Neuss: Salafisten dürfen keinen Koran-Stand aufbauen

Neuss : Salafisten dürfen keinen Koran-Stand aufbauen

Die umstrittene Koran-Verteilungs-Aktion wird es am Wochenende in der Neusser Innenstadt wohl nicht geben. Wie die Stadt Neuss erklärte, lag bis Freitag noch kein Antrag für einen Stand der Aktion "Lies!" vor. Laut Stadtsprecher Sascha Severin wäre ein solcher Antrag vom Ordnungsamt auch abgelehnt worden.

"Wegen des Landtagswahlkampfes sind sämtliche Flächen in der Innenstadt belegt. Es gibt keinen Platz mehr." Im Internet hingegen tauchte ein klar definierter Standort in der Neusser Innenstadt in einer Liste auf, in der alle deutschen Städte aufgeführt sind, in denen Salafisten am Wochenende den Koran verteilen wollen. Darunter sind zehn Städte aus Nordrhein-Westfalen.

Mit dieser Aktion will der Kölner Geschäftsmann Ibrahim Abou-Nagie alle 25 Millionen deutschen Haushalte mit dem Koran versorgen. Das sorgte in den vergangenen Tagen bundesweit für Diskussionen.

Einen Stand — die Internetseite der Aktion liefert eine genaue Anleitung dafür — dürfen die Salafisten am Samstag in Neuss zwar nicht aufbauen. Allerdings könnten sie den Koran auch ohne Stand verteilen. Dafür ist laut Ordnungsamt keine Genehmigung erforderlich.

Es wäre nicht die erste Verteilaktion in Neuss: Ein Video auf der Internetplattform "Youtube" belegt, dass die Salafisten bereits im vergangenen Dezember den Koran in der Neusser Innenstadt verteilten —und zwar mit Informationsstand. Laut Stadtsprecher Sascha Severin war dafür aber keine Genehmigung beantragt und folglich auch nicht erteilt worden.

Dass der Initiator der "Lies!"-Aktion, Ibrahim Abou-Nagie in Neuss kein Unbekannter ist, zeigt ein weiteres Internet-Video auf "Youtube". Dort führt der Mann, den der Verfassungsschutz als einflussreichen Salafisten-Prediger einstuft, einen 16-Jährigen, der in dem Video "Dennis" genannt wird, in den Islam ein. Dabei handelte es sich um ein Seminar in einer Moschee in Neuss-Weckhoven.

(ila)
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