Neuss: Christian Lüder ist jetzt im Vorstand der Diakonie im Rhein-Kreis

Wohlfahrtsverband im Rhein-Kreis Neuss : Wechsel an der Spitze der Diakonie

Christian Lüder ist der neue Mann im Vorstand des Sozialverbandes. Am Donnerstag hatte er seinen ersten Arbeitstag.

Christian Lüder hatte am Donnerstag viele Hände zu schütteln – und das obwohl einige der insgesamt rund 50 Mitarbeiter an der Venloer Straße 58 noch im Urlaub weilen. Es gilt jedoch ein süßes Versprechen: „Für alle gibt es Kuchen“, sagt Lüder. Der 49-Jährige startete am Donnerstag seine Vorstandstätigkeit bei der Diakonie des Rhein-Kreises Neuss – und trat damit die Nachfolge von Christoph Havers an, der zum Jahresende altersbedingt aus der mit Bernd Gellrich gebildeten Doppelspitze ausschied. Für Lüder hätte der Übergang nicht nahtloser sein können, war er am vergangenen Montag noch ein letztes Mal für seinen alten Arbeitgeber – als Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Oberberg in Engelskirchen – tätig.

Komplett umstellen muss sich der Uedesheimer allerdings nicht. So muss er sich auch in seiner neuen Funktion unter anderem mit den Themen Pflege oder Fachkräftemangel auseinandersetzen. Auch die Herausforderung, soziale Dienstleistungen wirtschaftlich erbringen zu können, gilt es weiterhin zu bewältigen. Vorfreude herrscht jedoch ebenfalls wegen der vielen neuen Aspekte, die jetzt dazukommen werden – zum Beispiel über die Fülle und Vielfalt von unterschiedlichen Bereichen in verschiedenen Teams: Als Beispiele nennt Lüder Streetwork, betreutes Wohnen, aber auch die vielen Beratungsstellen und die großen Einrichtungen der stationären Altenhilfe. „Zudem befinden wir uns in einer ganz spannenden Phase des Zusammenwachsens“, sagt der studierte Jurist.

Worauf Lüder anspielt: 2018 wurde die Fusion der Diakonischen Werke von Stadt und Rhein-Kreis Neuss vollzogen. Dadurch entstand ein neuer und kreisweit tätiger Wohlfahrtverband mit rund 1200 Mitarbeitern. Das ehemalige Willi-Graf-Haus in der Nordstadt ließen die Verantwortlichen für ihre Zwecke umbauen. Neben Verwaltung und Vorstand werden dort auch die meisten Beratungsangebote gebündelt. „Es gilt, die Mitarbeiter mitzunehmen und eine eigene Identität zu entwickeln“, nennt Lüder eine seiner Aufgaben. Von einem Neustart soll aber keine Rede sein, das bewährte Vorstandsmodell wird fortgeführt. „Ich bin froh, einen erfahrenen Mann wie Bernd Gellrich an meiner Seite zu haben.“

Seinen Vorgänger Christoph Havers kennt er bereits seit seiner Aufsichtsrats-Tätigkeit bei der Diakonie in Neuss, die er seit 2012 ausübte. „Rund 50 Bewerbungen gingen im Zuge der Ausschreibung ein“, sagt Bernd Gellrich. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Gravemann fügt hinzu: „Es ist auf den ersten Blick ungewohnt, dass ein Mitglied des Aufsichtsrates in den Vorstand wechselt – für uns ist es ein seltener Glücksfall, weil wir jemanden vom Fach haben, der die Strukturen kennt.“

Gleichwohl betont Lüder: „Ich muss mich zunächst einarbeiten. Gerade bei so einem großen Werk ist es entscheidend zu verstehen, wie die einzelnen Räder ineinander greifen.“ Über Erfahrungen verfüge er vor allem im administrativen Bereich.

Soviel zu den beruflichen Aspekten, aber was für ein Mensch steckt hinter dem neuen Mann im Vorstand der Diakonie? Wer mit Christian Lüder ins Gespräch kommt, der erfährt: Der 49-Jährige – am Dienstag wird er 50 – ist Deutsch-Amerikaner. Er wurde nämlich in Milwaukee (Bundesstaat Wisconsin) geboren. Der Grund: Sein Vater, der als Maurer arbeitete, wanderte mit 21 Jahren nach Kanada aus. Später lebte die Familie in den USA, ehe ihr Weg nach Köln-Porz führte – damals war Christian Lüder anderthalb Jahre alt. Auf die Zeit bei der Bundeswehr folgten ein Jurastudium in Bielefeld und das Referendariat in Aachen. Nachdem er fünf Jahre lang bei der Krankenhausgesellschaft NRW in Düsseldorf als Referent für Rechts- und Vertragswesen arbeitete, war er ab 2005 für zwei unterschiedliche Krankenhausträger tätig. Geschäftsführer in Engelskirchen war er seit 2018. Im April wären es zwei Jahre geworden.

Wer sich ein wenig länger mit dem dreifachen Vater unterhält, der mit einer Grundschullehrerin verheiratet ist, der erfährt von einer Leidenschaft, die auf den ersten Blick gar nicht zu ihm passt. So fährt der Musikfan jedes Jahr mit Freunden zum Hurricane-Festival, das auf der Motorrad-Sandrennbahn Eichenring bei Scheeßel (zwischen Bremen und Hamburg) stattfindet. Genächtigt wird aber nicht etwa im Hotel – sondern im Zelt! Die gute Nachricht für die Diakonie: Lüder plant langfristig, denn er möchte es seinem Vater nicht gleichmachen und in die USA beziehungsweise nach Kanada auswandern. Auch wenn er vor Kurzem das erste mal ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ reiste – damals ging es jedoch nach New York und nicht nach Milwaukee, das 1178 Kilometer Luftlinie entfernt liegt.