Neuss: Wirtschaft diskutiert beim NGZ-Forum über die Digitalisierung

NGZ-Forum „Zukunft unternehmen“ in Neuss : Digitalisierung braucht Netze – und Kreativität

Auf dem Weg in die Zukunft oder schon abgehängt? Beim NGZ-Forum diskutierten Unternehmer Chancen und Risiken der Digitalisierung.

Herausforderung Digitalisierung – wer sie bestehen will, braucht schnelles Internet per Glasfaser oder Mobilfunk im Echtzeitstandard 5G. Stimmt, reicht aber nicht, wenn sich ein Unternehmen zukunftssicher aufstellen und die Chancen der Digitalisierung nutzen möchte. Im Rahmen der NGZ-Reihe „Zukunft unternehmen“ trafen sich jetzt auf Gut Gnadental Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik zum Erfahrungsaustausch.

Dass die Netzinfrastruktur in der Region weiter ausgebaut werden muss, ist in der Wirtschaft Konsens. „Glasfaser muss zur Grundversorgung gehören wie Wasser oder Strom“, sagt Jutta Zülow, Zülow AG, Gastgeberin auf Gut Gnadental. Unterschiedliche Auffassungen gibt es über den Weg zum schnellen Netz. Dieter Welsink, Medicoreha, fordert ein Eingreifen des Staates, „wenn die Infrastruktur nicht funktioniert“. Das betreffe den Ausbau der Netze, aber auch Strukturen wie die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, in der es über Jahre nicht gelungen sei, in der Digitalisierung voranzukommen: „Im Gesundheitswesen kommunizieren wir noch per Fax – aus vielerlei Gründen, vom Leitungsproblem bis zu Datenschutzfragen.“ Das neue Digitale-Versorgung-Gesetz sei deshalb ein dringend benötigter Schritt, um in diesem Bereich endlich voranzukommen.

Auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke sieht im 5G-Standard und Glasfasernetzen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Region – vor allem dort, wo nach dem Aus für die Braunkohle der Strukturwandel zu bewältigen ist. Der Staat allein könne die nötige Infrastruktur jedoch nicht schaffen, die Telekommunikationskonzerne müssten mit ins Boot. Ankündigungen, 5G zunächst nur in Metropolen auszubauen, sieht er entsprechend kritisch.

Aber auch wenn gebaut wird, um die Netzinfrastruktur zu verbessern, sorgt das nicht immer für ungeteilte Begeisterung; „Wir brauchen schnelle Baugenehmigungen, aber auch eine Akzeptanz von Baustellen“, sagt Stephan Lommetz, Stadtwerke Neuss. Oft seien Bauvorhaben selbst im Umfeld derjenigen, die unmittelbar profitieren, von Protesten begleitet.

Ebenso entscheidend wie die Qualität der Datenübertragung bewerten Unternehmen aber auch die Veränderungen durch Digitalisierung auf Menschen und ihre Arbeitsprozesse, auf Unternehmensstrukturen und die Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen. „Veränderungskompetenz, die Frage, wie veränderungsfähig wir sind“, nennt zum Beispiel Michael Schmuck, Sparkasse Neuss, eine entscheidende Qualifikation im Zeitalter der Digitalisierung. Auch Thorsten Schellenberg, KBHT Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, betont die Bedeutung von Kreativität und Veränderungsbereitschaft: Neue Dienstleistungen und Produkte gelte es bereits jetzt zu entwickeln.

Die RheinLand-Versicherungsgruppe zum Beispiel setzt aufs Lernen auch in Märkten, die Deutschland in Sachen Digitalisierung weit voraus sind: „Wir müssen nach China schauen und in die USA, in Europa auch in die Niederlande.“ Erfolg in der Digitalisierung, sagt Rainer Mellis, Volksbank Düsseldorf Neuss, bedeute aber auch, nicht alles über Bord zu werfen, sondern genau hinzusehen, welche Bedürfnisse Kunden wirklich haben. Und die könnten – zumindest für eine Weile – manchmal sogar noch ziemlich analog sein. Ein Beispiel: die Überweisung per Formular am Schalter, ein Relikt, aber auch eine Dienstleistung, die im Zeitalter der Digitalisierung ihren Wert – und ihren Preis – hat.