Neuss: Kunstwerk an der Hauswand

Neuss : Kunstwerk an der Hauswand

Der polnische Wandmaler Mariusz Waras, bekannt unter dem Namen m-city, bemalt eine meterhohe Hauswand am Hamtorwall. Die Aktion wurde durch ein Zusammenspiel mehrerer Institutionen möglich.

Wenn es nach dem Künstler geht, muss von der Sache kein großes Aufhebens gemacht werden. Der polnische Wandmaler m-city, mit dem richtigen Namen Mariusz Waras, besprüht eine drei Stockwerke hohe Hauswand in Neuss auf rund 100 Quadratmeter mit einem komplexen Bild von einem Taucher — na und?

So ähnlich hat er das doch schon in etlichen anderen Großstädten getan. 200 Mal genauer gesagt, in Berlin, Paris, Mexico City, London, Prag ... Für den 34 Jahre alten Künstler aus Danzig mag es einfach eine Arbeit sein — für Neuss ist sie ungewöhnlich und besonders.

Dass die Aktion überhaupt möglich wurde, dass aus einer vormals unansehnlichen Hauswand ein Kunstwerk gemacht werden kann, ist einer konzertierten Aktion zu verdanken. Angefangen hat es mit der Idee des städtischen Kurators Klaus Richter an der Alten Post, den Künstler zu einer Ausstellung ins Kulturforum einzuladen. Weil Waras aber vor allem großformatig arbeitet, entstand zeitgleich der Gedanke, ihm eine große Fläche für ein bleibendes Kunstwerk im Straßenbild anzudienen.

Richter sprach die Bürgerstiftung Bü.Ne an; die vermittelte über andere Wege den Kontakt zum Eigentümer des Hauses Hamtorwall 44, Robert Carthaus, und der wiederum war "ganz begeistert", wie Klaus Richter erzählt. Vor allem, weil das Motiv mit dem Taucher den passionierten Segler auf Anhieb überzeugte. Die Grundierung der Hauswand mit einem leichten Grau wie überhaupt die ganze Kunstaktion wird auch mit Hilfe des Polnischen Instituts in Düsseldorf sowie des Landeskulturprojektes "Polen in NRW: Klopstanga" finanziert; Förderer wie Gerüstbau Kaiser liefern Sachspenden.

Den Entwurf für sein Wandbild hat Waras noch am heimischen Computer gemacht. Mit Motiven, die nur in seinem Kopf existieren und von einer komplexen Bilderwelt zeugen. Denn sein Taucher setzt sich zusammen aus Versatzstücken, die auch mal eine Eisenbahn zeigen, ein Schiff oder Fische mit Sägezahnumriss, die an den Beinen des Tauchers knabbern.

Waras ist fasziniert von Stadtlandschaften und technischen Welten, die er holzschnittartig mit der Sprühflasche abbildet und dem Betrachter damit viel zu entdecken geben. Zig Schablonen hat Waras aus den Skizzen in seinem Atelier entwickelt. Stück für Stück legt er sie an, sprüht oder malt sie aus. Danach sind sie für ihn nur noch Abfall, so dass jedes Mal ein Original entsteht, das es so nirgendwo sonst geben kann.

Heute wird man Waras noch bei seiner Arbeit zusehen können. Morgen schon soll das ganze Bild fertig sein, und am Montag wird das Gerüst abgebaut.

(NGZ/rl)
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