Razzia in Neuss: Terrier muss nach Angriff eines Diensthundes eingeschläfert werden

Bei Razzia in Neuss : Terrier wird von Spürhund gebissen und muss eingeschläfert werden

Bei Drogenkontrollen an der Stadthalle hat ein Spürhund der Polizei einen kleinen Terrier totgebissen. Sein Frauchen steht unter Schock. Die Polizei kündigt an, den Vorfall zu prüfen – der Diensthund arbeitet jedoch weiter.

Ilse Trauten kann die schrecklichen Bilder einfach nicht vergessen. Noch immer steht die 75-Jährige unter Schock wegen der schweren Verletzungen, die ihre Hündin Minnie erleiden musste. Nun wartet sie darauf, dass sie die Asche ihres geliebten Yorkie-Mischlings ausgehändigt bekommt. Was war passiert?

Vergangener Freitag, 14.40 Uhr. Ilse Trauten macht sich mit einer Freundin, die auch Hundehalterin ist, auf den Weg in Richtung Rennbahnpark. Die beiden wollen das schöne Wetter genießen, die Hunde an den Schleppleinen laufen lassen. Doch bis zur Rennbahn sollten sie an diesem Tag nicht mehr kommen.

An der Straßenbahnhaltestelle „Stadthalle“ war ein großes Polizeiaufkommen. Die Beamten machten an diesem Nachmittag zum wiederholten Male Drogenkontrollen in dem Gebiet. Oberhalb der Gleise stand ein Polizist mit einem nicht angeleinten Drogenspürhund. „Winnie hat ihn angebellt, das hat sie bei größeren Hunden öfter gemacht“, sagt Ilse Trauten. Dann der Schock: Der Polizeihund läuft über die Gleise auf den Yorkie-Mix zu und wirbelt ihn durch die Luft, zerfetzt ihm mit mehreren Bissen den Bauch. Viel Blut fließt auf den Asphalt. „Sie hat fürchterlich geschrien. Sie hatte keine Chance. Der Hund war viermal so groß wie sie“, sagt die Neusserin. Erst Sekunden später gelang es dem Hundeführer, den Spürhund loszureißen. Doch da war es schon zu spät. Eine Polizistin habe noch versucht, die schlimmen Verletzungen des Hundes zu verbinden. „Auch andere Menschen, die den Angriff gesehen haben, fingen an zu weinen“, sagt die Seniorin.

Die Feuerwehr fuhr Ilse Trauten und ihre Winnie zu einer nahegelegenen Tierärztin. Dort wurde die kleine Hündin schließlich eingeschläfert. Nun soll sie eingeäschert werden und zu Ilse Trauten nach Hause zurückkehren.

In ihrer Wohnung ist die Zuneigung zu Winnie deutlich zu sehen. Unter anderem gibt es ein mit Fotos bedrucktes Kissen und Bilder von Winnie, die mit Kussmündern verziert sind. Vor rund elf Jahren hatte Ilse Trauten den Vierbeiner aus dem Tierheim Bettikum zu sich geholt. Da war das Tier sechs Jahre alt. Im Laufe der Jahre verschlechterte sich Winnies Gesundheitszustand aber zusehends. Unter anderem litt sie unter einem Milztumor sowie einem Leber- und Nierenschaden. „Sie hatte sich aber gerade wieder aufgerappelt. Ich hatte gehofft, dass wir den Frühling noch zusammen genießen können“, sagt die Rentnerin. Rechtliche Schritte gegen die Polizei möchte die Neusserin nicht einleiten, „aber ich hätte gerne eine Entschuldigung“, sagt Ilse Trauten.

Die Polizei bestätigt den Vorfall. Bei dem speziell ausgebildeten Rauschgiftspürhund handele es sich um einen belgischen Schäferhund (Malinois), der von einem erfahrenen Diensthundeführer geführt werde. Bei der Rauschgiftsuche seien Diensthunde in der Regel nicht angeleint, damit sie sich „frei entfalten“ können. Polizeidiensthunde seien in Bezug auf den Leinenzwang von der Landeshundeverordnung ausgenommen. „Polizeidiensthunde legen regelmäßig Prüfungen ab, in denen ihre Fähigkeiten und ihr Verhalten überprüft wird“, sagt Polizeisprecherin Diane Drawe.

Der Diensthund, der Winnie tödlich verletzt hat, sei am Montag von einem Trainer einer andere Behörde gesichtet worden. „Der Schwerpunkt dieser Sichtung lag auf der Fragestellung, wie der Diensthund sich anderen Hunden und auch Menschen gegenüber verhält“, so Drawe. Diese „Tests“ seien bislang alle unauffällig verlaufen. Der Diensthund werde daher weiterhin eingesetzt, dabei jedoch an der Leine geführt.

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