Lobberich: „Charakterkopf“ in der Alten Kirche

Lobberich : „Charakterkopf“ in der Alten Kirche

Hans-Martin Stier erzählte von der Seefahrt. Dazu unterhielt er mit Musik.

„Toll, dass es so voll ist“, entfuhr es Hans-Martin Stier in der Alten Kirche Lobberich. Der Kulturkreis der Wirtschaft hatte ihn zur Reihe „Charakterköpfe“ eingeladen. Zu denen ist Stier sicherlich zu zählen; er kann auf eine sehr individuelle Biographie zurückblicken. In den 1960er-Jahren war er sechs Jahre lang zur See gefahren, weil er Kapitän werden wollte. Das wurde er dann schließlich nicht, sondern erst Rockmusiker und später Schauspieler. Und heute verbindet er alles miteinander. Er erzählt von seinen Abenteuern bei der Seefahrt und singt englisch- und deutschsprachige Lieder.

Zusammen mit der dreiköpfigen Band „Shipping Company“ (Perkussion, Keyboards, E-Gitarre und Akkordeon), illustrierte er musikalisch seine heiteren, ernsten und gefährlichen Erlebnisse während der rund 60.000 Meilen, die er auf den Meeren zugebracht hat. War Seemannsgarn dabei? Stier versicherte, dass alles stimmt. Warum auch nicht? Wer sechs Jahre lang zwischen den Erdteilen unterwegs ist, der erlebt auch was.

Dabei wurde zugleich Zeitgeschichte lebendig. In Chicago erlebte Stier gleichzeitig die recht ruppigen Sicherheitsmaßnahmen für eine Parteiveranstaltung der Demokraten, eine Demonstration gegen den Vietnam-Krieg und ein Massentreffen der Hippies. Die Brutalität der Polizei entsetzte ihn. Ein Flirt mit einem Hippie-Mädchen führte ihn in die Slums von Chicago. Der Aggressivität ihres Bruders konnte er nur mit großer Mühe entfliehen.

Auf hoher See wurde fast zu spät bemerkt, dass Wasser ins Schiff lief. Unter großen Anstrengungen schaffte Stier noch den Weg zum Pumpenraum und rettete im letzten Moment nicht nur der 28-köpfigen Besatzung das Leben, sondern auch 6000 schon verzweifelt blökenden Schafen, so erzählte er.

Hans-Martin Stier fuhr erst zur See, wurde dann Rockmusiker, später Schauspieler. Heute verbindet er alles miteinander. RP-Foto: Jörg Knappe. Foto: Joerg Knappe

Eine spezielle Aufgabe wartete in Schottland auf ihn. Er hatte aufzupassen, dass die trinkfesten Hafenarbeiter den Whisky aufs Schiff brachten, ohne selbst davon zu trinken. So ganz, versicherte er seinen amüsierten Zuhörern, habe er das aber nicht verhindern können.