Neuss: Neuss 4.0 - so digital ist die Stadt

Neuss : Neuss 4.0 - so digital ist die Stadt

Wenn das Internet Neuland ist, dann ist Neuss auf zarter Entdeckungstour. Die Stadt hat erste digitale Dienstleistungen eingerichtet, schickt Nachrichten an gut 500 Follower bei Twitter, arbeitet am Breitband-Ausbau und prüft freies W-Lan.

Nie mehr Behördengänge? Kein Besuch mehr auf dem Amt? Klingt verlockend, ist aber eine noch ferne Zukunftsvision. Digitale Dienstleistungen werden trotzdem auch in der Stadt immer mehr angeboten. So digital ist Neuss. . .

Elektronische Dienstleistungen Wer etwas von der Stadt will, muss sich in den meisten Fällen noch Zeit für den Gang zum Amt nehmen. Das E-Government-Gesetz fördert aber die elektronische Kommunikation mit dem Bürger. Dies ist in Neuss über die Virtuelle Poststelle (VPS) möglich. Das ist ein Posteingang für rechtsverbindliche Mitteilungen und Dokumente, die elektronisch an die Verwaltung geschickt werden. Der Absender braucht dafür aber eine Signaturkarte und ein Kartenlesegerät. Weitere digitale Dienstleistungen der Stadt sind der Kita Navigator (Eltern können sich über Einrichtungen informieren und direkt einen Platz online vormerken), die E-Vergabe (Unternehmen erhalten Ausschreibungsunterlagen, die einfach verarbeitet werden können) und die elektronische Mängelkarte bei Dreck oder Schäden im Stadtbild. "Vieles ist schon gut aufbereitet", sagt der Stadtverordnete Thomas Kaumanns (CDU), Experte für Digitales. "Aber es besteht auch noch großer Ausbaubedarf." Warum, so Kaumanns, solle es zum Beispiel nicht möglich sein, Anwohnerparkausweise online zu bestellen und auch zu bezahlen? Warum soll das gleiche irgendwann auch nicht mit der Beantragung neuer Personalausweise funktionieren? Bauanträge? Oder umgekehrt: Elektronische Knöllchen? Und Steuerbescheide für Grundbesitz oder Hunde? "In zehn oder 15 Jahren wird es das Bürgeramt nicht mehr in dem Maße geben, wie wir es heute kennen", glaubt Kaumanns.

Soziale Netzwerke Die Stadtverwaltung freute sich neulich über den 500. "Follower" (übersetzt: Folgende, also Nachrichten-Abonnenten) im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Wenn die Stadt dort heute eine Nachricht loslässt, erreicht dies mittlerweile 532 Menschen. Im sozialen Netzwerk Facebook hat die Stadt Neuss immerhin knapp 41 000 Fans - mehr als die Skihalle und das Rheinpark-Center zusammen. Bei den Parteien ist die CDU vorn mit einer Reichweite von 822 Followern (aber: nur ein Tweet pro Monat), die SPD erreicht gerade einmal 126 Nutzer (twittert etwas mehr). Die internetaffine Piratenpartei hat 371 Follower um sich geschart. Der Twitter-König aus Neuss ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (23 700) vor dem Rapper MaximNoise mit 7281 Followern.

Breitband-Ausbau Im Dezember hatte die schwarz-grüne Koalition im Rat durchgebracht, den Breitbandausbau in Neuss zu beschleunigen. Dafür sollen in diesem Jahr Berater für rund 20 000 Euro engagiert werden, die Bürger und Unternehmen in den Ortsteilen befragen, ein Markterkundungsverfahren starten sowie Anbieter und Technologien geprüft werden. Die Berater sollen dann im Rat ihre Erkenntnisse darüber vortragen, wie der Breitband-Ausbau in den Ortsteilen beschleunigt werden kann. Wie teuer das ab dem folgenden Jahr werden kann, ist noch nicht zu beziffern.

Öffentliches W-Lan Der Verein Freifunk hat erste öffentliche Zugangspunkte (so genannte Router) installiert. Die schwarz-grüne Koalition hat nun einen Antrag verabschiedet, die Stadtverwaltung solle prüfen, städtische Kapazitäten für solche öffentliche Router zur Verfügung zu stellen. Sei es nur räumlich oder sogar mit städtischem W-Lan gespeist. Juristen wollen vorher aber noch die Haftungsfrage geklärt wissen.

(NGZ)
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