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Rhein-Kreis Neuss: IHK-Blitzumfrage zu Corona zeigt Existenzangst

Corona-Folgen im Rhein-Kreis Neuss : Viele Betriebe plagt die Existenzangst

Die Lockerungsmaßnahmen sind für viele Unternehmen eine gute Nachricht, denn sie ächzen unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Laut aktueller IHK-Blitzumfrage befürchten 21 Prozent die Insolvenz.

Es sind teils dramatische Zahlen, die Jürgen Steinmetz vorlegt. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein stellt die Ergebnisse der jüngsten Blitzumfrage der Kammer vor. Insgesamt 200 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk haben daran teilgenommen, ihre Rückmeldungen zeigen, wie immens die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind. 79 Prozent der Betriebe, die sich an der Umfrage beteiligt haben, gehen von Umsatzeinbußen aus. 21 Prozent fürchten gar, dass wegen des Umsatzrückgangs die Insolvenz droht. Besonders hoch ist die Insolvenzgefahr – das legen zumindest die NRW-Daten der landesweit von den IHKs durchgeführten Umfrage nahe – bei Betrieben mit 50 und 250 Mitarbeitern.

Gerade diese mittelständischen Betriebe sind es auch, die sich von der Politik mit Hilfsmaßnahmen im Stich gelassen fühlen. „Viele Unternehmen – insbesondere mit 50 bis 250 Mitarbeitern – haben festgestellt, dass sie bei den Hilfen vernachlässigt werden“, sagt Steinmetz. Denn während es für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter und Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern Zuschüsse und Förderprogramme bis hin zu einem Rettungsschirm gibt, bleibt vielen Mittelständlern nur das Instrument von Krediten.

Stephan Moritz, Beauftragter des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) für den Rhein-Kreis Neuss, hatte daher ebenso wie der Neusser Unternehmer David Zülow, Vorsitzender des NRW-Landesverbands von „Die Familienunternehmer“, bereits frühzeitig vor den Folgen dieser „Förderlücke“ gewarnt und Nachbesserungen von Bund und Land bei den Unterstützungsmöglichkeiten für die Wirtschaft gefordert.

Der Bedarf ist groß – und zwar quer durch Betriebsgrößen und Branchen. Laut IHK-Blitzumfrage gaben nur fünf Prozent der Unternehmen an, dass es keiner weiteren Maßnahmen der Politik bedürfe. Gefordert werden zum Beispiel eine Senkung der Unternehmenssteuer (51 Prozent), weitere Soforthilfen (31 Prozent) und Entschädigungen (19 Prozent), 34 Prozent sprechen sich für ein Konjunkturprogramm aus, und es besteht großer Bedarf nach Unterstützung bei der Bereitstellung von Schutz- und Hygienemitteln. Die Nachfrage nach den bereits vorhandenen Soforthilfen ist zudem weiter groß. Bislang seien im Rhein-Kreis Neuss bereits rund 10.000 Anträge bewilligt worden. Im Kreis Viersen waren es 6600, in Mönchengladbach 5700 und in Krefeld und in Krefeld 5200.

Mut machen die ersten Schritte Richtung Öffnung. „Die jetzt erfolgten Lockerungen unter der Prämisse des Infektionsschutzes sind eine gute Nachricht“, sagt Steinmetz. Allerdings benötigten auch Unternehmen, die von den jetzigen Lockerungsmaßnahmen noch nicht profitieren, eine Perspektive, um planen zu können. Denn die fehlende Perspektive schlägt voll durch, insbesondere auf die Liquiditätsplanung. Steinmetz nimmt daher die Politik in die Pflicht: Sie müsse jetzt einen klaren Fahrplan für die Branchen erarbeiten, die derzeit noch nicht öffnen dürfen. „Wir sind der Meinung, dass der Infektionsschutz auch in der Gastronomie und im großflächigen Einzelhandel möglich gewesen wäre“, erklärt Steinmetz. „Die Politik hat sich hier gegen eine Öffnung entschieden, muss jetzt aber sagen, wie sie diese Unternehmen unterstützen wird.“ Dafür bedürfe es klarer Richtlinien, die dann umgesetzt werden können.