Neuss: Auftragsarbeit für das Neusser Globe

Neuss : Auftragsarbeit für das Neusser Globe

Zum 25-Jährigen des Shakespeare-Festivals gibt es erstmalig eine Produktion, die für das Globe erarbeitet wurde. Wenn es nach Festivalleiter Rainer Wiertz geht, soll das in den nächsten Jahren noch öfter geschehen.

Neuss 25 Jahre Shakespeare-Festival, 25 Jahre das Programm gestaltet - aber mit Produktionen, die für andere Theater entstanden sind. Zum Jubiläum wird nun verwirklicht, womit Festivalleiter Rainer Wiertz in der Vergangenheit allenfalls geliebäugelt hat: Zum ersten Mal gibt es eine Auftragsproduktion (in englischer Sprache) im Globe.

Derartiges hat das Budget bislang nie hergegeben, aber in der Korrespondenz mit einem der Künstlerfreunde des Globe, so erzählt Wiertz, habe sich die Chance ergeben, und er konnte auch das NRW-Kulturministerium als Geldgeber überzeugen. Für die Jubiläumsausgabe gibt es gar ein Motto: "Ein Festival für Freunde". Wiertz hat viele alte Globe-Hasen unter den Regisseuren angeschrieben und "viele erstaunliche Antworten" bekommen, wie er sagt. Einiges musste gar auf der Liste für das Festival im nächsten Jahr geschoben werden.

Mehr mag er jedoch nicht verraten, denn in einem Punkt bleibt Wiertz eisern: Das Programm hat seinen Stichtag, der ist dieses Jahr der 27. Februar. Aber so viel sagt er dann doch: Mit Inszenierungen, die auf das Globe zugeschnitten sind und dort ihre Premiere haben, würde er "gerne in loser Folge" weitermachen.

Beim Start des Festivals im an der Rennbahn aufgestellten Globe-Nachbau hatte der heutige Kulturreferent nicht viele Möglichkeiten. Eigentlich nur eine: Die Bremer Shakespeare Company, vom Neusser Schauspieler Norbert Kentrup gegründet, war 1991 erster und einziger Gast im Globe. Seitdem ist viel passiert. Companys aus aller Welt geben sich die Klinke in die Hand, Rund 600 Vorstellungen von etwa 270 Produktionen vor fast 250 000 Zuschauern sind über die Bühne des Globe gegangen. Aber das heißt nicht, dass auch alle 36 Stücke Shakespeares in Neuss schon zu sehen waren.

Das aber ist ein Ziel, dass Rainer Wiertz gerne erreicht haben möchte, wenn er die Leitung des Festival irgendwann in andere Hände gibt. Und er weiß auch genau, wo die Defizite zu suchen sind: bei den Königsdramen von Shakespeare. Richard II., Heinrich IV. oder Heinrich VI. in richtigen Inszenierungen - die stehen noch auf seiner Wunschliste für die nächsten Jahre. Umgekehrt gibt es Stücke, die ständig und immer wieder zu sehen sind. Zweifellos gehört dazu "Ein Sommernachtstraum" oder auch "Romeo und Julia". Für Wiertz, der in Festivalzeiten jeden Tag am und im Globe anzutreffen ist, gibt es jedoch kein Stück Shakespeares, an dem er sich schon satt gesehen hat. Aber er hat seine Lieblinge. "Twelfth Night" zum Beispiel. "Was ihr wollt" ist für ihn der "schönste Komödientext". Egal, woher er komme. Von den Tragödien mag er besonders "Othello": "Schon wegen des vielschichtigen Jago".

Wiertz weiß, dass die "vielen verschiedenen Segmente" des Publikums bedient werden müssen. Gleichwohl gibt er auch bisschen stolz zu, dass sich das Festival sein Publikum über die vielen Jahre erarbeitet hat. "Heute sind englische Produktionen nicht weniger beliebt als deutsche", sagt er, "heute werden auch experimentelle und zeitgenössische Inszenierungen angenommen." Das war keineswegs immer so. Um so erstaunlicher sei es, sagt Wiertz, dass seine Programme bisher "konfliktfrei" funktioniert hätten. In der Vielfalt des Programms mit im Schnitt 15 Produktionen in vier Wochen findet mittlerweile jeder seine.

Und welche Truppe hätte er gerne mal beim Festival dabei? Rainer Wiertz überlegt nicht lange: "Die englische Truppe Cheek by Jowl von Declan Donnellan, die ist so toll." Immer wieder habe er versucht, sie nach Neuss zu holen, "aber sie ist beinhart, was die technischen Anforderungen betrifft". Diese, so bedauert er, lassen sich im Neusser Globe nicht erfüllen.

(NGZ)
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