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100 Jahre Lukaskrankenhaus: „Lukas“ investiert weiter

100 Jahre Lukaskrankenhaus : „Lukas“ investiert weiter

Im Interview spricht Thomas Nickel, Verwaltungsratsvorsitzender der städtischen Kliniken, über die Anstrengungen, die erforderlich sind, das Lukaskrankenhaus in eine gute Zukunft zu führen.

Herr Nickel, das Lukaskrankenhaus wird 100 Jahre alt – ein stolzes Jubiläum ...

Thomas Nickel ... das aber nur eine kleine Zeitspanne der öffentlichen Gesundheitsvorsorge in Neuss benennt. Das Lukaskrankenhaus ist die älteste noch bestehende städtische karitative Einrichtung in der Stadt. Ihre Wurzeln reichen bis in das Jahr 1320 zurück.

Das Krankenhaus wurde vom Orden der Neusser Augustinerinnen gegründet. Wie katholisch, wie christlich ist das "Lukas" heute noch geprägt?

Nickel Wir haben es hier mit einem urchristlichen Gedanken zu tun: Für Bürger und Reisende, die erkrankt sind, steht eine Herberge offen, wo sie sich erholen können. Das ist Dienst am Nächsten, so wie wir es aus der Bibel durch die Geschichte vom barmherzigen Samariter kennen. An der grundsätzlichen Ausrichtung hat sich nichts geändert: Es geht um das Aufnehmen von Kranken, die sich bei uns wohlfühlen sollen, denn Menschen, die Zuwendung erfahren, genesen schneller. Dass wir dabei modernste medizinische Erkenntnisse und Technologie in Prävention, Diagnostik und Therapie einsetzen, ist selbstverständlich.

Medizinischer Fortschritt hat auch kürzere Verweildauer der Patienten zur Folge. Ist das Fluch oder Segen für die Krankenhäuser?

Nickel Zunächst ist das für die Patienten gut, die zum Beispiel nach einem heute möglichen minimal invasiven Eingriff sehr schnell wieder mobil sind. Wir entlassen, so bald es das Krankheitsbild zu lässt. Außerdem ist es falsch, wenn geglaubt wird, dass ein Krankenhaus viel verdient, wenn der Patient möglichst lange bleibt.

Kürzere Verweildauern führen dazu, dass Patienten mehr häusliche Pflege benötigen, was zum Beispiel in Single- Haushalten oftmals nicht möglich ist. Wie lösen Sie das Problem?

Nickel Die Pflege auf Zeit, die oft gerade auch junge Leute benötigen, ist in der Tat für uns eine Herausforderung. Wir können uns entsprechende Angebote als Sparte eines Alten- oder Pflegeheims gut vorstellen. Auch in dieser Frage ist wieder der Gedanke der Herberge mit Pflege aktuell, ja, er ist zeitlos.

Das hört sich so an, dass Sie die Pflege auf Zeit beim Herz-Jesu- Heim andocken wollen, das neu in den Lukaskrankenhaus- Verbund gekommen ist?

Nickel Ja, das würde Sinn machen. Am 30. Juni hat die Gesellschafterversammlung zugestimmt.

Das Herz-Jesu-Heim wird rückwirkend in die Krankenhaus GmbH integriert. Was erwarten Sie von dieser Integration?

Nickel Über die Möglichkeiten, die sich bei der Pflege auf Zeit eröffnen, haben wir bereits gesprochen. Und mit Blick auf die Finanzen bin ich einmal optimistisch: Wir werden das Herz-Jesu vermutlich schon im laufenden Jahr aus den roten Zahlen herausführen – ohne dass wir die Standards absenken.

Das Jubiläum fällt in eine Zeit, in der die Jahre Bauarbeiten dem Ende zu gehen. Folgt jetzt eine Phase der Ruhe?

Nickel Das Krankenhaus ist wie der Kölner Dom – beide werden nie ganz fertig. Wir müssen und wir werden auch künftig wie in der Vergangenheit kräftig investieren, damit wir unser Haus auf dem modernsten Stand halten. Richtig ist aber, dass wir nach den finanziellen Kraftanstrengungen der vergangenen Jahre nun erst einmal Luft holen werden, denn 60 Prozent der Investitionen finanzieren wir selbst.

Das Neusser Lukaskrankenhaus ist sukzessive saniert und modernisiert worden. Wäre ein Neubau nicht sinnvoller als diese "Dauerbaustelle" gewesen?

Nickel Die Entscheidung, am Standort in die Substanz zu investieren, war richtig. Gerade läuft der letzte Bauabschnitt. Kinderklinik und der Hals-Nasen-Ohrenbereich werden in das Haupthaus integriert. Das Kostenvolumen beträgt 22,2 Millionen Euro. Dann ist die grundlegende Erneuerung aber abgeschlossen.

Zu den neuen Errungenschaften gehören die Radiologie und die Nuklearmedizin ...

Nickel Richtig. Auf die sind wir stolz. Als wir uns für den Aufbau der Radiologie und der Nuklearmedizin entschieden, mussten wir nicht nur in moderne Technologie investieren, sondern wir mussten den neuen Fachbereichen auch neue Räume zur Verfügung stellen. Wir haben 9,2 Millionen Euro in den Aufbau dieser beiden Fachbereiche gesteckt.

Eine gewaltige Summe. Alle reden vom Ärztemangel – Sie am "Lukas" auch?

Nickel Wir haben alle Stellen besetzt. Dafür gibt es aus meiner Sicht drei gute Gründe: Erstens die zentrale Lage, zweitens die Top-Ausstattung des Hauses und drittens ist das "Lukas" ein Lehrkrankenhaus der Universität Düsseldorf.

Das Lukaskrankenhaus wird 100 Jahren alt. Erhält es von der Neusser Bevölkerung auch die Anerkennung, die es verdient?

Nickel Die Neusser sind stolz auf ihr "Lukas" und wissen, welche hohe Bedeutung das Krankenhaus für die Gesundheitsvorsorge in und um Neuss besitzt. Die Infrastruktur ist vorzeigbar, die technische Ausstattung hervorragend und das Ärzteteam ist hoch kompetent mit Chefärzten, die in ihren Fachdisziplinen zu Recht als Kapazitäten gelten und auswärtige Patienten anlocken.

Das war nicht immer so. Sie gehörten bereits dem Verwaltungsrat an, da befand sich das Lukaskrankenhaus noch im Imagetief ...

Nickel ... und hat sich durch überzeugende Arbeit verdient ins Stimmungshoch gearbeitet. Wir haben führende Chefärzte, die auch in der Forschung Großes leisten. Wir sind am "Lukas" sehr gut aufgestellt – auch mit Blick in die Zukunft. Dafür danke ich allen, die "Lukas" sind.

Ludger Baten führte das Gespräch