrichtung im September in die Klosterkirche.

Sprachen lernen, sich digital fit machen, einen Yoga-Kurs besuchen: Das Angebot der Volkshochschule ist vielfältig und richtet sich an ein breites Publikum. So war es von Anfang an gedacht – Bildung für alle. In der Weimarer Verfassung wurde die Weiterbildung vor 100 Jahren erstmals festgeschrieben. Deutschlandweit löste das einen Gründungsboom aus. Remscheid gehörte zu den Städten, die als erste mitmachten. Inzwischen gibt es über 900 Volkshochschulen, die überwiegend von den Kommunen und Ländern getragen werden. In Nordrhein-Westfalen sind sie ein Pflichtprogramm der Städte. Sie sollen die Grundversorgung an Weiterbildung garantieren.

Am 20. und 21. September feiert die Remscheider Volkshochschule ihren runden Geburtstag mit einer langen Nacht der Volkshochschule und einem Empfang in der Klosterkirche. Dr. Rita Süssmuth, die frühere Bundestagspräsidentin und langjährige Vorsitzende der deutschen Volkshochschulkonferenz, besucht Remscheid, um in lockerer Runde über die Herausforderungen der VHS in heutiger Zeit zu diskutieren. Die Anforderungen an die Erwachsenenbildung haben sich durch die digitale Entwicklung der vergangenen Jahre enorm verändert. Und das Image der VHS gilt bei jüngeren Menschen manchmal als etwas angestaubt. Mit immer neuen Angeboten gerade bei der beruflichen Bildung versucht die Remscheider VHS auf die Bedarfe aller Bürger einzugehen. Das belegt auch das neue Semesterprogramm. Mit 45 Kursen in der Sparte „Berufliche Qualifikation“ nimmt dieser Bereich die zweite Position auf der Beliebtheitsskala ein. Die Fremdsprachen führen mit 71 Kursen mit großem Abstand. An dritter Stelle liegen alle Angebote (42) rund um das Thema Gesundheit und Entspannung.

Der typische Besucher der Remscheider Volkshochschule ist weiblich und zwischen 45 und 60 Jahre alt. Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des Kommunalen Bildungszentrum und zuständig für die VHS, will nicht nur ein Programm für die bildungswillige Mittelstandsfrau konzipieren, sondern möglichst viele Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten erreichen.

Für viele Teilnehmer sei die VHS ein Neustart in die Bildung. Die Schulgeschädigten und Lernfrustrierten erarbeiten sich einen neuen Zugang zu Sprachen, Stoffen und Themen. Aber es geht bei der VHS nicht nur um Bildung. Die VHS-Kurse sind vielfach auch Treffpunkte von Menschen, die über Jahre sich regelmäßig zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, zu einem bestimmten Themenkreis verabreden. Zum Beispiel Konversationskurse in Englisch oder Französisch. Die Förderung des sozialen Austausches sei mindestens eine genauso wichtige Aufgabe wie die Vermittlung von Bildung und Kompetenzen, so Grüdl-Jakobs.

Seit 2012 verzeichnet die VHS stabile Teilnehmerzahlen. Sie liegen bei etwa 5000 Teilnehmern und gut 530 Kursen im Jahr. Auf diese Konstanz könne nicht jede VHS verweisen, sagt Grüdl-Jakobs.

Alfons Ströter, lange Zeit stellvertretender Leiter der VHS, hat in alten Programmheften geblättert. „Selber denken lernen“ - das war der Grundauftrag der Programme nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Abgesehen von der Zeit der Nationalsozialisten verstand sich die VHS als „Schule der Demokratie“. Daran erinnert auch ein neues Angebot im nächsten Semester: Diskussion über ein politisches Thema. Eine Einladung zum Dialog für jedermann.