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Neuss: Neuss bleibt Bahn-Provinz

Neuss : Neuss bleibt Bahn-Provinz

Ein Fernzug hält freitags und sonntags im Neusser Hauptbahnhof – ansonsten dominiert der Regionalverkehr. Ähnlich ist es in Mönchengladbach und Krefeld. Die IHK beklagt: Der Linke Niederrhein wird nicht einmal gehört.

Ein Fernzug hält freitags und sonntags im Neusser Hauptbahnhof — ansonsten dominiert der Regionalverkehr. Ähnlich ist es in Mönchengladbach und Krefeld. Die IHK beklagt: Der Linke Niederrhein wird nicht einmal gehört.

Der Versuch mit einer ICE-Verbindung von Neuss in die Messestadt Leipzig wurde eingestellt, als einzige Fernverbindung halten Freitag 13.03 Uhr ein IC von Berlin und Sonntag 17.52 Uhr ein IC nachBerlin im Neusser Hauptbahnhof. Wenn sie halten — in diesen Wochen werden die Neusser Stopps baustellenbedingt einige Male gestrichen. Alle Versuche, diesen Provinz-Status zu ändern, schlugen bisher fehl.

Doch insbesondere die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein gibt nicht auf. Kämpfer in vorderster Linie ist der Geschäftsführer Standortpolitik, Bernd Neffgen. Er beklagt: "Der Linke Niederrhein wird einfach nicht gehört und bei Planungen nicht berücksichtigt."

Dabei ist die Lage für Neuss weniger prekär als für Krefeld und insbesondere Mönchengladbach — zwei Großstädte, die bis vor kurzem komplett vom Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn abgekoppelt waren. Neffgen: "Neuss profitiert von der unmittelbaren Nähe zu Düsseldorf."

"Komfortable Situation"

Das sieht auch der Neusser Bürgermeister Herbert Napp so: "Vieles für Neuss wäre bei der Schienenanbindung wünschenswert. Aber durch die Nähe zu den Knotenpunkten Düsseldorf und Köln sind wir in einer komfortablen Situation."

Ähnlich Udo Kampschulte, Sprecher der Deutschen Bahn AG für NRW: "Neuss ist hervorragend an Düsseldorf und Köln angeschlossen. Da besteht kein Bedarf für eine eigene Linie." Das sieht Bernd Neffgen anders und hat dabei den gesamten Wirtschaftsraum der IHK Mittlerer Niederrhein vor Augen: "Die direkte Anbindung an den Schienen-Fernverehr ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region.

Die Großstädte am Linken Niederrhein sind davon abgeschnitten." Und haben laut IHK-Geschäftsführer nicht einmal die Gelegenheit gehabt, Ansprüche zu stellen. Zum Beispiel beim Rhein-Ruhr-Express (RRX), dem jetzt mit dem Rückzug des Bundes aus der Finanzierungdas Aus droht. Neffgen: "Bei dieser Verbindung zwischen Köln und Duisburg wäre eine Verschwenkung in den Linken Niederrhein nach Mönchengladbach und Krefeld und einem grenzüberschreitenden Verkehr in die Niederlande möglich gewesen. Aber wir wurden nicht einmal gehört"

Im Gegensatz zu anderen Städten wie Dinslaken, Koblenz und Aachen. Neffgen resignierend: "Offenbar hat die Bahn andere Zielfindungssysteme." Neue ICE-Linien wird es laut Bahn nicht geben, allenfalls werden vorhandene Strecken modifiziert. Dennoch sieht Neffgen Chancen für Neuss mit dem Projekt U 81, mit dem die Düsseldorfer Messe und der Flughafen besser angebunden werden sollen. Die entsprechende Machbarkeitsstudie soll Anfang 2012 vorliegen. Zurzeit wird das Potenzial für diese Strecke ermittelt.

(NGZ)