Challenge wirbt für freie Ausbildungsplätze

Heiligenhaus : Challenge wirbt für freie Ausbildungsplätze

Im Kreis Mettmann sind noch 350 Azubi-Stellen unbesetzt. Bei Hebeko traten Politiker gegen das Team Wirtschaft an.

Um für das Handwerk zu werben, veranstaltet die IHK regelmäßig eine Azubi Challenge. Dabei treten jeweils drei Vertreter aus Politik und Wirtschaft in unterschiedlichen Betrieben gegeneinander an und müssen klassische Aufgaben aus dem dortigen Fachbereich eines Azubis lösen.

Björn Kerkmann kratzt sich gedankenverloren und ein wenig irritiert seinen rötlichen Bart. „Das verstehe ich jetzt nicht wirklich“, grummelt der Erste Beigeordnete der Stadt Heiligenhaus und dreht und wendet die kleine Leiterplatte, „eigentlich müsste das rote Licht doch jetzt blinken. Ich habe sie doch exakt nach Schaltplan und Vorgabe bestückt, sehr seltsam.“ Dann grinst er verschmitzt. „Ha! Ich hab’s! Die Batterie ist schlichtweg leer.“ Helbako Ausbilder Jörg Schmidt kann sich ein Lachen nicht verkneifen, mit fachmännischem Blick auf das gelötete Ergebnis des Kämmerers. „Eijeijei, was haben Sie denn da gemacht? Da berühren sich ja alle Lötstellen, das gibt Kurzschlüsse. Oh je, ich kann Ihnen nur 0 Punkte für diese Arbeit geben.“ Björn Kerkmann nimmt´s mit Humor. „Naja, viel Lebenszeit habe ich tatsächlich noch nicht in die Thematik Lötkunst investiert.“

Der 33-Jährige bildet mit den Landtagsabgeordneten Elisabeth Müller-Witt und Martin Sträßer das Team Politiker, muss sich gegen das Team Wirtschaft (Sandra Jachmann, Geschäftsführerin  der Erich Jachmann Spedition in Mettmann, Peter Jülicher, Geschäftsführung der Cours in Velbert, Ulrich Hamacher, Kreissparkasse Düsseldorf, Filialdirektor Heiligenhaus) in drei kniffeligen Aufgaben rund um das Thema Elektronik beweisen. Ein Aufgabenfeld, mit dem die Helbako, die Austragungsort für die heutige Challenge ist, täglich zu tun hat.

„Wir bilden hier in verschiedenen Berufsbildern aus, darunter auch  Elekroniker für Geräte und Systeme“, erklärt Helbako-Prokurist Ulf Zimmermann. Einer, der gerade erfolgreich diese Ausbildung absolviert, ist der 24-jährige Ramzi Ouso und genau er ist es, der heute zusammen mit Ausbilder Jörg Schmidt die Ergebnisse mit Punkten bewertet. Es geht um die Nachbildung eines Schaltkreises, um Schätzaufgaben („Wie hoch ist die maximale Spannung bei elektrostatischer Aufladung?“) und um die Bestückung der Leiterplatten. Sandra Jachmann lötet, als habe sie nie etwas anderes getan, in Kittel und mit Schutzbrille arbeitet sie filegran und hochkonzentriert. „Ich habe das letzte Mal mit 15 Jahren gelötet“, erklärt die Speditionsgeschäftsführerin und hält stolz das blinkende Rotlicht hoch, „ich denke ich habe eine gute logische Auffassungsgabe und, naja, wir hatten ja hier sehr detaillierte Vorgaben, es war also nicht all zu schwer.“

Letztlich gewinnt das Team Wirtschaft die heutige Teil-Challenge und liegt damit, nach bislang drei Austragungsorten, mit 2:1 vorne. „Ich finde, dass diese Challenge hervorragend zeigt, dass Politiker und oft auch Menschen aus der Wirtschaft kaum eine Vorstellung davon haben, was berufliche Ausbildung heißt“, resümiert Ulf Zimmermann, „dabei ist gerade beim herrschenden Fachkräftemangel  eine handwerkliche Ausbildung eine große Chance und wir Unternehmen sind da in der Verantwortung, auch auszubilden.“

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