Liebfrauenschule wird für 9,3 Millionen Euro kernsaniert

Sanierung : Liebfrauenschule: Alles neu bis unters Dach

9,3 Millionen Euro kostet die Kernsanierung des Gebäudes aus dem Jahr 1911. 2022 soll an der Schwarzbachstraße alles fertig sein.

Eingerüstet steht er da, der Bau der Liebfrauenschule an der Schwarzbachstraße. Architekten und Planer des Schulträgers Erzbistum Köln sind dabei, das historische Gebäude (Grundsteinlegung 1911) behutsam, aber gründlich zu sanieren. Die Kunst besteht darin, historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig modernstes Innenleben möglich zu machen.

Ein Trio hat den Plan: Architekt Stefan Haas, Schulleiter Christoph Jakubowski und Projektleiter Enrico Speer (v. l.). Foto: Blazy, Achim (abz)

Aus dem Pflichtenheft der Sanierer: Acht Klassenräume in der zweiten Etage sollen Anfang des kommenden Schuljahres mit modernster Technik fertiggestellt sein. Die Installation eines neuen (behindertengerechten) Aufzuges, die bis zum Herbst 2020 realisiert sein soll, ist in Arbeit. Ein bewegungsaktiver Spielplatz mit vielen kinderfreundlichen Turngeräten wurde Ende des vergangenen Kalenderjahres fertig.

„Neues Dach auf altbewährten Säulen“ – diesen Slogan prägte Schulleiter Christoph Jakubowski beim Neujahrsempfang des Hauses. Nicht als Werbebotschaft in eigener Schulsache, sondern als denkbar kurze Umschreibung dafür, was die Kernsanierung tatsächlich bringt.

Die Fassade der Liebfrauenschule an der Schwarzbachstraße in früheren Zeiten. Noch erkennbar ist hier die alte Dachgaubenkonstruktion. Foto: RP/Liebfrauenschule

Wer das prüfen will, muss sich allerdings mehrere Treppen hoch bis wirklich unter das Dach bewegen. Dort erklärt Enrico Speer, Projektentwickler für das Erzbistum Köln, seine Arbeit und die des federführenden Architekten Stefan Haas. Das komplette Dachgeschoss, immerhin 1100 Quadratmeter, wird hälftig geteilt und in der Mitte durch eine Empore verbunden. Auf der einen Seite entsteht die neue Kapelle der erzbischöflichen Realschule, auf der anderen ein großer Musikraum.

Die gestalterische Idee: „Der komplette Dachstuhl wird in Holz sozusagen als graphisches Element freigestellt“, sagt Speer. Das heißt: Die Dachgauben werden zum überwiegenden Teil aus großen Glasflächen bestehen. Derzeit kommen Dachdecker, Zimmerleute und Rohbauexperten gemeinsam zum Zuge – und „das Zusammenspiel klappt sehr gut“, lobt Speer. Seine großen Themen sind die Statik und der Brandschutz: „Das ist extrem aufwendig.“ Dem Laien auf der Baustelle fallen allenfalls massive Stahlträger auf, die die Decken zusätzlich zu den alten Holzkonstruktionen stützen. Von denen aber wird nach Abschluss der Arbeiten auch im ersten Stock – dort werden die Altbau-Klassenräume modernisiert – nicht mehr viel zu sehen sein. Nach dem Umzug der Hauskapelle unters Dach wird auch dieser Raum neu genutzt. „Der neue Platz für die Kapelle hat auch den Sinn, einen besonderen Raum der Ruhe zu schaffen. Das war am alten Platz im Gebäude so nicht machbar“, sagt Schulleiter Jakubowski.

Ziel des Millionenprojektes auf rund 3500 Quadratmetern Sanierungsfläche insgesamt ist es, „strukturell das Beste rauszuholen, flexible, große Räume zu schaffen“, wie Speer formuliert. Ende 2022 soll alles fertig sein.

Die Pläne selbst reichen zurück bis ins Jahr 2000. „Seitdem ist klar, dass eine Sanierung ansteht. Und es ging von Beginn an um den großen Wurf“, sagt Speer.

Seitdem geht es Zug um Zug: 2007 entstanden Mensa und Lehrküche neu, 2012/2013 wurden die naturwissenschaftlichen Räume auf modernsten Stand gebracht, 2015 ein Teil der alten Klassenräume. Zwischendurch hatte es noch einen tiefen Einschnitt in der Schulgeschichte gegeben: Die Ordensschwestern verließen ihren Konvent, der ebenfalls im Schulgebäude an der Schwarzbachstraße untergebracht war. Die komplette Sanierung geschieht bei laufendem Schulbetrieb. So ist das Gerüst an der Fassade nicht das einzig Unübersehbare am Millionenaufwand innendrin. Bis alles fertig ist, müssen acht Container auf dem Schulgelände als Ersatzraum dienen.