Nettetal: Leo Thoenissen leitet die freiwillige Feuerwehr Nettetal

Nettetal : Nettetals oberster Brandbekämpfer

Leo Thoenissen geht in seine dritte Amtsperiode als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Nettetal. Seit 41 Jahren gehört er der Truppe an, seit 2007 führt er mehr als 380 Helfer. Rund 500 Einsätze gibt es in jedem Jahr zu absolvieren.

 Leo Thoenissen hat noch Pläne. „Wir müssen die Gerätehäuser in Lobberich, Breyell, Leuth und Kaldenkirchen modernisieren“, sagt er. Soeben hat der 61-Jährige seine dritte Amtsperiode als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Nettetal angetreten. „Mit 67 ist dann endgültig Schluss“, sagt der Breyeller, der seit 41 Jahren Uniform trägt und seit 2007 in der Seenstadt Herr über 380 Blauröcke ist.

Mit Modernisierung meint Leo Thoenissen, dass es in vier von sechs Gerätehäusern noch keinen getrennten Umkleidebereich gibt. „Unsere Kameraden müssen sich momentan hinter den Fahrzeugen umziehen, das birgt Gefahren.“ Ein weiteres Ziel, das sich der Stadtbrandinspektor gesteckt hat: eine eigene Reinigungsanlage für die Uniformen, wie sie bereits bei den Wehren in Viersen, Willich und Kempen gang und gäbe ist. „Wir haben rund 500 Einsätze im Jahr. Da muss hinterher einiges gereinigt werden“, begründet er sein Anliegen.

Leo Thoenissen ist ein Feuerwehrmann durch und durch. Dieser ehrenamtlichen Aufgabe hat er fast seine komplette Freizeit verschrieben. Als zuständiger Mann beim Nettetaler Ordnungsamt für vorbeugenden Brandschutz kann er Beruf und Berufung perfekt verbinden. Von Haus aus kaufmännischer Angestellter und nach langen Jahren bei Ford Hölter hat er 2004 noch mal umgesattelt und hat seitdem sein Büro im Rathaus am Lobbericher Doerkesplatz.

Stolz ist Leo Thoenissen, dass die Nettetaler Feuerwehr über eine eigene Taucherstaffel verfügt. „In der Seenstadt sollte das ja auch nahe liegen“, sagt er und schmunzelt. Er betont aber gleichzeitig auch, dass es in der Region keine andere Taucherstaffel gibt, so dass die Nettetaler häufig auch zu Einsätzen über die Kreisgrenze hinaus gerufen werden. Leo Thoenissen selbst hat die Staffel über Jahre als aktiver Taucher mitgetragen. „Ich tauche immer noch, aber nur in meiner Freizeit und am liebsten im Roten Meer.“ Es gibt kaum etwas, das er als Feuerwehr-Taucher nicht aus den Nettetaler Seen herausgefischt hat: Autos, Mofas, Diebesgut …

Wie sich der Job in seiner langen Feuerwehrkarriere verändert hat? „Brände sind weniger geworden. Dafür leisten wir heute meistens technische Hilfeleistungen.“ Das kann eine verletzte Person sein, die hinter einer Tür eingeklemmt ist. Die berühmte Katze auf dem Baum, ein entflohener Papagei. „Einmal“, erinnert er sich, „hatte jemand den Finger im Kaugummiautomat feststecken. Wir haben das Teil zersägt und die Person samt beklemmendem Teil ins Krankenhaus gebracht.“

Natürlich hat er in der Vergangenheit bei zig Bränden in der Region die Einsätze geleitet. In Kaldenkirchen war es besonders heiß, sei es beim Lagerhallenbrand bei Leven oder beim Reifenbrand, als 30.000 Gummiteile in Flammen standen. So richtig in Lebensgefahr ist er dabei aber nach eigener Aussage nie geraten. „Weitsicht und Erfahrung spielen eine große Rolle. Und man muss immer Ruhe bewahren“, nennt er sein Rezept für den gefährlichen Job des Feuerwehrmanns.

Feuerwehrmann geworden ist er „wegen der Kameradschaft“. Das zählt für ihn heute noch und ist der Grund, weswegen die Nettetaler Blauröcke keine Nachwuchsprobleme haben. „Wir haben in den 15 Jahren der Jugendfeuerwehr bestimmt schon 50 in den aktiven Dienst übernommen.“

Leo Thoenissen liebt seine Heimat und möchte als Feuerwehrmann dazu beitragen, dass dieses hohe Gut erhalten bleibt. „Die Natur ist einzigartig. Meine Frau Diana und unser Schäferhund Sam genießen die Spaziergänge an den Seen.“ Aber, gibt er zu bedenken, der Job des Stadtbrandmeisters nimmt auch viel Zeit in Anspruch, „zehn bis 15 Stunden in der Woche“, so schätzt er. So, wie er die Feuerwehr Nettetal leistungsfähig gestaltet, so tüftelt er in der knapp bemessenen Freizeit am Einfamilienhäuschen an der Dohrstraße, wo er seit 1993 lebt. „Alles selbst gebaut“, sagt er stolz. Betätigung hat er heute schon genug. Aber bis zum echten Ruhestand sind es ja noch sechs Jahre.

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