SPD in Radevormwald : Interesse an SPD-Wahl ist groß

SPD in Radevormwald : Interesse an SPD-Wahl ist groß

Bis Ende der Woche können die Mitglieder der Partei das neue Führungs-Duo im Bund wählen. Auf welches Interesse stößt die Wahl bei den Sozialdemokraten in Radevormald – und gibt es Favoriten? Die BM hat sich umgehört.

Es hat eine ganze Weile gedauert, doch nach dem Rücktritt von Andreas Nahles als Bundesvorsitzende der SPD läuft in diesen Tagen das Abstimmungsverfahren, mit dem die Parteimitglieder ihr Votum für die neue Spitze der Bundespartei abgeben können.

Einer, der seine Stimme bereits abgegeben hat, ist Dietmar Stark, Fraktionsvorsitzender der SPD in Radevormwald. Und er macht auch keinen Hehl daraus, für wen er votiert hat: „Ich habe mich entschieden für das Duo Boris Pistorius und Petra Köpping.“

Es gehört zu den Besonderheiten dieser Wahl, dass sich ausschließlich Doppelspitzen mit jeweils einer Frau und einem Mann um den Vorsitz bewerben. Diese Kandidaten können gewählt werden: Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Klara Geywitz aus Brandenburg, Ex-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans mit der Digitalexpertin Saskia Esken, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius mit Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping, EU-Staatsminister Michael Roth mit Ex-NRW-Familienministerin Christina Kampmann, SPD-Vize Ralf Stegner mit der Vorsitzenden der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, sowie der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mit der Umweltpolitikerin Nina Scheer.

Als Favoriten-Paar gilt das Duo Scholz-Geywitz. Der Kombination Pistorius-Köpping werden ebenfalls Chancen eingeräumt. Die Beiden machten im Vorfeld unter anderem mit der Forderung nach Steuersenkungen und einer Entlastung des Mittelstandes auf sich aufmerksam.

Dass es nun auf jeden Fall ein Führungs-Duo auf Bundesebene sein muss, sei offensichtlich dem Vorbild der Grünen-Spitze im Bund nachempfunden, sagt Stark. Dort gelten Robert Habeck und Annalena Baerbock als Erfolgsmodell, die Grünen waren im Bund und in den Ländern noch nie so stark. Davon kann die SPD derzeit nur träumen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die SPD-Basis eine wegweisende Entscheidung für die Partei trifft. Im Frühjahr 2018 konnten die Mitglieder darüber abstimmen, ob die SPD in der Großen Koalition bleiben soll oder nicht. Dietmar Stark hat auch hier eine dezidierte Meinung: „Wir sollten in der GroKo bleiben. Sie jetzt zu verlassen, wäre der völlig falsche Weg.“ Die SPD habe in dieser Position schon viel Gutes für das Land bewegen können, auch wenn das der Bevölkerung offenbar nicht ausreichend vermittelt worden sei.

Wichtig sei auf jeden Fall, dass die neuen Vorsitzenden eine breite Unterstützung bekommen, damit nicht, wie in den vergangenen Jahren. wieder Zerstrittenheit das öffentliche Bild der Partei präge: „Wir müssen mit einer Zunge sprechen, nicht mit zehn Zungen.“ Was die Sozialdemokraten in Radevormwald angeht, so hat Stark den Eindruck, dass das Interesse an der Abstimmung groß ist. Natürlich gebe es keine Linie, nach der im Stadtverband abgestimmt werde, jede Genossin, jeder Genosse kann sein persönliches Favoriten-Duo wählen.

Auch Heide Nahrgang, stellvertretende Bürgermeisterin hat bereits ihre Stimme abgegeben, möchte allerdings für sich behalten, wen sie gewählt hat. Um so deutlicher wird die Ratsfrau, wenn es um die künftige politische Linie der SPD geht: „Wir müssen wieder im sozialen Bereich anpacken, wir müssen etwas für die Alten und die Kranken tun. Ich kann nicht fassen, dass jetzt schon von Medikamentenmangel die Rede ist, wo soll das hinführen?“

Als stellvertretende Bürgermeisterin besuche sie oft ältere Mitbürger, berichtet Nahrgang, und die Sorgen der Senioren, die sie dort höre, seien oft bedrückend. „Da gibt es Menschen, die sind völlig allein, da kümmert sich niemand drum.“ Solche Menschen bräuchten endlich wieder eine Lobby.

Dietmar Stark entschied sich für das Paar Pistorius-Köpper. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Heide Nahrgang wünscht sich ein sozialeres Profil. Foto: Stefan Gilsbach

Was die Jusos betrifft, so hatte sich die Jugendorganisation der SPD in Nordrhein-Westfalen bereits Anfang Oktober für das Spitzen-Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ausgesprochen. Mit dem Schub könnten beide es laut Beobachtern in die Stichwahl schaffen.