Grenzland: Erste Spargelstangen werden bereits jetzt geerntet

Grenzland : Erste Spargelstangen werden geerntet

Spargel mag es sonnig und warm — dank des guten Wetters im Februar wird bereits jetzt Spargel gestochen. Folien ermöglichen die notwendige Temperatur in der Erde. Damit beginnt die Saison rund zwei Wochen früher als üblich.

Spargelbauern und Liebhaber des Gemüses können sich freuen: Im Grenzland wird bereits der erste Folienspargel gestochen und verkauft. Auch der Freiland-Spargel werde nicht mehr lange auf sich warten lassen, sagt Landwirt Herrmann Ingenrieth, Betreiber des Genholter Hofs in Brüggen. „Das ist in der Tat sehr früh“, meint er. „Das ist vor allem dem durchgehend warmen Februar geschuldet.“ Normalerweise gebe es ein paar Tage Flaute, aber in diesem Jahr sei der Februar wirklich gut gewesen, so Ingenrieth.

Lediglich der Sturm Anfang März habe den Landwirten etwas zu schaffen gemacht. „Dadurch ist bei unserem Folienspargel natürlich einiges durcheinander gekommen“, sagt Ingenrieth. „Die ganze Woche war danach noch Wind und viel Regen, so konnten wir erst in der darauffolgenden Woche wieder alles herrichten.“ Aber das sei der einzige Wermutstropfen. Ansonsten „war wirklich alles gut“.

Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW spricht von einem kleinen Vorschuss, den der Spargel durch den kurzen „Sommerausbruch“ im Februar bekommen habe. „Denn der Spargel wächst, wenn es warm ist. Sobald es kalt wird, ist Schluss“, sagt Rüb. Die Auswirkungen der langen Trockenperiode 2018 müssten sich erst noch zeigen, sagt Rüb. Heimische Landwirte befürchten Ernteeinbußen. Generell aber bestehe bei dem Gemüse eher das Wärmeproblem, sagt Rüb: „Spargel braucht nicht so viel Wasser wie etwa Erdbeeren brauchen.“ Dank der langen Wurzeln, die etwa ein bis 1,5 Meter in die Erde wachsen, überstehen Spargelpflanzen Trockenheit besser als Flachwurzler.

Den ersten Spargel der Saison hat Spargelbauer Willi Bonnacker bereits am Donnerstag gestochen – zwei Wochen früher als üblich. Der ging in den Handel, ab dem Wochenende können auch Privatpersonen auf seinem Hof in Nettetal-Kaldenkirchen zugreifen. Er sagt: „Notwendig fürs Wachstum ist eine Temperatur von zwölf Grad im Boden, die erreichen wir durch die Folie.“ Die würde auf etwa einem Drittel seiner rund 80 Hektar Fläche eingesetzt werden.

Walburga Heyman vom gleichnamigen Spargel- und Erdbeerhof in Nettetal-Lobberich will „im Laufe der Woche richtig anfangen“. „Wir werden ab dem Wochenende verkaufen“, kündigt sie an. Hier und da sei schon ein Spargelköpfchen zu sehen, den Rest regele das Wetter der kommenden Tage. Dank der Folie wachse das Gemüse nicht nur früher – weil kein Licht hindurch dringe, würden die Köpfe auch ihre weiße Farbe behalten. Das wirkt sich hauptsächlich auf den Preis aus: „Wenn die Köpfe im Licht sind, werden sie blau bis grün“, sagt Heymann, „und der Spargel wird immer günstiger.“

Spargel ist das beliebteste Gemüse der Deutschen. 2018 wurden knapp 130.000 Tonnen Spargel geerntet. Es ist laut Angaben des statistischen Bundesamts die bedeutendste Gemüseart bundesweit gemessen an der Anbaufläche von 23.400 Hektar und damit einem Anteil von 19 Prozent an der gesamten Anbaufläche für Gemüse. Mehr als 55 Prozent der Anbaufläche für Spargel liegen in Niedersachsen (5100 Hektar), Nordrhein-Westfalen (4000 Hektar) und Brandenburg (3900 Hektar)

Wer bereits das erste Spargelmenü plant, sollte pro Kilogramm etwa zwölf bis 14 Euro einplanen. „Das gilt jetzt für die erste Sortierung“, sagt der Brüggener Landwirt Ingenrieth. „Bei den kommenden geht der Preis runter.“ Etwa sieben bis acht Euro seien denkbar. „Das betrifft dann die etwas dünneren oder optisch nicht so ansprechenden Spargelstränge. Dabei schmecken die alle genauso gut. Aber das Auge isst mit“, sagt Ingenrieth und lacht.

Eng beziehungsweise teuer könnte es vor Feiertagen wie etwa Ostern werden, sagt die Lobbericherin Heyman: „Wenn es vorher wieder kalt wird, geht die Produktion runter, dann kostet der Spargel mehr.“ Wetterbedingt schwanken die Tagespreise manchmal deutlich. Rüb von der Landwirtschaftskammer: „Wir melden gar keine Preise mehr. Die Landwirte sollen entscheiden, wie viel sie nehmen.“

Die Prognose für die Ernte in diesem Jahr sei „sehr gut“, sagt Ingenrieth. Trotz des heißen Sommers 2018. „Da hatten wir natürlich alle Probleme“, sagt der Brüggener. Laut dem Landwirt seien weitere Wetterextreme zudem nicht ausgeschlossen: „Wir hatten zuletzt eine große Versammlung, bei der genau das Thema war. Wir müssen uns darauf einstellen, dass diese Wetterprobleme zunehmen.“

Mehr von RP ONLINE