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Radevormwald: Vor 70 Jahren erschien die erste Lokalausgabe der BM

Jubiläum : Die Erstausgabe für Radevormwald

Am 25. Oktober 1949 ging die erste Ausgabe in Druck. Der Redakteur war Hans Aldermann. Er blieb für Jahrzehnte das Gesicht der BM.

Am 25. Oktober 1949 war es soweit: Zum ersten Mal erschien die Radevormwalder Lokalausgabe der Bergischen Morgenpost. Der erste Lokalredakteur: Hans Aldermann.

Geboren 1912 auf Kräwinkel, hatte Aldermann zunächst eine Schlosserlehre gemacht, sich dann jedoch dem Journalismus zugewandt und gelernt, in Text und Bild das lokale Geschehen zu begleiten. Mit dem Start der Bergischen Morgenpost in Radevormwald konnte Hans Aldermann seinen Traum verwirklichen – Zeitung machen. Bis er Mitte der 1970er Jahr in Ruhestand ging, blieb er der Zeitung treu.

Wenige Jahre nach dem Krieg, als der Wiederaufbau kaum begonnen hatte, waren die Anfänge natürlich bescheiden, berichtet der Sohn Lutz Aldermann. „Mein Vater hatte sein Büro daheim, anfangs noch im elterlichen Haus.“ Mit einem Zweirad knatterte er zu seinen Terminen.

Einige Jahre später erwarb Hans Aldermann, inzwischen Familienvater, ein Haus an der Siepenstraße. Dort richtete er sich im Keller ein, schrieb auf einer Reisemaschine seine Artikel und entwickelte Fotos. Der Junior erinnert sich: „Wenn noch was Wichtiges passiert war, das unbedingt in die Ausgabe musste, dann sagte er mir: Geh‘ schon mal schnell in die Dunkelkammer und mach’ dies und das Format fertig.“

Die Rheinische Post war im Jahr 1946 gegründet worden mit einer Lizenz der britischen Militärregierung. Nach den Schrecken von Krieg und Nazi-Diktatur ging es darum, den politischen und gesellschaftlichen Neubeginn journalistisch zu begleiten, Demokratie zu fördern, den Wiederaufbau zu gestalten.

„Mein Vater wurde auch deswegen angesprochen, weil er während des Dritten Reichs Distanz zu den Nazis gewahrt hatte“, sagt Lutz Aldermann. Er verwahrt eine Kopie der Gestapo-Akte, die über seinen Vater angelegt worden war. Dort wird in tadelndem Ton das christliche Engagement Aldermanns hervorgehoben, seine Nähe zur Bekennenden Kirche kritisiert. Zudem habe sich der junge Mann keiner NS-Organisation angeschlossen, seine Gesinnung entspreche nicht der Linie der Machthaber.

Schikanen blieben nicht aus. „Mein Vater hatte ein Fernabitur bei einem Institut in Potsdam abgelegt. Ihm wurde nun mitgeteilt, ohne Parteizugehörigkeit werde dies nicht anerkannt“, berichtet der Sohn. Der Wunsch, „Schriftleiter“, zu werden, wie es damals hieß, wurde ihm versagt. Die Bergische Morgenpost, 1949 im Verbund mit der Rheinischen Post herausgebracht, gab ihm endlich die Möglichkeit, als Journalist tätig zu sein.

Man kann sich vorstellen, mit welcher Freude der junge Redakteur nach all diesen Erlebnissen die erste gedruckte Ausgabe für seine Heimatstadt Radevormwald in Händen gehalten hat. „Das ist die Bergische Morgenpost“, heißt es unübersehbar in der Mitte der Titelseite. „Sie erscheint von heute ab jeden Tag.“

Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Hans Aldermann blieb für Jahrzehnte das Gesicht der BM für die Rader. Unterwegs mit Stift und Kamera, um alles, was die Leser interessieren könnte, aufzuzeichnen. Er war auch als einer der ersten Medienvertreter vor Ort, als 1971 das grauenvolle Zugunglück von Dahlerau passierte, bei dem 46 Menschen, darunter 41 Schüler der Radevormwalder Geschwister-Scholl-Schule, ums Leben kamen. „Das ist ihm lange nachgegangen“, erinnert sich Lutz Aldermann.

Doch er kennt auch erfrischende Anekdoten aus dem damaligen Alltag des Vaters. „Früher gab es bei Dahlhausen ein Müllkippe, auf der ständig Feuer ausbrach. Der Rauch zog dann nach Herbeck hoch. Die Feuerwehreinheit vor Ort musste so oft zu dieser Kippe fahren und löschen, dass mein Vater sie einmal launig als ,Kippenfeuerwehr’ bezeichnet hat.“ Beim nächsten Einsatz rächten sich die Feuerwehrleute, indem sie dem Reporter eine kalte Dusche mit dem Wasserschlauch verpassten. Lang ist es her – inzwischen ist Theo Aldermann, der Enkel, Führer eben jener Löscheinheit.

Hans Aldermann starb im Jahr 1994. Sein Weggefährte Hans-Herbert Krämer charakterisierte ihn im Nachruf als „hellwach, engagiert, rastlos immer am Tagesgeschehen, immer auch unmittelbar an den Menschen, ihren Wünschen und Anliegen.“