Brata baut für 45 Millionen Euro in Nettetal-Breyell

Neuansiedlung in Nettetal : Brata baut für 45 Millionen Euro in Breyell

Der Paniermehlhersteller Brata KG aus Neuss lässt auf dem Gelände an der Dülkener Straße in Breyell bauen. Zunächst sollen 30 neue Arbeitsplätze entstehen, nach dem Endausbau sollen es 60 bis 70 werden.

Seit acht Wochen bewegen Bagger und Lastwagen auf dem Gelände zwischen Autobahn 61 und der Dülkener Straße die Erdmassen hin und her: Dort wird ein neuer Produktionsbetrieb des Neusser Paniermehlherstellers Brata errichtet. Insgesamt investiert das Familienunternehmen 45 Millionen Euro.

In den nächsten Wochen werden 666 Pfähle in die Erde gerammt, um den Baugrund zu verbessern. Wenn die Fundamente gegossen sind, werden schnell die 22 Meter hohen Stützen für die Stahlbauhalle folgen. „Dann kann man auch sehen, was hier gebaut wird“, erläutert Architekt Bernd Sokolowski vom Grevenbroicher Büro Lenze und Partner beim symbolischen Spatenstich.

Der Zeitplan ist eng getaktet. Im Oktober soll der Rohbau stehen. Anschließend kommen die Anlagenbauer der Firma Derichs Verfahrenstechnik (Übach-Palenberg), um die Maschinen und Anlagen für eine Produktionsstraße zu errichten: Brot backen, kühlen und zerbröseln, dann Paniermehl und Panaden in der gewünschten Aufbereitung herstellen. Brata-Geschäftsführer Michael Wiesner ist davon überzeugt, dass das alles klappen wird, denn die beauftragten Firmen – einschließlich der Generalunternehmer-Arbeitsgemeinschaft Reuter/Florack (Grevenbroich/Heinsberg) – arbeiten schon lange Hand in Hand für das Unternehmen.

Wie Wiesner erläutert, braucht das Unternehmen aufgrund der guten Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten dringend eine Erweiterung. Diese ist am Standort selbst in Neuss-Weckhoven (Erprather Mühle an der Erft) nicht möglich. Auch sonst war in Neuss kein geeignetes Grundstück verfügbar, so dass vor anderthalb Jahren die Fühler nach Nettetal ausgestreckt wurden.

Auf dem Gelände in Breyell wollte ursprünglich ein Tochterunternehmen des Discounters Lidl Tafelwasser produzieren, doch ließ die Wasserqualität zu wünschen übrig. „Hier haben wir für die nächsten Jahrzehnte Ruhe“, sagt Wiesner zufrieden. Jetzt wird zunächst auf einem Drittel der insgesamt 143.000 Quadratmeter großen Fläche eine Produktionshalle mit Lagerkapazitäten errichtet: 142 Meter lang, 60 Meter breit und bis zu 23 Meter hoch. Die überbaute Grundfläche beträgt etwa 6000 Quadratmeter. Die Nutzfläche ist sehr viel größer, da bis zu vier Geschosse eingebaut werden. Wiesner rechnet damit, dass der zweite Bauabschnitt Mitte des nächsten Jahrzehnts folgt. Dann werde auch die Mitarbeiterzahl von zunächst 30 auf 60 bis 70 steigen.

Die Stadt Nettetal habe in „rekordverdächtiger Zeit“ die nötigen Planungsgrundlagen geschaffen, lobt Wiesner. Denn vom Notarvertrag bis zur Baugenehmigung dauerte es nur ein Jahr. Die Blumen reicht Bürgermeister Christian Wagner (CDU) an seine Mitarbeiter weiter und erinnert an den „sehr verlässlichen Umgang miteinander“: Teilweise seien Rahmenbedingungen am Telefon geregelt worden, so dass die Planung „in Windeseile auf den Weg gebracht werden konnte“. Man hätte, sagt Wagner, den Grundstückskaufvertrag auch per Handschlag abschließen können. Weil es das Gesetz so fordert, ist dann aber doch auch ein Notarvertrag abgeschlossen worden.

Bei der Planung sei aber auch manches „dicke Brett zu bohren gewesen“. Vor allem die Zufahrt zum Gelände von der Dülkener Straße aus gegenüber der Straße Bergerfeld habe Probleme bereitet. Nun hofft das Unternehmen, dass bis Herbst 2020 alles geregelt ist. Gegenwärtig führt eine Baustraße auf das Gelände, die knapp 100 Meter versetzt zu Bergerfeld angelegt wurde. „Auch das war nicht einfach“, merkt der Architekt an. Gebohrt werden muss auch unter der Autobahn hindurch für eine neue Stromzuleitung von Lobberich her, da die jetzigen Kapazitäten in Breyell dafür nicht ausreichen.

Auch der Verkehr wird zunehmen: Gerechnet wird für die ersten Jahre mit werktäglich rund 40 Lkw-Bewegungen (Zu- und Abfahrt). Erst nach dem Endausbau soll die Zahl dieser Bewegungen auf etwa 160 steigen.

Die Kreuzung Dülkener Straße/Bergerfeld/Brata soll eine Ampelanlage erhalten. Das hielt ein Anwohner während der Bürgerinformation zum Plan für dringend erforderlich, da teilweise jetzt schon chaotische Zustände an diesem Einmündungspunkt herrschten.

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