Neuss: SWN-Kunde kämpft seit zehn Jahren für transparente Abrechnungen

Neuss : SWN-Kunde kämpft seit zehn Jahren für transparente Abrechnungen

Aus Protest hält Heinz-Jürgen Widler jährlich eine Monatsrate zurück. Stadtwerke kontern: Abrechnungen sind nach Recht und Gesetz.

Seit zehn Jahren führt Heinz-Jürgen Widler (73) seinen Kampf mit den Stadtwerken Neuss (SWN). Dem kommunalen Versorger wirft er intransparente und zum Teil auch fehlerhafte Energie-Abrechnungen vor. Als Antworten und Reaktionen der SWN ihn nicht überzeugen konnten, begann er im Februar 2005, die elfte der jährlich zwölf Monatsraten einzubehalten. Das Geld, inzwischen rund 3000 Euro, habe er auf einem separaten Konto geparkt, sagt er. Seither lege er gegen die abschließend vorgelegten Jahresrechnungen Widerspruch ein. Kurz vor der Verjährung der Rechnung folge eine gerichtliche Mahnung, der er erneut widerspreche. Dann höre er, so Widler, von den Stadtwerken nichts mehr. Seit vielen Jahren gehe das jetzt schon so. Ende offen.

Nach Einschätzung von Widler wollen die Stadtwerke das Thema aussitzen: "Wer mir zehn Jahre nicht ans Leder will, der hat etwas zu verbergen." Dabei betont Widler, dass er grundsätzlich bereit sei, seine SWN-Rechnungen zu bezahlen: "Aber ich erwarte, so wie es der Gesetzgeber vorschreibt, nachvollziehbare Abrechnungen." Es könne nicht sein, dass er als Kunde darauf vertrauen müsse, dass der Versorger eine korrekte Rechnung ausstellt.

Was werfen Energiepreis-Kritiker wie Widler den Stadtwerken vor? Widler nennt ein Beispiel. So wehrt sich der heutige Ruheständler und frühere Techniker unter anderem dagegen, dass Verbrauchsmengen mit Hilfe eines Umrechnungsfaktors in Kilowattstunden ausgewiesen werden, obwohl die Zählerstände in Kubikmeter schriftlich vorliegen. Damit werde ihm die Möglichkeit genommen, schnell und unmissverständlich Preise zu vergleichen. Auch würden Umrechnungsfaktoren verändert. Aus welchem Grund, bleibe unklar.

Er fühle sich als Verbraucher allein gelassen, sagt Widler. Seine Unterlagen habe er den Verbraucherberatungen zur Verfügung gestellt, aber keine Reaktion erhalten. Die Staatsanwaltschaft sei zu dem Schluss gekommen, dass das Verfahren der SWN nicht von Strafe bedroht sei. Einen Spruch der Schlichtungsstelle in Berlin habe er abgelehnt. Grund: "Es wurden nur die unwichtigen Punkte angefasst und geprüft, nicht die heißen Eisen."

Und was sagen die Stadtwerke? Ein Sprecher bestätigt die jahrelange Auseinandersetzung mit Heinz-Jürgen Widler. Da die Abrechnungen korrekt und nach Recht und Gesetz erstellt würden ("Alle, die Herr Widler in der Sache angerufen hat, haben unsere Auffassung im Kern bestätigt"), sei eine Einzelmeinung kein Grund für eine Umstellung des Abrechnungswesens. Warum leiten die Stadtwerke keine rechtlichen Schritte ein? "Kein Kommentar zu einem schwebenden Verfahren."

(NGZ)
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