Nach 150 Jahren: Landschänke zur Grenze in Rayen macht dicht

Nach 150 Jahren : Landschänke zur Grenze macht dicht

Das Traditionsgasthaus in Rayen schließt am 31. Dezember nach 150 Jahren. Besitzer Ernst Deselaers führt das Haus in der vierten Generation. Über die Zukunft des Lokals in Neukirchen-Vluyn gibt es viele Gerüchte.

In der Traditions-Gaststätte Landschänke zur Grenze in Rayen gehen an Neujahr nach 150 Jahren die Lichter aus. Besitzer Ernst Deselaers, der den Familienbetrieb in der vierten Generation führt, geht nach dem 31. Dezember in den Ruhestand, wie er in einer Mitteilung verlauten ließ. „Ich mache Schluss und gehe in Rente“, sagte der 63-Jährige gegenüber unserer Redaktion.

Nachdem er die Gaststätte knapp 38 Jahre lang geführt habe, sei nun ein guter Zeitpunkt, aufzuhören: „Ich habe dann insgesamt 49 Jahre in der Branche gearbeitet, letztes Jahr haben wir unseren 150. Geburtstag gefeiert. Das passt.“ Schon ab dem 1. September werden die Öffnungszeiten in der Landschänke geändert: Bis zum Jahresende ist dann nur noch an den Wochenenden geöffnet, freitags und samstags ab 16 Uhr, sonntags von 12 bis 22 Uhr.

Deselaers will das Gebäude am Eyller Berg, in dem er selber wohnt, entweder verpachten oder verkaufen. Bisher gebe es nichts Konkretes zu vermelden, auch wenn bereits einige potenzielle Käufer Interesse bekundet hätten. Nach Informationen unserer Redaktion soll vor allem ein namhafter Gastronom aus Neukirchen-Vluyn starkes Interesse haben. Deselaers will das nicht kommentieren: „Es laufen verdammt viele Gerüchte durch die Gegend“, sagt der Gastwirt, „und von den meisten höre ich zum ersten Mal.“

Nachdem er den Betrieb 1982 von seinen Eltern übernommen habe, sei die Zeit verflogen: „Ganz ehrlich: Jetzt stehe ich fast 40 Jahre später plötzlich hier. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen.“ In vier Dekaden habe er einiges erlebt: „Viele gute Tage und auch schwache Zeiten. Man hat im Restaurant immer gemerkt, wie es gerade um unsere Wirtschaft bestellt war. Momentan sind wir auf einem Hoch, da kommen viele Leute essen.“ Fest steht für ihn: „Es gibt nichts Schöneres, als für Gäste da zu sein.“

In der Landschänke zur Grenze sind viele Generationen von Landwirten, Jägern und anderen Gästen eingekehrt. Nach der Haus-Chronik wurde das Wohnhaus 1772 erbaut, das mit seinen Gebäuden zur damaligen Zeit als landwirtschaftlicher Betrieb mit Schmiede genutzt wurde. Der Name der Schmiede ist mit „Plänkskes-Smett“ überliefert. Urgroßvater Franz Deselaers heiratete 1868 ein. „Das war früher eine einfache Bauernstube mit einem kleinen Raum“, sagt sein Urenkel. Mit der Zeit seien die Räumlichkeiten gewachsen, eine Kegelbahn hinzugekommen. Ab 1971 habe Ernst Deselaers dann mitgearbeitet. Höhepunkt war schließlich die 150-Jahr-Feier, zu der knapp 500 Gäste kamen. „Ich habe die Küche so gestaltet, dass sie typisch für den Niederrhein und offen für alle ist“, sagt er. Mit dem Wort „bürgerlich“ habe er hingegen nie etwas anfangen können: „Ich habe keine Ahnung, was bürgerlich sein soll.“

Auf dem Familienfoto aus dem Jahr 1933 posieren die Vorfahren von Ernst Deselaers vor der Landschänke. Großvater Wilhelm sitzt auf dem Stuhl, Vater Ernst senior steht rechts. Foto: Norbert Prümen (nop)

Zum Abschluss hat Deselaers zum Jahresende noch eine Goldhochzeit im Haus, an Silvester verabschiedet er sich dann mit einem Candlelight-Dinner. „Das wird ein schöner, ruhiger Ausklang mit von mir ausgewählten Menüs“, sagt er. Ein passender Abgang für die urige Gaststätte, die bei Gästen auch für ihre liebevolle Einrichtung und Dekoration bekannt war.

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