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Bosnienhilfe der Caritas in Zeiten von Corona

Bosnienhilfe der Caritas : Die 92. Fahrt der Bosnienhilfe verlief wegen Corona digital

Heribert und Ursula Hölz aus Neukirchen-Vluyn konnten diesmal wegen der Corona-Pandemie nicht zu ihrer geplanten Rundreise nach Bosnien starten. So überwiesen sie erstmals das Spendengeld.

Von Peter Gottschlich

Am 11. März, zwei Tage bevor in Nordrhein-Westfalen der Schulbetrieb eingestellt wurde, hatten Ursula und Heribert Hölz zusammen mit drei Freunden nach Bosnien-Herzegowina fliegen wollen, um dort an verschiedene Organisationen 80 000 Euro Spendengelder aus der Bosnienhilfe zu verteilen. „Wir hatten schon das Taxi zum Flughafen Düsseldorf bestellt“, erzählt Ursula Hölz. „Als wir in der Haustür standen, klingelte das Telefon. Am Apparat war Slobodan Pesorda, der uns als Übersetzer in Bosnien begleitet. Er sagte uns, Einreisende würden zwei Wochen in Quarantäne gehen. Unsere Rundreise sei nicht möglich.“

So blieben Ursula und Heribert Hölz sowie ihre drei Freunde am Niederrhein, nachdem sie bei der 91. Fahrt im Oktober 2019 noch in Bosnien-Herzegowina gewesen waren. Bei ihren Fahrten bringen sie das Geld zu den Empfängern, das von der Bosnienhilfe der Caritas Duisburg und ihnen gesammelt wurde. Pro Jahr sind es zwischen 120 000 und 150 000 Euro, die sie 2019 bei zwei Reisen zwischen Banja Luka und Sarajewo an lokale Träger weitergaben. „Es waren 80 000 Euro, die wir im März verteilen wollten“, erzählt Heribert Hölz. „Doch das funktionierte erst einmal nicht.“

So suchte er einen Weg, das Spendengeld zu überweisen. „Bei einer solchen Summe ist das gar nicht einfach“, schmunzelt er. Er sprach mit der Bundesbank, die ihm eine Auftragsnummer gab und damit Überweisungen ermöglichte, um die 92. Fahrt der Bosnienhilfe zu einer digitalen werden zu lassen. So sandte die Bosnienhilfe 30 000 Euro zur Suppenküche in Zenica, 25 000 Euro zur Alten- und Krankenhilfe in Banja Luka sowie 25 000 Euro in Projekte in und rund um Sarajewo, zum Beispiel in ein Schulprojekt.

Außerdem stand er über Telefon und E-Mail mit den Empfängern in Kontakt. „In Bosnien bekommen einige Menschen nur 50 Euro Rente im Monat“, sagt Heribert Hölz. „Das reicht noch nicht einmal aus, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Bosnien ist ein bettelarmes Land – und das mitten in Europa. Aber in der Corona-Zeit ist es in den Medien weniger präsent.“

Vergessen haben die Niederrheiner die Menschen in Bosnien aber nicht. Sie schicken täglich Briefe und E-Mails an Heribert Hölz, um sich für seinen Einsatz zu bedanken. Sie bedanken sich auch für den Einsatz von Ursula Hölz, die Marmelade eingekocht, die sie verkauft, um den Erlös komplett der Bosnienhilfe zukommen zu lassen. „Einmal hat ein Mann aus Rheinberg sich über das Schafprojekt informiert,“ erzählt Heribert Hölz. „Ein Schaf kostet 100 Euro. Damit kann sich eine Familie mit Milch versorgen. Er hat das Geld für 27 Schafe gespendet, also 2700 Euro. Einmal habe ich eine Spende von einer Frau erhalten, die in Kleve lebt. Sie geht dort zur Tafel. Sie hat das Kleingeld gesammelt, 28 Euro und 27 Cent. Sie konnte nicht auf 30 Euro aufrunden, so arm war sie. Ich hatte Tränen in den Augen, wie sie, die nichts hat, trotzdem gespart hat.“

Rund 3,5 Millionen Euro Geldspenden hat die Bosnienhilfe der Caritas Duisburg seit 1992 in das 3,5-Millionen-Einwohnerland in Südosteuropa geschickt, außerdem Sachspenden. Heribert Hölz zitiert gerne die Ordensschwester Mutter Teresa, die ebenfalls in Südosteuropa geboren ist, im Land Mazedonien, um später in Kalkutta in Indien zu wirken: „Ich weiß, dass das, was ich tue, nur ein Tropfen im Ozean ist. Aber ich weiß auch, dass ohne den Tropfen dem Ozean etwas fehlen würde.“