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Neuss: Schulfrieden für Neuss in Reichweite

Neuss : Schulfrieden für Neuss in Reichweite

Nun also doch – die Koalition von CDU und FDP will eine vierte Gesamtschule und zusätzlich eine weitere Sekundarschule. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Einig sind sich alle nur darin, dass der Elternwille zählt.

Nun also doch — die Koalition von CDU und FDP will eine vierte Gesamtschule und zusätzlich eine weitere Sekundarschule. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Einig sind sich alle nur darin, dass der Elternwille zählt.

Dem Schulfrieden auf Landesebene folgt jetzt ein Schulfriede für Neuss. Grundlage dafür ist die Entscheidung der Koalition von CDU und FDP, in einer Sondersitzung des Schulausschusses am Mittwoch, 19. Juni, die Bildung einer vierten Gesamtschule und die Einrichtung einer zweiten Sekundarschule auf den Weg zu bringen. Er gehe davon aus, bewertet der SPD-Fraktionsvorsitzende Reiner Breuer diese Ankündigung, dass nun die "weitere Diskussion über die Schulentwicklungsplanung konfliktlos verlaufen wird."

Das Umschwenken der Koalition, die sich noch im Herbst gegen eine weitere Gesamtschule ausgesprochen und stattdessen eine Sekundarschule durchgesetzt hatte, hat viele überrascht. Auch Maria Bienefeld, die Leiterin der Maximilian-Kolbe-Hauptschule. Sie erfuhr aus der Zeitung, dass ihre Hauptschule, die letzte in Neuss, gemeinsam mit der benachbarten Realschule Südstadt auslaufen soll, und in den Gebäuden des Schulzentrums Weberstraße Platz gemacht wird für eine weitere Sekundarschule.

Sie bedauert das rasante Tempo, mit dem in Neuss alle Hauptschulen abgeschafft werden — und versteht es nicht. "Wir stehen hervorragend da", sagt sie mit Blick auf drei Eingangsklassen im nächsten Jahr. Widerstand aber werde man nicht leisten: "Wir haben lange genug für die Hauptschule gekämpft." Aber Ergebnis der Schulpolitik in Stadt und Land sei, "dass Eltern die Hauptschule nicht mehr wollen."

Was sie wollen, bringt Ralf Mainz zum Ausdruck, der Vorsitzende des Stadtelternrates: "Wir haben jahrelang für genug Plätze an Gesamtschulen gekämpft", sagt er mit Blick auch auf die 158 Kinder, die in diesem Jahr von den drei Gesamtschulen abgewiesen werden mussten. Dass die vierte Gesamtschule jetzt kommt, begrüßt er, den Standort in Norf aber hinterfragt er kritisch. Die Ganztagsrealschule Norf, die dafür Platz machen soll, kennt Mainz als eine gut funktionierende Schule.

Dem pflichtet Thomas Müller bei, der Schulpflegschaftsvorsitzende der Norfer Realschule. Mit diesem Beschluss zeige die Koalition erneut "ihre Unfähigkeit, die Schullandschaft in Neuss nachhaltig zu gestalten", schimpft er. "Warum lässt man nicht die gut besuchten Realschulen weiter ihre qualifizierte Arbeit machen?", fragt Müller — und schiebt noch eine Frage nach: "Mit welchen Schülern sollen die Oberstufen der neuen Schulen besetzt werden?" Eine berechtigte Frage.

Mit Blick auf die zweite Sekundarschule kündigt die SPD daher an, genau zu hinterfragen, ob diese tatsächlich dem Elternwillen entspricht. Die Koalition hatte sie gewünscht um, wie es der FDP-Fraktionsvorsitzende Heinrich Köppen formuliert, "duale Ausbildung weiter möglich zu machen." Die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation mache sich schließlich nicht allein an der Zahl ihrer Abiturientenzahl fest. Andererseits hatte die erste Sekundarschule nur knapp die nötige Anmeldezahl erreicht — und auch das wohl nur mit Hilfe von Kindern, die lieber zur Gesamtschule gehen wollten.

Gegner des neuen Kurses bleibt Andreas Hamacher. Er ist sicher, dass eine vierte Gesamtschule "an die Substanz der Gymnasien geht." Weil er das nicht will, hat sich der schulpolitische Sprecher der CDU von der Sondersitzung abgemeldet: "Dieser Beschluss muss von anderen verantwortet werden."

(NGZ/rl)