Abba-Lieder zum vorläufigen Abschied von der Werner-Jaeger-Halle in Nettetal-Lobberich

Vorläufiger Abschied von der Werner-Jaeger-Halle : Werner-Jaeger-Halle: Abschied mit Abba

Nach 45 Jahren fiel der vorerst letzte Vorhang in Nettetals Stadttheater. Der Abend passte perfekt zum Spielort: Abbacoustica begeisterten die mehr als 250 Menschen mit Hits und weniger bekannten Liedern des Schweden-Quartetts.

Es war das ideale Abschiedskonzert für die Werner-Jaeger-Halle: Die fünfköpfige Formation Abbacoustica ließ die mehr als 250 Zuschauer am Sonntagabend jubeln, klatschen und bei „I have a Dream“ mitsingen.

Eigentlich wäre bereits am Montag zuvor der vorerst letzte Vorhang in Lobberich gefallen. Aber eine Bronchitis von Abbacoustica-Sängerin Annette Hessel erzwang einen anderen Termin für den Auftritt. „Doch jetzt ist endgültig Schluss. Für Kulturveranstaltungen können wir nicht mehr zurück“, erläutert Roger Dick, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, am letzten Spieltag. Teile der Technik seien bereits ausgebaut worden.

Das Stadttheater und die beiden erfolgreichsten Paare der schwedischen Popmusik haben einiges gemeinsam: 1974 begann Abbas internationale Karriere. Mit „Waterloo“ sicherten sich Anni-Frid und Benny sowie Björn und Agnetha in Brighton den Sieg beim Grand Prix Eurovision de la Chanson, heute Eurovision Song Contest. Noch im selben Jahr folgten mit „Honey, Honey“ und „So long“ weitere Hits. In Nettetal war 1974 das Jahr, in dem die Menschen sich mit der neuen Werner-Jaeger-Halle über ein eigenes Theater freuen konnten: 517 Zuschauer fanden seit Oktober 1974 in Saal und auf der Empore auf samtenen Stühlen Platz, um Schauspiel, Musik und Comedy zu erleben. Das angrenzende Werner-Jaeger-Gymnasium nutzte die Halle für seine Veranstaltungen.

Selbst diejenigen, die sich für Abba-Experten hielten, konnten an diesem Abend noch etwas Neues erfahren: Dass „Chiquitita“ ursprünglich „In the Arms of Rosalita“ heißen sollte. Oder dass Benny Anderson, der vor Abba erfolgreich solo gesungen hatte, nur einmal einen Abba-Titel sang, nämlich „Suzy hang around“. Der wurde ebenso mitreißend präsentiert wie andere kaum bekannte Titel: „One Man, one Woman“ oder „Man in the Middle“.

Mehrfach gab es spontanen Applaus, etwa bei „Fernando“, der melodischen Lebensbilanz zweier Revolutionäre. Dabei griff neben den Sängern Jo Schleker und Viktor Wendtner auch Pianist Stefan Wurz zur Gitarre. Wurz begeisterte bereits zu Beginn bei einem langen, aber stimmungsvollen Medley und zeigte auch mal Blues-Elemente.

Den Anspruch, mehr als Abba-Doubles zu sein und lediglich Playback zu bieten, löste das Sängerquartett gekonnt ein. Sowohl Ramona Akgören als auch Annette Hessels bewiesen ihre stimmlichen Qualitäten. Mal mitreißend rockig, mal einfühlsam und dramatisch konnten die Besucher auch tausendmal gehörte Hits neu erleben, etwa „Super Trouper“, „Knowing me, knowing you“ oder „Money, Money, money“.

Wer etwas kritisieren möchte an diesem mitreißenden Abend, könnte darauf verweisen: Leider fehlten Titel (wie „One of us“) aus dem achten und letzten Abba-Album „The Vistors“, immerhin die erste CD der Unterhaltungsmusik.

Nicht fehlen dagegen durfte die musikalische Verbeugung vor den großen Vorbildern, für die es viel Beifall gab. Zum Abschluss wurde die Liedzeile „Thank you for the Music for giving it to me“ aus „Thank you for the Music“ umgewandelt in „Thank Abba for the music for giving it to us“.

Dank auch an die Werner-Jaeger-Halle für viele schöne Stunden voller Lachen, Freude und vielleicht sogar mancher Tränen. Auch wenn es zuletzt doch hart war.