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Ratinger Markt: Sie hat Spaß in der Welt der Würste

Ratinger Markt : Sie hat Spaß in der Welt der Würste

Petra Perlitz ist Fleischerfachverkäuferin und kennt ihre Stammkunden. Um vier Uhr klingelt ihr Wecker.

Wer seit fast 30 Jahren auf dem Markt steht, wer Fleischereifachverkäuferin und schnell im Kopf ist und auch noch Petra Perlitz heißt – der bekommt ganz flott mit, wenn eine Kundin, ein Kunde da finsteres Spiel betreibt  – sich zum Beispiel lang und breit nach Zubereitungsmethoden und Grundsätzlichem über eine Roulade erkundigt, die gar nicht auf dem Ratinger Markt gekauft, sondern andernorts zu einem Ramschpreis beschafft werden soll. Perlitz kennt ihre Pappenheimer. Und sie liebt ihre Stammkunden, weiß, wie es deren Familien geht.

Sie hat ihre Fachausbildung bei einer stationären Ratinger Metzgerei gemacht und dann auch eine Weile am selben Ort gearbeitet. Vor 29 Jahren nahm sie ihren ersten Job an und ging nach zehn Jahren zu ihrem jetzigen Marktgeschäft, in dem sie jetzt schon seit 19 Jahren Fleisch- und Wurstwaren in aller Herrgottsfrühe anmutig in der Kühltheke drapiert und später dann verkauft.

Sie hat Ernährungsmoden kommen und gehen sehen, sie hat immer die rechte Beratung parat und weiß Bescheid. Zum Beispiel zum Thema „Wir essen jetzt mal weniger Fleisch, Schatz“. Früher gab es fast automatisch weniger Fleisch auf dem Mittagstisch. Sonntags dampfte der Braten, montags gab es seine übriggebliebene Soße mit Gemüse und Kartoffeln. Dienstags wurden Pfannkuchen gebacken, mittwochs Spiegeleier mit Spinat, donnerstags zum Beispiel Reibekuchen mit Apfelmus. Freitag – ganz klar – stand Fisch auf dem Programm, samstags eine dicke Gemüsesuppe. Und sonntags ging es von vorn wieder los. Immer frisch auf den Tisch. Wenn man aber abends eine Bestellpizza im Karton auf dem Sofa lagert und betrachtet, was Herr Mälzer und seine Spießgesellen an drolligen Auftritten absolvieren, kommt man nicht aufs kulinarische Regelwerk.

Ähnlich war es mit der Kundschaft: Die junge Mutter mit Kinderwagen wurde mehrfach pro Woche gesehen, weil sie das Kind beim Weg in die Stadt der frischen Luft aussetzte und dann auch noch frisches Gemüse kaufte, das zeitnah verarbeitet wurde. „Diese Mutter schafft heute gerade noch ihr Kind in die Kita, sich selbst auf die Arbeit und abends mit der Restfamilie in die Einkaufspaläste vor der Stadt“, meint Perlitz. Sie lächelt dabei – weiß sie doch auch, dass es in manchen Familien anders läuft. Immerhin sind ihre Kunden Stammkunden und schätzen Fleisch- und Wurstwaren der Firma Sprenger aus Bochum. Um vier Uhr klingelt ihr Wecker, um 6.30 Uhr bringt ihr Ehemann sie zum Markt. Dabei gehört ihr Herz dem Ratinger Grünmarkt. Sie kennt auch andere. Manchmal nämlich werden goldene Dauerkaffeefilter neben ihr in Dauerschleife angepriesen, während auf der anderen Seite bedruckte indische Kleider den Geruch der verwendeten Farben ausatmen.

85 Prozent der Waren kommen aus der heimischen Wurstküche, der Rest reist mit renommierten Firmen meist aus dem Ausland an, wie spezielle Schinken und die französische Mortadella mit den Riesenscheiben. Wurst, die nur wie Wurst tut, aber eigentlich Tofu ist, gibt es bei Sprenger nicht. „Wir sind schließlich eine Schlachterei. Und Soja kann man nicht schlachten.“