TuS 08 Lintorf, TV Ratingen und SG Ratingen II sind gefordert

Handball : TuS 08 hat SG-Reserve als mahnendes Beispiel

Der TuS 08 Lintorf empfängt in der Verbandsliga das Schlusslicht ETB Essen, das zuletzt gegen die SG Ratingen II seine ersten Punkte einheimste. Die Reserve des Regionalligisten misst sich wie der TV Ratingen mit einer Top-Mannschaft.

Vorbilder hat Jörg Schomburg im Handball aktuell nicht. „Früher als Jugendlicher aus unserer ersten Mannschaft in Recklinghausen vielleicht, aber heute nicht mehr“, sagt der Trainer des TV Ratingen. Dabei kann seine aktuelle erste Mannschaft für das Wochenende durchaus als Vorbild für sich selbst taugen – immerhin sorgte sie vor einer Woche für den Coup der Verbandsliga, als sie den Favoriten Bergischer HC II von Tabellenplatz zwei stieß. Und am Samstag (17.30 Uhr) ist der Spitzenreiter HSG Bergische Panther II zu Gast am Europaring – da könnten die Ratinger den nächsten Favoriten stürzen.

Und chancenlos sieht Schomburg sein Team auch diesmal nicht. „Klar, die Panther wollen unbedingt hoch und haben auch dafür einige Spieler aus ihrem Drittliga-Kader freigespielt, damit sie in der Verbandsliga eingesetzt werden können“, weiß der Coach. „Aber vor allem unsere Leistung gegen den BHC II macht mich zuversichtlich. Da haben wir gezeigt, wozu wir imstande sein können. Wenn wir alles abrufen und uns an die Vorgaben halten, haben wir auch eine Siegchance.“ Allerdings sieht es personell schwierig aus, gleich fünf Spieler fehlen urlaubsbedingt: Max und Tristan Beckmann sind mit Florian Heimes verreist, Tobias Demming und Pascal Schmidt zusätzlich. „Wir haben einen großen Kader und werden das auffangen“, sagt Schomburg, der seinen Co-Trainer Chris Schweinsberg aufbieten und Jonas Oberwinster aus der Reserve hochziehen wird.

Das Hinspiel verlor der TV 26:34, aber Schomburg erinnert: „13 Minuten vor Schluss lagen wir nur ein Tor zurück, so deutlich wie das Ergebnis war das Spiel nicht.“ Der Trainer merkt zudem an: „Ich kenne meine Mannschaft und weiß, dass sie jeden in der Liga schlagen kann. Leider kann sie auch gegen jeden verlieren. Wir passen uns häufig der Qualität des Gegners an.“ Das könnte ja Mut machen gegen die Panther, die eventuell Drittliga-Spieler aufbieten und in Alexander Zapf ohnehin einen der besten Akteure der Klasse als Spielertrainer haben. „Ich glaube, die Panther sind auch ein wenig abgezockter als der BHC zuletzt. Aber ich stelle mich auf einen heißen Tanz ein“, sagt Schomburg.

So wie der TV hatte auch die SG Ratingen II am vergangenen Spieltag für einen Paukenschlag gesorgt, allerdings in negativer Hinsicht: Die Reserve verlor beim bis dato punktlosen Schlusslicht ETB Schwarz-Weiß Essen 22:28. „Dass es irgendwann passiert, dass Essen die ersten Punkte holt, war klar – ich hatte nur gehofft, dass das nicht gegen uns der Fall ist“, sagt Trainer René Osterwind, der selbst erkrankt nicht vor Ort war. „Obwohl alle gewarnt hatten, passiert so etwas. Da ist das Spiel eng, dann wirst du nervös und machst Fehler. Und dann verletzt sich auch noch Clemens Oppitz. Trotzdem darfst du da im Normalfall nicht verlieren“, sagt Osterwind.

Die Verletzung von Rückraumspieler Oppitz ist schwer: Alle Bänder im Fuß und auch die Sydesmose sind gerissen, er wird möglicherweise monatelang fehlen. Bastian Schlierkamp ist immer noch angeschlagen, Marcel Müller im Regionalliga-Team festgespielt. „Ich weiß echt nicht mehr, wen ich aufstellen soll. Ohne Spieler aus unserer Dritten wird es nicht gehen“, sagt Osterwind. Und derart angeschlagen geht es ausgerechnet gegen den Kettwiger SV, der zwischen den Spitzenteams Bergische Panther und BHC auf Rang zwei steht. „Kettwig ist für mich die große Überraschung der Saison, gerade nach dem Abgang von Sam Schäfer zu unserer Ersten“, sagt Osterwind vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr). „Die Mannschaft macht sehr wenig Fehler und hat mit Florian Kunde einen bärenstarken Torwart. Wenn wir uns da – wie zuletzt häufiger – zwei Talfahrten leisten, wird es unmöglich. Ich hoffe, dass meine Mannschaft wieder ein anderes Gesicht zeigt und zum Beispiel so befreit aufspielt wie in der ersten Halbzeit des Derbys in Lintorf, als wir hoch geführt haben. Dann kriegt Kettwig vielleicht ein wenig Druck.“, sagt Osterwind, der ergänzt: „Es wird auf jeden Fall für uns um einiges einfacher gegen diesen Favoriten als gegen den ETB, wo alle nur auf den Blödmann gewartet haben, der als Erstes Punkte da liegen lässt.“

Dieser Kelch ist am TuS 08 Lintorf dank des Ausrutschers der SG II vorüber gegangen, dennoch sagt Trainer Markus Wölke entschieden: „Ich will auch nicht die zweite Lachnummer der Liga werden und dem Tabellenletzten die nächsten beiden Punkte geben.“ Denn der ETB ist am Samstag (18 Uhr) Gast am Breitscheider Weg, und nachdem sich die Schadenfreude der Lintorfer über die Niederlage der SG-Reserve gelegt hat, sollten sich die Hausherren auf die eigene Leistung konzentrieren. „Ich habe den Jungs ins Stammbuch geschrieben: Wenn man den ETB unterschätzt, kann es ein böses Erwachen geben. Wenn man dem eine Chance gibt, wird er sie nutzen. Wir haben zu Hause noch nicht so überzeugt, wie ich mir das wünschen würde. Als mahnendes Beispiel habe ich das SG-Spiel angeführt, das wir nach dem hohen Rückstand noch gedreht haben. So viele Fehler wie die SG gegen uns gemacht hat, macht der ETB nicht“, betont Wölke, der natürlich auch die Niederlage der SG in Essen als „mahnendes Beispiel“ verwendet hat.

Gegen das Schlusslicht fehlt Marius Haverkamp, der beruflich bedingt in Dresden ist, zudem werden die Lintorfer ihre A-Jugendlichen für das Landesliga-Spitzenspiel im Anschluss (siehe Info-Kasten) schonen. „Aber unser Kader muss auch mit 13 Spielern stark genug sein, um ETB zu schlagen“, verlangt Wölke, der in Kettwig wohnt und daher nicht nur den eigenen, sondern auch den Gegner der SG-Reserve am Samstag bestens kennt. „Das wird ganz schwierig für Hansi“, sagt Wölke mit Blick auf Osterwind und dessen Spitznamen. „Kettwig hat einen Lauf und ist sehr eingespielt. Uns hat dagegen eine 1a-Torwart-Leistung gepaart mit viel Tempo geholfen. Aber ich glaube, es gibt andere Gegner, gegen die Hansi punkten muss.“ Wie es nicht geht, hat der vergangene Spieltag gezeigt.