Remscheid: Spanische Querdenker für Honsberg

Remscheid : Spanische Querdenker für Honsberg

Ein Planungsbüro aus Madrid will auf Einladung der Stadt im März während einer Residenzwoche eine Zukunftsvision für den Stadtteil entwickeln. Die gemeinnützige Montag-Stiftung aus Bonn finanziert das Projekt mit.

Seit mehr als zehn Jahren schon ist der Honsberg Stadtentwicklungsgebiet mit besonderem Förderungsbedarf. Viele Projekte wurden dort seitdem mit finanzieller Hilfe von Land, Bund oder EU angeschoben. Das bislang größte und prägendste ist der Bau des Neuen Lindenhofs.

Mit externer Hilfe soll der Veränderungsprozess nun noch mal einen zusätzlichen Schub erhalten. Das Büro „Taller de Casqueria“ aus Madrid wird im März für eine Residenzwoche in das einstige Arbeiterviertel kommen und dort eine Quartierswerkstatt durchführen.

Der Impuls zu diesem Ansatz kommt aus der in Bonn angesiedelten Montag-Stiftung, die sich unter anderem für die Entwicklung sozial und wirtschaftlich benachteiligter Quartiere einsetzt. Die Stiftung ist unter anderem durch die Arbeit des Künstlerkollektivs „Ins Blaue“ auf den Honsberg aufmerksam geworden, sagt Andreas Huth von der Stadtverwaltung. Gemeinsam hatten die Stadtverwaltung, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewag und die Stiftung Bewerbungen externer Planungsbüros eingeholt, die eine Idee für den Honsberg entwickeln sollen.

Die Bewerbung der Spanier habe mit Abstand den besten Eindruck hinterlassen, sagte Baudezernent Peter Heinze unserer Zeitung. Das Büro habe sich sehr intensiv mit der Situation auf dem Honsberg auseinandergesetzt. Er zeigt sich begeistert von den „Querdenkern“ aus Madrid: „Wir sind sehr gespannt, was dabei herauskommt.“ Das Büro habe bereits Erfahrungen mit Projekten in Deutschland.

Der Zeitpunkt für neue Ideen ist günstig. Mit dem für Herbst dieses Jahres geplanten Aufbau des Fachhochschul-Standorts in den Räumen der leerstehenden Grundschule Honsberg wird der Stadtteil einen neuen Impuls erhalten.

Beteiligt an der Idee der Quartierswerkstatt ist ein alter Bekannter. Henry Beierlorzer, aktiv im Fachbereich „Urbane Räume“ bei der Montag-Stiftung, betreute federführend das Strukturentwicklungsprojekt Regionale 2006 im Bergischen Städtedreieck, das unter anderem das interkommunale Erfolgsprojekt Brückenpark Müngsten hervorbrachte.

Die Kosten des Verfahrens teilen sich die Stiftung, die Gewag und die Stadt. 80 Prozent ihres Anteils von 10.000 Euro kann die Stadt aus Fördermitteln des Stadtumbau-Programms finanzieren.

Das eingereichte Konzeptpapier der Spanier liest sich noch recht theoretisch. Da ist die Rede von „Arbeiterkooperativen“, die gegründet werden sollen, um die Erneuerung des Quartiers und seiner Bauten mitzugestalten oder von Räumen, die „neu programmiert“ werden sollen.

Als einen Schritt auf dem Weg zur Umgestaltung wollen die Spanier die vielen Leerstände, die sie als ein Problem identifiziert haben, zunächst in einer künstlerischen Form im Stadtteil sichtbar machen. Etwa mit Ballons, die über den Dächern der betroffenen Gebäude fliegen.

Morgen will die Stadt in einem Pressegespräch im Detail über das Programm der im März geplanten Honsberg-Strategiewoche mit den Gästen aus Spanien berichten.