Unfallstatistik 2018: Zahl der Verkehrstoten im Rhein-Kreis Neuss gestiegen

Unfallbilanz 2018 : Zahl der Verkehrstoten im Rhein-Kreis ist gestiegen

Die Zahl der Fahrerfluchten erreicht fast 25 Prozent. Die Unfallstatistik der Polizei registriert mehr Unfälle und mehr Verkehrstote.

Die Mobilitätswende und die Förderung des Fahrradverkehrs haben eine Kehrseite: Unfälle, Verletzte, Tote. „Der Bereich Radfahrer ist das, was uns wirklich antreibt“, betonte am Mittwoch Wolfgang Zillekens von der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr. Denn nicht nur die Zahl der Unfälle stieg deutlich auf 544 (plus 65), auch die Zahl der Leichtverletzten (415/plus 52) und Schwerverletzten (102/plus 25) nahm deutlich zu.

Als einen Grund, warum inzwischen jeder dritte Unfalltote beziehungsweise Verletzte ein Radfahrer ist, nennt die Polizei die Zunahme der Pedelec genannten Fahrräder mit Elektromotorunterstützung. Das findet in 57 Unfällen (plus 29) seinen Niederschlag – und zieht inzwischen auch einen Nachfrageboom an Fahrtrainings der Polizei nach sich, wie Friedhelm Hinzen als oberster Polizeibeamter im Kreis konstatiert. „Viele Pedelecfahrer sind überfordert“, sagt er.

Als Grund für die hohe Zahl der Verletzten wiederum benennt die Polizei den Unwillen vieler Radler, auf dem Zweirad einen Helm zu tragen. „Es könnte eine Reihe Verkehrstoter weniger sein, wenn alle Helm trügen“, sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als Leiter der Kreispolizeibehörde. Tatsächlich schwankt die Quote bei erwachsenen Radlern zwischen 17 und 19 Prozent. Trotzdem geht Petrauschke nicht so weit, sich der Forderung nach einer Helmpflicht anzuschließen. „Das muss ja auch kontrolliert werden.“

Die Entwicklung der Unfallzahlen mit Radfahrer-Beteiligung macht der Polizei landesweit Sorgen. Das machte auch Innenminister Herbert Reul deutlich, als er am Mittwochvormittag alle Unfallzahlen für NRW darstellte. Die wiesen steigende Unfallzahlen und mehr Verkehrstote aus. In diesem Trend liegt leider auch der Kreis Neuss. Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg im Vorjahr auf 13.222 (plus 62), von denen aber 8645 als Bagatellsachen in der Statistik aufgeführt sind. Die Zahl der Toten allerdings stieg von 10 auf 13. „Solche Unfälle und ihre Folgen sind in jedem Fall schlimm“, sagt Petrauschke. Ihn freut deshalb, dass im vergangenen Jahr die Zahl der im Krankenhaus behandelten Schwerverletzten sank (gesamt: 302/minus 19) und auch die der Leichtverletzten kreisweit abnahm: um 76 auf 1339. Die Unfälle auf den Autobahnen im Kreis, ergänzt er zur Erklärung der Statistik, fallen nicht in die Zuständigkeit der Polizei im Rhein-Kreis – und aus deren Statsitik raus.

Dass acht der 13 Todesopfer im Vorjahr außerhalb geschlossener Ortschaften zu Tode kamen, bestätigt die Polizei in der Auffassung: „Geschwindigkeit ist der Killer Nummer eins“. Die Statistik der Hauptunfallursache führen – rein nummerisch – aber immer noch Fehler beim Abbiegen und Vorfahrtverletzungen an. Auch Alkohol und Drogen spielen bei immer mehr Unfällen eine Rolle. Die Zahl der Unfallfahrten unter Alkoholeinwirkung stieg im Vorjahr um 57, doch Drogenverstöße seien etwa gleichauf, betont Zillekens. „Drogen holen ganz schwer auf“, sagt er, und spricht auch von einer zunehmenden Zahl von Unfällen, bei denen – möglicherweise unbeabsichtigter – Medikamentenmissbrauch im Spiel ist. „Wir sehen schon immer nach, was auf dem Beifahrersitz liegt.“

Ein Riesenproblem ist inzwischen auch im Rhein-Kreis die Unfallflucht. Bei inzwischen fast jedem vierten Unfall muss die Polizei vor Ort ins Protokoll aufnehmen, dass sich der Verursacher unerlaubt vom Unfallort entfernt hat. Die Gesamtzahl von 3129 Fluchten nannte Zillekens erschreckend. Knapp sechs von zehn derartigen Fällen kann die Polizei aufklären, die besonders bei Unfallfluchten, bei denen Verletzte oder – wie 2018 geschehen – sogar ein Toter zurückbleiben, keine Nachsicht kennt. „Da gehen wir mit aller Ermittlungsmacht dran“, sagt Zillekens, sogar eigene Ermittlungskommissionen seien schon gegründet worden. Das sorgt für eine Aufklärungsquote von 63,1 Prozent in diesen Fällen. „Verkehrsunfall mit Flucht, das geht gar nicht“, sagt der Experte der Verkehrsdirektion.

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