Neuss: Beate Kortländer hat den Neubeginn als Designerin gewagt

Designerin kommt aus Neuss : Zum ersten Mal in Bochum beworben und gleich den Design-Preis bekommen

Nach 26 Jahren als Ärztin hat Beate Kortländer einen neuen Weg eingeschlagen, ist nach Italien gezogen, wo sie eine große Werkstatt hat, in der vor allem handgeknüpfte Teppiche entstehen.

Vor rund fünf Jahren hat sie alle Brücken hinter sich abgebrochen. Naja, nicht alle, denn Beate Kortländer hat immer noch eine kleine Wohnung in Grimlinghausen, kommt schon wegen der Familie (zwei erwachsene Kinder) immer wieder gern zurück nach Neuss. Aber sie hat 2014 gemacht, wovon viele andere träumen: nämlich ein neues Leben anzufangen, in Italien, in einem neuen Haus mit großer Werkstatt, in der sie nun ausschließlich macht, was sie schon immer fasziniert hat – kreativ arbeiten. Jüngst wurde ihr Mut mit dem Bochumer Design-Preis belohnt. Sie bekam die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung für einen runden Teppich (1,90 Meter Durchmesser) aus industriellem Recyclingwollfilz, den sie von Hand verknüpft hat.

25 Jahre lang war Beate Kortländer als Ärztin in Neuss tätig. Anfangs bei der Augustinus-Gruppe und danach im Lukaskrankenhaus, dann als niedergelassene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. „Meine Leidenschaft war es schon immer, mit Holz zu arbeiten“, sagt die 63-Jährige, „eine kleine Werkstatt hatte ich dafür, die ich aber immer nur nach der Arbeit in der Praxis nutzen konnte.“ Bestimmte Formen von Teppichen habe sie im Kopf gehabt, Flechttechniken ausgedacht und Möbel entworfen. Damals wohnte sie mit ihrem Mann, dem Künstler Michael Kortländer, mit dem sie 30 Jahre verheiratet war, auf Schloss Selikum, mag zwar gute Bedingungen gehabt haben, aber fand es auch nicht einfach, ihre künstlerischen Ambitionen mit einer so „starken Persönlichkeit“ wie ihrem Mann auszuleben.

Beate Kortländers Teppich, für den sie 1300 Teile Industriefilz von Hand verknüpft hat, wurde von der Bochumer Designmesse angekauft. Foto: Kortländer

Erst der Tod ihrer jüngeren Schwester habe sie wachgerüttelt, sagt sie. „Ich war einigermaßen jung und vor allem noch leistungsfähig, habe mich entschlossen, neu anzufangen.“ Italien wurde es, weil „ich auch räumlich den Abstand brauchte.“ Dafür gab sie eine eigene Praxis in der Neusser Innenstadt auf, kaufte zusammen mit ihrem Lebensgefährten – seit 2003 sind die beiden zusammen – ein Haus am Comer See und richtete sich dort eine große Werkstatt ein. Was sie heute mit einer Zufriedenheit erfüllt, die in jedem Wort mitschwingt.

Dass sie nun sogar noch einen Design-Preis bekommen hat, ist dabei die Sahne auf dem Kuchen. „Ich habe es einfach versucht“, sagt sie lachend, „mich beworben und war völlig überrascht, als mir der erste Preis zugedacht wurde.“ Zwar konnte sie ihre Produkte gut verkaufen, aber hatte nie über deren Preiswürdigkeit nachgedacht.

Beate Kortländer arbeitet schon länger mit Filz („aber nicht mit Seife, Wasser und meinen Händen!“), hat in Wuppertal ein Unternehmen gefunden, dass sie mit Restbeständen versorgt und auch mit dem Werkzeug, das sie für die Verarbeitung braucht. Industriell gefertigter Filz ist das Material, mit sie am liebsten arbeitet. „Er wird als Dämmmaterial eingesetzt“, erklärt sie, „auch für Autos oder Trompetenklappen.“ Das, was dabei abfällt, landet schließlich in ihrem Atelier – wie das Material für das runde Teppich-Unikat, für das sie 1300 Teile „wie Knöpfe durch einen Schlitz gezogen“ und so miteinander verflochten hat.