Neuss: Weltkriegsbombe in Norf am späten Abend entschärft

2800 Menschen in Neuss von Evakuierung betroffen : Fliegerbombe am Abend in Norf entschärft

Um 21.19 Uhr am Donnerstagabend konnten die Behörden Entwarnung geben: Die Bombe war entschärft. 2800 Menschen kehrten in ihre Wohnungen zurück. Ein Baggerfahrer hatte den Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg an der Vellbrüggener Straße entdeckt.

Bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen „Villa Sophie“ an der Vellbrüggener Straße ist am Donnerstagvormittag ein Baggerfahrer in zwei Metern Tiefe auf eine zehn Zentner schwere britische Fliegerbombe gestoßen. Weil sie mit der Baggerschaufel bewegt worden war, musste sie noch am gleichen Abend entschärft werden. Ein Fall für Jost Leisten vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung, der um 21.19 Uhr Vollzug melden konnte.

Die Sperrzone rund um den Fundort der Bombe wurde abgeriegelt. Foto: Christoph Kleinau

Der Beginn der Entschärfung hatte sich mehrfach verzögert, weil in der Sperrzone immer wieder Menschen ausgemacht wurden, die sich um die behördlichen Anordnungen nicht scherten, sie nicht verstanden hatten, oder sich gewaltsam gegen eine Räumung zur Wehr setzten. Ein solcher Fall von Gegenwehr machte noch um 20 Uhr, als die Entschärfung eigentlich schon beginnen sollte, an der Burgstraße einen Polizeieinsatz nötig. Dabei fiel auf, dass aus dem gleichen Haus noch ein Kranker zu bergen war.

Zwei von insgesamt 200 Helfern: Marlies Bienefeld und Daniel Brandt in der Betreuungsstelle des DRK in der Gesamtschule an der Aurinstraße. Foto: Christoph Kleinau

Der Bombenfund war nach Angaben von Ordnungsdezernent Holger Lachmann eine Überraschung. Bei der Auswertung alliierter Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg habe es zwar zwei Verdachtspunkte am Rand des Baugrundstückes gegeben, doch bei näherer Untersuchung fanden sich dort keine Weltkriegsrelikte. Auf die gefundene Bombe gab es keinen Hinweis.

An der Vellbrüggener Straße in Norf musste eine Weltkriegsbombe entschärft werden. Foto: Stadt Neuss

Jost Leisten, der am Vormittag einen Blindgänger gleichen Kalibers in Kaarst einsammeln aber nicht entschärfen musste, machte nach der Überprüfung der Norfer Bombe ein zufriedenes Gesicht. Der Zustand der Bombe sei „relativ gut“, eine Sprengung oder der Einsatz eines Roboters nicht nötig.

Während Leisten auf seinen Einsatz wartete, lief im Rathaus ein oft erprobter Mechanismus ab: Das DRK wurde beauftragt, eine Notunterkunft an der Aurinstraße einzurichten, wo Einsatzleiter Daniel Brandt und sein Team aber nur rund 25 Gäste betreuen mussten – von möglichen 2800, denn so viele wurden aus dem direkten Umfeld der Bombe entfernt. Straßensperren wurden vorbereitet und Vorkehrungen getroffen, um Busse und Bahnen für die Zeit der Entschärfung zu stoppen. Die A 57 blieb offen.

In vielen Einsätzen dieser Art hätten die Beteiligten große Routine entwickelt, sagt Lachmann. Und schon Anfang Oktober bekommen sie erneut Gelegenheit, ihr Wissen anzuwenden. Ein weiterer Blindgänger wurde schon lokalisiert.

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