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Getötete Rentnerin aus Neuss: Gericht stellt mildes Urteil in Aussicht

Getötete Rentnerin aus Neuss : Gericht stellt mildes Urteil in Aussicht

Acht Monate nach dem Mord an einer 86-Jährigen Rentnerin aus Reuschenberg hat das Landgericht Düsseldorf jetzt ein mildes Urteil in Aussicht gestellt. Richter Rainer Drees kündigte an, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlags mit einer Strafe zwischen fünf und sieben Jahren Gefängnis möglich sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte Heinrich S. wegen Mordes angeklagt — im Falle einer Verurteilung würde dies zwingend eine lebenslange Freiheitsstrafe nach sich ziehen. Er soll seine Schwägerin getötet haben, weil er mit ihr angeblich eine Affäre hatte, die sie auffliegen lassen wollte. Die Verteidigung schien mit der Ankündigung des Gerichts leben zu können.

Der 78-Jährige hatte zwar nach seinem Geständnis bei der Polizei die Tat im Prozess bestritten, an einen Freispruch glauben er und seine Anwälte allerdings wohl nicht. "Fünf bis sieben Jahre Haft wären ein Urteil, was unserem Mandanten ermöglichen würde, die letzten Jahre seines Lebens in Freiheit zu verbringen", so Verteidiger Horst Ruthmann. Zwar müsste Heinrich S. in diesem Fall für einige Zeit in Haft, könnte aber einen Teil der Strafe eventuell im offenen Vollzug absitzen. Ob der Rentner nach der Ankündigung des Gerichts nun doch ein Geständnis ablegt, um "reinen Tisch" zu machen, ist unklar.

Pikante Andeutungen über eheliches Sexualleben

Mittwoch wurden im Prozess Nachbarn des Angeklagten und des Opfers sowie Familienangehörige als Zeugen gehört. Sie zeichneten kein positives Bild von Heinrich S. und berichteten über pikante Andeutungen, die der Rentner angeblich über sein eheliches Sexualleben gemacht hatte.

Die Stieftochter des Opfers beschrieb den 78-Jährigen als schnell gereizt, auf dem Friedhof sei er ihr gegenüber sogar einmal zudringlich geworden. "Er hat mir an die Brust gefasst", berichtete die 61-Jährige. Richter Rainer Drees hatte an den Aussagen hörbare Zweifel. Ihm schien es so, dass einige Zeugen den Angeklagten bewusst in ein schlechtes Licht rücken wollten — zumindest hatten sie sich in ihren ersten Aussagen gegenüber der Polizei nicht derart negativ über den früheren Mitarbeiter einer Schraubenfabrik geäußert.

Am Freitag wird das Verfahren am Düsseldorfer Landgericht fortgesetzt. Planmäßig soll der Prozess am 28. Juni zu Ende gehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Oktober 2012: Seniorin in Neusser Wohnung getötet

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