Spaziergang durch Schaephuysen : Jung trifft Alt – Leben auf dem Dorf

Franca del Ben und Theo Barz trennen 53 Lebensjahre, dennoch teilen sie eine große Gemeinsamkeit: die Liebe für ihren Wohnort Schaephuysen. Nach dem Motto „Jung trifft Alt – Leben auf dem Dorf“ zeigen die beiden ihren Wohnort aus den verschiedenen Perspektiven.

Treffpunkt ist die Kirche in Schaephuysen. Direkt dort befindet sich auch eine Bushaltestelle. Wie sieht es aus mit dem Öffentlichen Personennahverkehr, wollen wir wissen? Franca del Ben besucht die Liebfrauenschule in Geldern. Um dorthin zu gelangen, fährt die 16-Jährige zunächst mit dem Bus nach Aldekerk. Von dort geht es mit dem Zug weiter nach Geldern. Gut 30 Minuten dauert die Fahrt. Für Franca kein Problem: „Das klappt ganz gut, ich bin eigentlich ganz zufrieden und froh, dass hier überhaupt noch Linienbusse fahren.“ In anderen vergleichbar kleinen Orten sei das nicht so, da fahre gar nichts. Und wenn der Bus doch mal nicht kommt, wenn man ihn braucht, gäbe es ja immer noch den Taxibus oder eben die Mitfahrerbänke. „Das funktioniert gut“, berichtet Franca. „Man setzt sich hin und wenn jemand vorbeikommt, der in die gewünschte Richtung fährt, kann er die Person mitnehmen.“ Theo Barz benutzt den ÖPNV nur selten. Der 69-Jährige wohnt im Außenbereich von Schaephuysen. Prinzipiell würden die Busse aber auch von vielen älteren Personen genutzt werden. „Ich denke, dass wir hier in Schaephuysen im Verhältnis zu der Größe des Ortes ganz gut aufgestellt sind in Sachen Nahverkehr“, so Barz.

Zum Thema Nahversorgung sind sich die Franca del Ben und Theo Barz einig. Der Edeka-Markt bietet die Möglichkeit, sich mit den alltäglichen Lebensmitteln zu versorgen. „Da wird auch ein Lieferservice angeboten, was für ältere Menschen eine gute Sache ist“, so Barz. „Und dann gibt es ja noch unser Büdchen, da gibt es das weltbeste Eis“, ergänzt Franca.

Ein beliebter Treffpunkt für junge Leute ist die Hauser’s Kiesgrube. „Hier kommen auch Leute aus Vluyn und Geldern her“, so Franca. Theo Barz wirft ein, dass dies gleichzeitig auch ein leidiges Thema sei. „Das Gebiet ist Landschaftsschutzgebiet, trotzdem nutzen viele Motocrosser die Kiesgrube zur Ausübung ihres Sports. Das ist eigentlich verboten.“

Neben dem AWO Bahnhof und den Vereinen gäbe es im Ort kein so großes Angebot für junge Leute, berichtet Franca. Sie ist Mitglied der Jugendfeuerwehr und bei den Pfadfindern Rheurdt. „So etwas wie die Rheurdter Pfadfinder bräuchten wir hier auch“, so Barz. „Früher gab es hier mehr für junge Menschen, zum Beispiel eine große Jugendgruppe der katholischen Gemeinde. So was vermisse ich heutzutage.“ Für Senioren hingegen gäbe es viele Freizeitangebote, zum Beispiel Angebote durch die Kirchengemeinde. „Jeder, der sich engagiert, findet was Passendes.“

Was im Ort aber fehlen würde, seien Unterkünfte für ältere Leute. „Es gibt viele, die noch in ihrem Haus leben, obwohl sie dort eigentlich nicht mehr zurechtkommen wegen der Stufen oder Ähnlichem. Sie würden aber gerne in Schaephuysen wohnen bleiben.“ Am Bürgemeister-Beelen-Platz entstünden nun dank eines privaten Investors zehn seniorengerechte Wohneinheiten. „Die Realisierung hat aber sehr lange gedauert, das hätte schneller laufen können. Manche Senioren sind zwischenzeitlich weggezogen, weil es einfach zu lange gedauert hat. Im Alter kann die Zeit knapp werden.“

Barz würde gerne eine alternative Wohnform in Schaephuysen gründen, nach dem Vorbild der „La Compostela“ in Neuwied. Allerdings fehle ihm dazu noch das passende Areal. Unterstützung durch den Bürgermeister wurde ihm zugesagt. Schaephuysen verlassen, will er nicht, „das Baugebiet soll auf jeden Fall in Schaephuysen liegen“.

Udo Hövelmans, Fachbereichsleiter Bauen und Wirtschaftsförderung in der Gemeinde Rheurdt, kennt die Problematik des fehlenden Wohnraums für Senioren und erklärt: „2018 ist der neue Regionalplan Düsseldorf (RPD) in Kraft getreten. Dieser hat auf die Wohnbauentwicklung reagiert.“ Da der Flächenverbrauch in NRW sehr hoch sei, will das Land ihn langfristig drosseln. Das habe ökologische und landwirtschaftliche Gründe. Die Kommunen sind dazu angehalten, die Innenbereiche nachzuverdichten und nicht mehr auf freie Ackerflächen zurückzugreifen. In kleinen Orten mit weniger als 2000 Einwohnern solle langfristig gar keine Wohnbauentwicklung mehr statt finden, da hier die Infrastruktur fehle. Eine Ausnahme gelte, wenn Eigenbedarf angemeldet wird. „Das heißt, der Bauinteressierte muss aus Schaephuysen kommen“, so Hövelmans. Tatsächlich sei auf diesem Wege ein Wohngebiet in Planung. Dieses soll zwischen Tönisberger Straße und Gartenstraße entstehen. Hier wolle man dann auch Theo Bartz berücksichtigen.