Remscheid: Vorleser werben für die Lesekunst

Vorlesewettbewerb : Vorleser werben für die Lesekunst

Die Geduld, ein Buch zu lesen, nimmt bei vielen Schülern immer mehr ab.

Für die acht Mädchen und den einen Jungen, die sich für die Stadtmeisterschaft im Vorlesen qualifiziert haben, gehört das Lesen von Literatur zu den Beschäftigungen, die Freude bringen und nicht reine Pflichtübungen sind, um den Anforderungen im Deutschunterricht zu genügen.

Das ist gleich zu spüren. Kimberly Dziwisch von der Sophie-Scholl-Gesamtschule zum Beispiel. Sie stellt in wenigen Sätzen den Inhalt des Buches von Anna Ruhe vor: „Mount Caravan – Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express“. Wie eine Moderatorin spricht sie ins Publikum. Ihre Stimme erreicht auch die hinteren Plätze im Foyer der Stadtbücherei. Wenn sie ihr Exemplar öffnet, wird es so vorsichtig behandelt, als wäre es eine Schatzkiste. Applaus für die Vorleserin.

Weniger Beifall verdient die allgemeine Situation des Lesens an den Schulen. Sonja Rouxel (54), Deutschlehrerin an der Albert-Schweitzer-Realschule, verdreht etwas die Augen, wenn sie nach der Lesekompetenz der Schüler aus den fünften und sechsten Klassen gefragt wird. Den Umgang mit Büchern sind die Schüler von Hause aus nicht mehr gewohnt. Die Geduld, einen längeren Text zu lesen, schwindet. An der Albert-Schweitzer-Realschule gibt es daher ein Förderprogramm, das im Ganztagsunterricht seinen festen Platz hat. Es dürfen aber keine Bücher ohne Bilder sein. Daher gehören „Gregs Tagebücher“ oder Mangas zu der bevorzugten Lektüre. „Das sinnerfassende Lesen fällt vielen Schülern schwer“, sagt Rouxel. Aber den Bedürfnissen der Generation Handy hat sich die Realschule nicht ergeben. Sie bildet Lesescouts aus. Ältere Schüler stellen fünf Titel den jüngeren Schülern vor. Ob der Funke überspringt und nachhaltig wirkt? Rouxel zieht die Schultern hoch. „Lesen ist wie Kino im Kopf. Und der Leser ist an der Regie beteiligt“, sagt Anne Klinkert, Bibliothekarin der Stadtbücherei. Es gab gute Filme zu sehen. „Tote essen kein Fast Food“ und „Mein Mathe-Desaster oder Der lange Weg zum ersten Kuss“ – so hießen zwei Buchtitel. Leser brauchen Lesefutter. Alle Teilnehmer bekamen Buchpreise. Bei ihnen kann man davon ausgehen, dass sie die geschenkten Bücher auch lesen.

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