Der lange Weg zur Approbationsurkunde

Nach drei Jahren : Der lange Weg zur Approbationsurkunde

Omar Alaaeddin hat sich drei Jahre lang durch den Antragsdschungel gekämpft, um als Apotheker arbeiten zu können.

(RP) „Endlich geht es weiter hier in Deutschland“. Omar Alaaeddin steht vor dem Gebäude der Bezirksregierung Düsseldorf. In einer Hand hält er ein Dokument, das so viel mehr für ihn ist als nur ein Stück Papier. Mit der anderen hält er sein Mobiltelefon und spricht zum Sozialarbeiter, der ihn als Flüchtlingsberater der Stadt Ratingen betreut. Er soll es als Erster erfahren. „Ich habe die Approbationsurkunde“, sagt Alaaeddin.

Drei Jahre hat das Anerkennungsverfahren seiner beruflichen Qualifikation als Apotheker gedauert. Sein syrisches Diplom und den dazugehörigen Antrag hatte er bereits 2016 bei der zuständigen Behörde eingereicht – direkt nachdem er als Flüchtling anerkannt wurde und seinen Aufenthaltstitel erhielt. Denn für ihn war klar: „Wenn ich hier bin, will ich hier auch arbeiten und mein eigenes Geld verdienen.“

Was für jeden Arzt und Apotheker mit deutschem Abschluss ein Grund zur Freude ist, weil ein langer Weg der akademischen Ausbildung damit zu Ende geht und der berufliche Werdegang beginnen kann, ist für Alaaeddin wie für viele andere ausländische Akademiker noch einmal von ganz besonderer Bedeutung. Denn ihre im Ausland erworbene Qualifikation wird durch das Anerkennungsverfahren formal zunächst einmal in Frage gestellt. Und das, obwohl viele von ihnen berufliche Erfahrungen gesammelt haben. Dass die potenziellen Fachkräfte erst durch ein Anerkennungsverfahren müssen, bedeutet auch, dass ihre Qualifikationen für den Arbeitsmarkt zunächst nicht zur Verfügung stehen.

Für Alaaeddin war die Prüfung seiner Qualifikation selbstverständlich. „Ich kann so eine Prüfung verstehen. Immerhin tragen wir Pharmazeuten hohe Verantwortung für Patienten. Zu uns kommen ja nicht nur Menschen, die eine Aspirin brauchen, sondern auch schwerkranke Menschen“, sagt er. Dennoch ist für ihn bis heute schwer zu verstehen, warum das Verfahren so lange gedauert hat. „Drei Jahre ist eine lange Zeit. Und die Bürokratie ist sehr aufwendig. Ohne Unterstützung hätte ich das nicht geschafft“, sagt er – obwohl er sehr gut Deutsch spricht.

Nicht ohne Grund hatte er in der Zeit bis zu seiner Anerkennung als Pharmazeut stundenweise als Assistenzlehrer an einem Gymnasium in Ratingen unterrichtet. „Psychisch belastet hat mich das Ganze aber schon, weil man ja weiter kommen will und immer in der Unsicherheit lebt, dass alle Mühen umsonst waren, wenn der Abschluss dann doch nicht anerkannt werden sollte“, sagt er.

Nach der Antragstellung dauerte es ungefähr ein Jahr bis Alaaeddin zur Fachsprachprüfung zugelassen wurde. Danach erhielt er eine befristete Berufsausübungserlaubnis, um schon einmal in einer Apotheke arbeiten zu können. Als er seinen Arbeitgeber wechseln wollte, musste er allerdings eine neue Erlaubnis beantragen, dazu parallel einen weiteren Antrag für die Zulassung zur Kenntnisprüfung stellen. Diesen Antrag hat er im März 2019 gestellt, die Prüfung fand im November statt – rund acht Monate später.

„Das alleine habe ich nicht verstanden. Ich bin Apotheker, habe das Diplom und dann hier die Fachsprachprüfung abgelegt. Ich hätte sofort danach die Kenntnisprüfung absolvieren können“, sagt der Pharmazeut. „Und überhaupt: Wenn man einen Antrag auf Anerkennung stellt, warum muss man dann immer wieder neue Anträge stellen, obwohl alles zu einem Verfahren gehört.“

Seine Approbationsurkunde hat er weitere zwei Monate später erhalten, nach weiteren vielen Mails und Telefonaten zwischen ihm, seinem Sozialarbeiter und der zuständigen Behörde – und mit seinem Chef, der ihn schon lange einstellen wollte. „Wenn er nicht so verständnisvoll gewesen wäre, dann hätte ich den Job längst verloren und wäre wieder beim Jobcenter gelandet.“, sagt Alaaeddin.